Im Jahr 2009 durften wir uns bereits einige Gehäuse des bekannten Herstellers Lian Li ansehen und nachdem uns der Big-Tower PC-B70 B und das Mini-ITX-Gehäuse PC-Q07 sehr gut gefallen hatten, konnten wir zu den neuen Midi-Towern PC-7FN und PC-60FN einfach nicht nein sagen.
Die Unterschiede
Auf der Webseite des Herstellers suchten wir erste Informationen zu den Gehäusen und stellten verwundert fest, dass der einzige Unterschied zwischen beiden Modellen anscheinend in ihrer Bezeichnung bestand. Nun wollten wir es ganz genau wissen und forderten beide zu einem Vergleichstest an, den wir hiermit präsentieren.
Zunächst herzlichen Dank an Lian Li und Caseking für die Teststellung der beiden Midi-Tower. Nachdem das gewaltige Paket eingetroffen war, konnten wir die beiden Verpackungen nebeneinder stellen und sahen, dass sich das Design der Gehäusefronten geringfügig unterschied - und zwar im unteren Bereich vor dem Lüfter.
Doch konnte das wirklich schon alles sein? Neugierig packten wir die Gehäuse aus und nahmen beide unter die Lupe. Detektivisch untersuchten wir die beiden Midi-Tower, betrachteten sie aus allen Winkeln von innen sowie von außen. Und siehe da, wir fanden einen zweiten Unterschied.
Ja, es ist eine Gabe und ein Fluch, wie eine bekannte TV-Figur gerne betont, aber unserem analytischen Blick entgeht einfach nichts: Beim PC-60FN ist hinter der Front ein kleiner Bereich mit schwarzen Klebeband bedeckt, damit das blanke Aluminium nicht durch die Front schimmert.
Aber das kann immer noch nicht alles sein, oder? Doch, das ist schon alles. Abgesehen von den beiden genannten Details gleichen sich Lian Lis PC-7FN und PC-60FN wie ein Ei dem anderen. Somit macht es auch keinen Sinn, einen kompletten Vergleichstest durchzuführen, denn was für das eine Gehäuse gilt, verhält sich beim zweiten nicht anders. Beim Einbau der Hardware und für den Praxistest haben wir daher nur das PC-7FN verwendet.
Lieferumfang
Als Zubehör legt Lian Li Abstandshalter für das Mainboard, Schrauben, einen Lüfteradapter, einen Mini-Lautsprecher, eine selbstklebende Kabelführung, Klebepads zur Festplattenentkopplung sowie ausreichend Schrauben bei.
Ein Faltblatt dient als Handbuch und skizziert die wichtigsten Eigenschaften der beiden Midi-Tower.
Technische Daten
Bevor wir uns die beiden Gehäuse im Detail ansehen, verschaffen wir uns noch einen Überblick der technischen Daten:
Außen: Oberseite, Schalter und Anschlüsse
Kommen wir nun zum eigentlichen Test. Während Caseking sein Paket noch vorbildlich mit Recyclingpapier ausgestopft hat, müssen wir Lian Li die Verwendung von Styropor anlasten. Gerade bei leichten Alu-Gehäusen sollten Recyclingmaterialien als Transportschutz völlig ausreichen. Den bedruckten Karton wollen wir allerdings nachsehen, denn bei einem Premiumhersteller zählt eben auch die optische Erscheinung der Verpackung.
Die Gehäuse selbst machen mit ihrer schwarz-schlichten Eleganz einen sehr guten Eindruck und können auch haptisch voll überzeugen. Jedoch empfiehlt sich das Tragen von Handschuhen, da man sonst sehr schnell unschöne Fingerabdrücke hinterlässt.
Auf der Oberseite finden wir den Einschalt- und Resetknopf, letzterer wurde so angebracht, dass man ihn nicht aus Versehen betätigen kann. Daneben liegt eine Klappe, hinter der sich zwei USB-Anschlüsse und die Buchsen für Kopfhörer und Mikrofon befinden.
Auf der Innenseite des Deckels hat der Hersteller die Beschriftung der Anschlüsse eingeprägt, was in erster Linie von Lian Lis Liebe zum Detail zeugt.
Allerdings vermissen wir an dieser Stelle einen eSATA-Port, welcher in dieser Preisklasse eigentlich zum Standard gehören sollte. Wir fragen uns, warum Lian Li nicht einfach das Anschlusspanel des PC-B70 B verbaut hat, denn so hoch kann der Aufpreis für eine zusätzliche Buchse einfach nicht sein. Als Premium-Hersteller hat Lian Li hier an der falschen Stelle gespart.
Außen: Seiten, Unten, Hinten und Laufwerksblenden
Die Seitenteile sind gänzlich unspektakulär, weder Lüftungsschlitze noch Fensterchen stören die cleane Optik.
