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Auch Apple lässt Siri-Gespräche von Drittfirmen auswerten

Meldung von doelf, Montag der 29.07.2019, 13:22:12 Uhr

Was digitale Assistenten aufzeichnen, bekommen nicht selten auch Dritte zu hören. Dass Aufnahmen von Googles Assistent und Amazons Alexa intern sowie von externen Drittfirmen analysiert werden, hatte in den vergangenen Wochen für Empörung gesorgt. Nun wurde bekannt, dass Apple bei Siri auf die gleiche Weise verfährt.

Beim britischen Guardian hatte sich ein Whistleblower gemeldet und von einer regelmäßigen Datenanalyse durch Drittfirmen berichtet. Ähnlich wie Googles Assistent und Amazons Alexa schaltet sich auch Apples Siri häufig ein, wenn dies von den Nutzern gar nicht gewünscht wird. Und so landen in den Aufzeichnungen vertrauliche medizinische Gespräche zwischen Ärzten und ihren Patienten, legale wie illegale Geschäftsverhandlungen und auch reichlich Sex. Nach Apples Richtlinien stellen ungewollte Aufnahmen von Drogengeschäften oder Gewalt einen technischen Fehler dar, eine Meldung an die Behörden ist hingegen nicht vorgesehen.

Die Ursache der unerwünschten Mitschnitte ist bei allen drei Sprachassistenten identisch: Sie haben nach wie vor Verständnisprobleme und starten die Aufnahme irrtümlich. Auch das Probehören von Aufnahmen verteidigen alle drei Anbieter mit dem gleichen Argument: Durch die Analyse der Sprachaufzeichnungen sollen die Assistenten besser werden. Und auch in einem dritten Punkt lassen sich alle drei Firmen über einen Kamm scheren: Sie weisen die Nutzer der Sprachassistenten nicht explizit darauf hin, dass die angefertigten Aufnahmen zumindest teilweise von Menschen angehört und begutachtet werden.

Genau wie Amazon und Google erklärt auch Apple, dass es hierbei nur um einen kleinen Teil der Sprachaufzeichnungen gehe, der zudem in anonymisierter Form weitergegeben werde. Das hilft allerdings wenig, wenn sich Frau Doktor Runkelmüller-Rosenkranz ihrem Patienten Jens Dickelmeyer mit "y" vorstellt, um über die Behandlung seiner Syphilis zu reden. Unklar ist, ob Apple seine Subunternehmer anhält, die Schreibweise von Personen und Firmennamen durch weiterführende Recherchen über Suchmaschinen oder soziale Netzwerke zu klären, wie es bei Google wohl der Fall ist.

Der Whistleblower berichtet, dass die meisten ungewollten Aufnahmen vom smarten Lautsprecher HomePod und der Apple Watch stammen. Insbesondere die Uhr soll dabei durch eine hohe Rate von Fehlaktivierungen auffallen. Die diesbezüglichen Sprachschnipsel hätten in der Regel eine Länge von 30 Sekunden und würden dabei schon das eine oder andere Detail offenbaren. Bleibt festzuhalten, dass Apple trotz vollmundiger Versprechungen wie "What happens on your iPhone stays on your iPhone" letztendlich doch nur mit Wasser kocht. Ein Opt-out oder besser noch Opt-in für die Weitergabe von Sprachaufzeichnungen ist jedenfalls längst überfällig!

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