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Corsair HydroCool200 – externe Flüssigkeitskühlung - 1/8
12.07.2003 by holger
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Mit dem HydroCool200 verlässt Corsair den vertrauten Bereich des Speichermarktes und bewegt sich auf völlig fremdem Terrain: Dem der externen Wasserkühlungssysteme. Um dennoch vom Start weg ein ausgereiftes und überzeugendes System präsentieren zu können, kauft Corsair die Kompetenz von Delphi Thermal Systems, dem weltgrößten Hersteller von professionellen Flüssigkeitskühlsystemen, ein. Unter anderem kommt deren universeller Kühlkörper, der sowohl auf AMD-K7- als auch auf Pentium4-System montiert werden kann, mit patentierter Mikrostruktur zum Einsatz.

Wie der Name bereits verrät, wurde das Gesamtsystem so dimensioniert, dass eine Abwärme von 200 Watt vom Kühlkörper über den Wärmetauscher abgeleitet werden kann.

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Beschäftigen wir uns zunächst mit den zu erwartenden Temperaturen sowie dem so genannten C/W-Wert.

Eine gängige Fehlannahme geht davon aus, dass unmittelbar nach dem CPU-Kühler eine höhere Wassertemperatur gemessen werden könnte, als vor dem CPU-Kühler. Aufgrund der sehr hohen Durchflussgeschwindigkeit wird sich jedoch eine weitgehende Temperaturverteilung über das gesamte System hinweg ergeben. Liegt die CPU/Core-Temperatur auf konstantem Niveau, wird sich demnach auch die Wassertemperatur auf konstantem Niveau einpendeln.

Die Frage, die sich nun stellt, lautet folgerichtig: Wie viel höher fällt die Temperatur der Kühlflüssigkeit aus?

An dieser Stelle kommt der C/W-Wert ins Spiel, der angibt, um wie viel °C die Flüssigkeitstemperatur im System ansteigt, um 1 Watt Abwärme abzuführen. Demnach würde ein C/W-Wert von 1.0 einen Kühlmittel-Temperaturanstieg für jedes abgeführte Watt um genau ein °C ansteigen. Hier muss natürlich noch die Umgebungstemperatur berücksichtigt werden. Legt man den sehr guten C/W-Wert von 0.14 im Flüster-Mode sowie 0.13 im Turbo-Mode zugrunde, dann erhielte man bei einer Abwärme von 80 Watt ein Temperaturanstieg der Kühlflüssigkeit von 11,2°C bzw. 10,4°C über der Umgebungstemperatur.

Wie bereits oben erwähnt wurde, wurde der HydroCool200 so dimensioniert, dass dieser bis zu 200 Watt abführen kann. Im Turbo-Mode ergäbe sich bei einer Raumtemperatur von 20°C eine Kühlmitteltemperatur von immerhin 46°C.

Selbstverständlich beinhaltet obige Beispielrechnung einige Simplifikationen und Verkürzungen, ansonsten könnte man die Problematik nicht fassbar darstellen.

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Der Lieferumfang
Da Corsair bei seiner Wasserkühlung mit dem Anspruch antritt, ein Pluy&Play-System auszuliefern, umfasst der Lieferumfang sämtliche Komponenten, die zum Betrieb einer Wasserkühlung benötigt werden. Zudem wurden deren Bestandteile weitgehend vormontiert, sodass der Einbau in wenigen Minuten von statten gehen kann. Tatsächlich fehlt lediglich das destillierte Wasser, auf das man keinesfalls verzichten sollte. Wir meinen, dass Corsair hier den richtigen Weg gegangen ist, uns erscheint es unsinnig, ein paar Liter destilliertes Wasser von Amerika zum Distributor, anschließend zum Händler und zum Kunden zu verschicken. Der gesamte Transportprozess würde durch einen Cent-Artikel aufgrund der weitaus größeren Verpackung und des höheren Gewichts derart teuer, dass die Kosten wohl unweigerlich auf den User überwälzt werden müssten. Wir empfehlen einfach zu Obi und Co zu gehen und einen 5 Liter-Kanister für schlappe zwei Euro zu erwerben.