Auf der Unterseite finden wir vier schwarze Gummifüße und Lüftungsschlitze, welche an dieser Stelle für das unten montierte Netzteil eingestanzt wurden.
Die Rückseite bietet ebenfalls keine Überraschungen, dafür aber viel Bewährtes: Oben befindet sich ein 120mm-Lüfter, dessen Gitter mit Gummipuffern unterlegt und verschraubt ist.
Gleich darunter hat Lian Li zwei Schlauchdurchführungen platziert. Die Slotblenden hat der Hersteller zu Gunsten einer besseren Durchlüftung geschlitzt und der Netzteilausschnitt wurde mit Bohrungen versehen, die beim Netzteillüfter sowohl die Ausrichtung nach oben als auch nach unten erlauben.
Kommen wir abschließend noch einmal auf die Gehäusefronten zu sprechen. Wie bereits beschrieben unterscheiden sich die beiden Fronten nur im unteren Bereich. Im oberen Teil finden wir bei beiden Gehäusen fünf 5,25-Zoll-Blenden wobei die unterste mit einem 3,5-Zoll-Einsatz versehen wurde. Lian Li hat bei beiden Modellen auf Klappen verzichtet, hinter denen man optische Laufwerke verstecken könnte.
Die Status-LEDs sind sauber in die Front eingelassen und leuchten auch nicht zu hell. Insbesondere die rote Festplatten-LED gibt den beiden Gehäusen ein edles Aussehen.
Innen: Die Laufwerksschächte
Nachdem wir unseren Rundgang der Äußerlichkeiten abgeschlossen haben, wollen wir uns nun den Innereien widmen. Die Seitenteile sind bei beiden Gehäusen mit Rändelschrauben gesichert und lassen sich leicht abnehmen. Trotzdem sitzen sie ohne Spiel sicher an ihrem Platz.
Im vorderen Bereich finden wir oben die fünf 5,25-Zoll-Schächte. Zwei davon hat Lian Li mit einem Schnellverschluss versehen. Dieser arretiert das optische Laufwerk sicher und ist auch mit einem Gummipuffer versehen, der das Laufwerk möglichst vibrationsfrei festklemmen soll.
Lian Li ist einer der wenigen uns bekannten Hersteller, denen die Umsetzung der schraublosen Montage optischer Laufwerke wirklich gut gelungen ist. Dennoch fragen wir uns, wer diese Geräte so häufig austauscht, dass sich ein solcher Schnellverschluss wirklich lohnt?
Eine Etage tiefer finden wir vier Festplatteneinschübe, die Lian Li im Luftstrom des vorderen Lüfters positioniert hat.
Die Einschübe ähneln Schubladen und sind einzeln entnehmbar. Sie werden über einen Schiebemechanismus gesichert.
Jeder dieser Einschübe ist mit Entkopplern versehen, welche die Schwingungen der rotierenden Festplatte weitgehend absorbieren.
Innen: Lüfter, Rückseite und Deckel
Der vordere Lüfter hat einen Durchmesser von 140 mm und rotiert mit 1.000 U/min. Er wird mit blauen LEDs belechtet und saugt frische Luft in das Gehäuse. Ein auswaschbarer Filter verhindert dabei, dass Staub eindringt.
Wenn wir unsere Betrachtung im Uhrzeigersinn fortsetzen, kommen wir zum Einbauplatz des Netzteils. Hier hat Lian Li Gummistreifen aufgebracht, welche die Übertragung von Lüftervibrationen auf das Gehäuse minimieren sollen.
Es folgen die Slotblenden mit ihren Lüftungsschlitzen und darüber der zweite Lüfter. Dieser ist schwarz, leuchtet nicht, rotiert mit 1.200 U/min und besitzt sowohl einen 4-Pin-Molex- als auch einen 3-Pin-Stecker.
Das Mainboardtray ist mit Kabeldurchführungen ausgestattet und besitzt hinter dem CPU-Sockel eine große Aussparung, welche das Verschrauben eines CPU-Kühlers ohne den vorherigen Ausbau der Hauptplatine ermöglicht.
Unter dem Deckel klebt eine Kabelhalterung, welche die Stränge der Front- pardon: Top-Anschlüsse fixiert.
Lian Li setzt bei PC-7FN und PC-60FN auf bewährte Konzepte, doch warum sollte man ändern, was sich bereits vielfach in der Praxis bewährt hat?
Einbau: Die Laufwerke
Machen wir uns als nächstes an den Einbau der Hardware. Zunächst haben wir das optische Laufwerk an seinen Platz gebracht. Dazu haben wir die Front abgenommen und die obere Blende entfernt.
Beides hat Lian Li optimal gelöst: Die Front lässt sich sehr leicht abziehen und sitzt trotzdem spielfrei an ihrem Platz. Auch die Laufwerksblenden sind nur eingeclipst und können daher bei Bedarf auch wieder eingesetzt werden.