Neben dem HydroCool-Aggregat findet man folgende Teile:

Wie man sieht, fehlt bis auf das destillierte Wasser keine einzige Komponente zum Betrieb der Kühlung. Um chemische Reaktionen zu verhindern, sollte keinesfalls auf destilliertes Wasser verzichtet werden. Weiterhin empfiehlt sich ausdrücklich die Verwendung des vom Hersteller freigegebenen Additivs, da nur so der galvanische Prozess, der durch den Kupfer-Kühlkörper sowie den Aluminium-Wärmetauscher in Gang gesetzt werden würde, unterbunden wird.

Die Zentraleinheit der HydroCool200
Den meisten Wasserkühlungen mangelt es an integrierten Überwachungsfunktion, nicht selten leidet darunter die Betriebssicherheit. Will man dem entgegenwirken, müssen sämtliche Funktionen durch zusätzliche, zumeist recht teure, Baugruppen in eine bestehende Wasserkühlung aufwändig integriert werden. Corsair geht hier einen entscheidenden Schritt weiter: Über das 4-stellige Display, das die Temperatur der Kühlflüssigkeit anzeigt, können sämtliche Setup-Informationen sowie Alarm-Modi angezeigt werden. Per default definiert Corsair bei 45°C die erste Alarmstufe (AL1), die den User dazu veranlassen sollte, nach abgeknickten Schläuchen oder dem Ausfall der Pumpe Ausschau halten zu lassen. Corsair empfiehlt auf jeden Fall den Rechner sofort herunterzufahren, um sämtliche Komponenten auf einen möglichen Defekt hin zu überprüfen. Sollte die vordefinierte Temperatur zu niedrig gewählt sein, da die Konfigurationsparameter des Restsystems in Verbindung mit hohen Umgebungstemperaturen dies verlangen, so kann der User individuelle Vorgaben machen.

Steigt die Temperatur über 50°C – Corsair lässt dem User auch in diesem Fall selbständige Konfigurationsmöglichkeiten – führt HydroCool eine Notfall-Abschaltung (Shut Down) durch.

Fällt der Pegel im Ausgleichsbehälter unter ein definiertes Minimum, zeigt das System „FILL“ auf dem Display an, außerdem ertönt ein akustischer Alarm.

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Flüster- und Turbo-Mode
Im Normalbetrieb, dem Flüster-Mode, wird der Lüfter des Wärmetauschers mit 2/3 der maximalen Geschwindigkeit betrieben, wodurch der Geräuschpegel im Zaum gehalten werden soll. Steigt die Temperatur über 40°C, schaltet das System in den Turbo-Mode, sodass der Lüfter deutlich hörbar mit voller Geschwindigkeit läuft, gleichzeitig leuchtet die Turbo LED unterhalb des 4-stelligen Displays auf. Fällt die Kühlmitteltemperatur unter 38,5°C, schaltet HydroCool automatisch in den Flüster-Mode.

Generell kann der User das System selbständig in den Turbo-Mode versetzen und diesen anschließend deaktivieren.

Im Diagnose-Mode werden sämtliche Überwachungsparameter auf Einhaltung überprüft. Als Ergebnis wird als Prüfergebnis entweder „PASS“ oder „FAIL“ ausgegeben. Weiterhin kann im Diagnose-Mode die Shut-Down-Funktion überprüft werden, also, ob der Rechner tatsächlich bei (natürlich durch die Software simuliert) erreichter Höchsttemperatur zuverlässig eine Endabschaltung vornimmt.

Transport des HydroCool
Soll der Rechner auf eine LAN mitgenommen werden, erscheint ein verkabelter Transport unpraktisch. Corsair setzt selbstversiegelnde Schnellverschlüsse ein, sodass die Schläuche im befüllten Zustand einfach abgezogen werden können, ohne dass Flüssigkeit austreten kann. Corsair weist jedoch darauf hin, dass man das System keinen Temperaturen unter 0°C aussetzen soll – beim Transport im Winter ein nicht zu vernachlässigendes Problem.