Zur Fixierung des DVD-Brenners haben wir die schraublosen Schnellverschlüsse verwendet.
Als nächstes kam die Festplatte an ihren Platz und auch hier gab es keine Überraschungen.
Einfach die Verriegelung öffnen und den Einschub heraus nehmen...
...danach die Festplatte einsetzen und festklemmen, den Einschub zurück an seinen Platz schieben, die Verriegelung schließen und die Platte sitzt.
Einbau: Mainboard und Netzteil
Auf dem Mainboardträger sind die ATX-Bohrungen markiert. Dort haben wir die Abstandshalter eingeschraubt und mit dem beigelegten "Werkzeug" fest angezogen. Danach haben wir die Hauptplatine samt CPU-Kühler eingesetzt, was dank der guten Platzverhältnisse leicht von der Hand ging.
Viel größer als unser NesteQ Silent Freezer 1200 sollte der Kühler aber nicht ausfallen, sonst könnte es eng werden.
Zum Schluss haben wir noch das Netzteil installiert. Das NesteQ ECS 5001 bietet 500 Watt Leistung und Kabelmanagement, doch die Anordnung unterhalb des Mainboards ist nicht ganz unproblematisch.
Das ATX+12V-Kabel muss quer über das Motherboard und die Steckplätze geführt werden, da das Anschlusskabel ansonsten zu kurz ist. Schon wenn nur eine Grafikkarte verbaut werden soll, wird diese Kabelführung zum Problem. Darum unsere Bitte an Lian Li: Wenn ihr die Netzteile schon nach unten verlagert, dann legt bitte ein Verlängerungskabel bei!
Ein weiteres Manko ist der Power-LED Anschluss, welcher als 3-Pin-Stecker ausgeführt ist und daher nicht auf den 2-Pin-Header unseres Boards passt. Auch hier wirkt ein kleiner Adapter Wunder und sichert dem Hersteller die Sympathie des Kunden.
Nachdem alles zusammengesteckt war, kam der Moment der Wahrheit und wir starteten den Rechner: Alles lief problemlos und auch vergleichsweise leise. Für die meisten Käufer wird die gebotene Lautstärke ausreichen, doch wir hatten bereits bei der Zusammenstellung der Komponenten auf einen extrem leisen Betrieb geachtet und so fiel uns auf, dass der vordere Lüfter deutliche Schleifgeräusche von sich gibt. Wer ein fast lautloses System aufbauen möchte, sollte die vorinstallierten Lüfter lieber austauschen.
Fazit
Lian Lis Midi-Zwillinge PC-7FN und PC-60FN können bezüglich ihrer Optik, Haptik und Verarbeitungsqualität auf ganzer Linie überzeugen - aber das kennen wir von Lian Li ja schon. Der Hersteller hat einmal mehr bewiesen, dass seine Gehäuse optisch zwar etwas schlicht, dafür aber hochwertig verarbeitet und gut durchdacht sind. Es gibt viele sinnvolle Details wie z.B. die entkoppelten Festplatteneinschübe, die gummierte Auflage des Netzteils, die Durchführung für die Schläuche einer externen Wasserkühlung, der Staubfilter vor dem Frontlüfter und die sehr schnell und einfach abnehmbare Front. Es macht einfach Spaß, Gehäuse wie das PC-7FN und PC-60FN mit Hardware zu bestücken. Wer eines dieser beiden Gehäuse erwirbt, erhält eine hochwertige Hülle für seine Hardware und zugleich eine gute Basis für einen laufruhigen Computer.

Fotostrecke mit weiteren und größeren Fotos...
Lian Li PC-7FN
Dennoch gibt es auch Anlass zur Kritik: Lian Li liefert kein Zubehör mit, um die Drehzahl der Lüfter zu senken, und der blau beleuchtete Frontlüfter gibt schleifende Geräusche von sich. Daher arbeitet das Testsystem auch nur leise und nicht annähernd lautlos. Zudem sollte es sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass unten verbaute Netzteile zu Problemen mit den Kabellängen führen - insbesondere beim ATX+12V-Strang. Es wäre somit sehr sinnvoll, eine entsprechende Verlängerung mitzuliefern. Ähnliches gilt für den 3-Pin-Anschluss der Power-LED, welcher sich nur mit einem optionalen Adapter auf die 2-Pin-Header vieler Mainboards stecken lässt.

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Lian Li PC-60FN
Doch genug der Verbesserungsvorschläge: Mit den Modellen PC-7FN und PC-60FN liefert Lian Li abermals zwei sehr gute Gehäuse aus Aluminium, deren Preis mit 99,90 Euro inklusive Mehrwertsteuer und zuzüglich Versandkosten (Quelle: caseking.de) zudem recht günstig ausfällt.
Pro:
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