Die Zwischenbilanz in Sachen Betriebssicherheit fällt überaus positiv aus, addiert man sämtliche Ausgaben für solche Komponenten, die die gleichen Funktionen in ähnlich professioneller Art und Weise implementieren, kommt man leicht auf einen Betrag, der die Anschaffungskosten des HydroCool übersteigt!

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Die Installation der Komponenten
Zunächst wird die sog. Interface-Slot-Karte in einen freien PCI-Karten-Slot des PC-Gehäuses eingesetzt, wobei kein physischer Kontakt über den PCI-Bus besteht. Über diese Controller-Karte erfolgt die Hauptkommunikation zwischen PC-Innerem und der externen Kühleinheit: Sowohl der Temperatursensor, der im CPU-Kühler eingelassen ist, als auch das Power-Controll-Kabel zum Einschalten und zur Notfallabschaltung des Rechners werden mit der Interface-Karte verbunden. Anschließend werden die Schläuche des Kühlkörpers durch die Schutzdichtungen der Interface-Karte geführt und das Steckkärtchen mit einem beliebigen HDD-Stromkabel verbunden.

Danach sollte der Kühlkörper mit innenliegender Mikrostruktur, wodurch die Wärmeaustauschfläche maximiert wird, montiert. Der Kühler kann dank entsprechender Befestigungsmechanismen universell auf Pentium4- als auch Sockel A-Systemen eingesetzt werden. Auf Intel-Plattformen wird zunächst ein Adapter zur Montage im Standard-Retention-Modul eingesetzt, der dann mit zwei Klammern fixiert wird. Für AMD-Systeme sieht Corsair eine Halteklammer mit immerhin 6 Befestigungsnasen vor, die mittels Schraubenzieher fixiert wird.

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Der Anschluss an die Zentraleinheit gestaltet sich denkbar einfach: Der User muss lediglich die beiden 1,5 m langen Schlauchpärchen auf die gewünschte Länge kürzen und anschließend mit den selbstversiegelnden Schlauchanschlüssen sowie den Schlauchklemmen konfektionieren. Danach werden beide Schläuche mit den Anschlüssen der Zentraleinheit verbunden. Die Kommunikation zwischen Rechner und externer Kühleinheit stellte ein D-Sub-Kabel sicher.

Das Befüllen gestaltet sich ebenfalls völlig unproblematisch und ist binnen weniger Minuten erledigt. Der User muss zunächst 150 ml des Additivs in den Ausgleichsbehälter geben und den Rest mit destilliertem Wasser auffüllen. Danach wird der Rechner eingeschaltet und ca. zwei Minuten oder bis der FILL-Alarm ertönt laufen gelassen. Während dieser Testphase sollte an dem externe Kühlblock vorsichtig gerüttelt werden, um sämtliche Luftblasen aus dem Wärmetauscher zu entfernen. Anschließend wird der Ausgleichsbehälter mit destilliertem Wasser aufgefüllt – fertig!

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Alltagsbetrieb und Messergebnisse
Unmittelbar nach dem Kaltstart des Rechners startet HydroCool aus Sicherheitsgründen im Turbo-Mode, um nach bestandener Diagnose-Prüfung im Flüster-Mode weiterzuarbeiten. Doch ein echtes Silent-Erlebnis wollte sich nicht einstellen: Schuld daran war die in dämpfender Gummimanschette aufgehängte Pumpe, die unüberhörbar von ihrer Arbeit kündete. Wären wir sarkastisch, könnten wir auf den Gedanken kommen, dass das Betriebsgeräusch unabdingbar ist, da so die Funktion der Pumpe signalisiert wird. Spaß beiseite, auch nach drei Tage währender Einlaufphase wollte die Pumpe ihr Betriebsgeräusch nicht reduzieren. Bei Corsair Deutschland nahm man das Problem äußerst ernst und versprach so schnell wie möglich Abhilfe zu schaffen. Schließlich soll eine Wasserkühlung nicht nur leistungsfähig, sondern auch leise zu Werke gehen.

Die Messwerte wurden bei sommerlichen Innenraumtemperaturen von ca. 26°C mit dem MSI 875P Neo sowie einem auf 3299,55 MHz übertakteten Pentium4 ermittelt, um eine möglichst hohe Verlustleistung zu erzeugen. Als Sparlingspartner stieg der neue Referenzkühler Thermalright SLK900U, der mit dem 80 mm-Noiseblocker-Lüfter (S4) bestückt war, in den Ring.

Kühler Raum Wasser
IDLE
CPU
IDLE
Wasser
LAST
CPU
LAST
Last-Raum Lautstärke
Thermalright
SLK900U
S4/80 mm
3200 U/min
26° - 34° - 50° 24° mittel
Corsair
HydroCool200
Flüster-Mode
26° 26°C 30°C 30° 40° 14°C° laut
Corsair
HydroCool200
Turbo-Mode
26° 26°C 30°C 30° 39° 13°C° sehr laut

Die Temperaturmessungen sprechen eine deutliche Sprache, die uns gedoch keinesfalls erstaunt: Der beste zurzeit erhältliche Luftkühler hat gegen eine effizient arbeitende Wasserkühlung nicht den Hauch einer Chance. Für Overclocker erscheint daher eine Wasserkühlung beinahe ein Muss zu sein, insbesondere, wenn sie sich derart einfach installieren und in Betrieb nehmen lässt. Wie bereits weiter oben angedeutet, konnte jedoch die Geräuschentwicklung nicht überzeugen, die eingesetzte Pumpe mag von hoher Qualität sein und auf absolute Betriebssicherheit getrimmt sein, sie ist jedoch viel zu laut.

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Fazit und Empfehlung
Zugeben, wir von Au-Ja! haben uns in der Vergangenheit wenig mit Wasserkühlungen beschäftigt, da wir einerseits der Überzeugung waren, dass Wasser und Elektronik nur bedingt eine Verbindung eingehen sollten, anderseits jedoch Ressentiments anhangen, die aus den Bastlertagen der Wasserkühlungen herrührten. Diese wurden jedoch durch diesen Test beinahe vollständig vom Tisch gefegt: Eine Wasserkühlung kann sehr einfach und schnell montiert werden, sie kann außerdem über eine sehr hohe Betriebssicherheit verfügen und kann durch die eingesetzten selbst dichtenden Verschlüsse außerordentlich schnell transportfähig gemacht werden, obwohl es sich bei der Corsair-Lösung um eine externe Einheit handelt. Nur so lässt sich das Problem galant umgehen, die Abwärme des Radiators aus dem PC-Gehäuse abführen zu müssen. Eine zusätzliche Einheit mag nicht jedem gefallen, schließlich entsteht weiterer Stellplatzbedarf, der neben dem Schreibtisch nicht immer vorhanden ist. Der anvisierte Preis von unter 300 Euro geht in Anbetracht des enormen Konstruktionsaufwands uneingeschränkt in Ordnung. Komplexe Lüfter-/Überwachungssteuerungen, die trotzdem nicht das vorgefundene Ausmaß an Betriebssicherheit gewährleisten können, schlagen immerhin mitsamt Zubehör mit über 200 Euro zu Buche, rechnet man die übrigen Komponenten auf ähnlich qualitativen Niveau wie die des Corsair-Systems mit ein, so kommt man nicht umhin, den Preis der HydroCool als angemessen zu bewerten.

Der größte Kritikpunkt stellt indessen das laute Betriebsgeräusch der Pumpe dar, die bedauerlicherweise den wichtigen Vorteil von Wasserkühlungen der sehr niedrigen Geräuschemission bei gleichzeitig hervorragender Kühlleistung zunichte macht. Trotzdem sind wir sicher, dass Corsair dieses Problem so schnell wie möglich in den Griff bekommen wird, es wäre schade, wenn dieses durchdachte, sichere und effizient arbeitende System aufgrund dieses eng umrissenen Problems keine zufriedenen Käufer finden würde. Falls Corsair Änderungen in dieser Richtung unternehmen sollte, halten wir euch auf dem Laufenden und führen gerne einen Nachtest durch!

Vielen Dank an Corsair für die Teststellung des HydroCool200!

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