Full Steam Ahead

Postsendungen aus China werden teurer

Meldung von doelf, Freitag der 27.09.2019, 13:24:10 Uhr

Ob Elektronikartikel, Kinderspielzeug, Dekoration, Kosmetik oder Kleidung: Wer in China bestellt, bekommt vieles für einen Bruchteil der hiesigen Preise. Die Händler aus Fernost sparen sich nämlich nicht nur Mehrwertsteuer, Gewährleistung, Garantie und teure Sicherheitsprüfungen, sondern zahlen für den Versand von Kleinteilen kaum Porto. Doch zumindest dies soll sich bald ändern.

China-Händler auf dem Vormarsch
Um über chinesische Versandhändler zu stolpern, bedarf es keiner exotischen Plattform. Amazon und eBay werden geradezu von chinesischen Händlern überschwemmt, die ihre Waren zumeist direkt aus der Heimat verschicken und es mit ihren Angaben nicht immer so genau nehmen. Ein Klassiker sind manipulierte Grafikkarten, welche die großen Handelsplattformen trotz eindeutiger Betrugsabsichten nur sehr schleppend und widerwillig entfernen. Auch gefälschte Prozessoren und Speicherriegel tauchen immer wieder auf. Doch auch wenn die Ware weitgehend dem entspricht, was man bei europäischen Händlern kaufen kann, sparen sich die Geschäftemacher aus Fernost neben der Mehrwertsteuer und Rücklagen für die Produktgewährleistung auch noch die Versandkosten.

Versand aus China viel billiger als aus Buxtehude
Solange sich die Ware als internationaler Brief oder Päckchen verschicken lässt, zahlt ein chinesischer Händler nur einen Bruchteil des bei uns üblichen Portos. Grund hierfür sind Vorgaben der Weltpostunion (UPU), welche den internationalen Postverkehr regelt und dabei beispielsweise festlegt, welchen Betrag der europäische Zusteller für die Auslieferung einer Sendung aus China erhält. Da China bei der UPU noch von den Vergünstigungen für Entwicklungsländer profitiert, sind diese Beträge für Zusteller in Europa und den USA alles andere als kostendeckend. Dies führt nicht nur in der Lieferbranche zu viel Unmut, sondern auch bei den hiesigen Händlern, die sich einem unfairen Wettbewerb ausgesetzt sehen und diesen Preiskampf unmöglich gewinnen können.

Ratenerhöhung plus selbst deklarierte Tarife
Da die Zahl der Sendungen aus China seit Jahren stark steigt, drohte die US-Regierung mit ihrem Ausstieg aus der Weltpostunion und der Festsetzung eigener Beförderungsgebühren. Im Rahmen eines außerordentlichen Kongresses der UPU in Genf konnte dies nun verhindert werden. Die UPU sagte eine beschleunigte Ratenerhöhung für die internationale Zustellung von Warensendungen und kleinen Pakete zu. Zudem sollen selbst deklarierte Tarife ab dem kommenden Jahr schrittweise eingeführt werden: Mitgliedsstaaten mit einer eingehenden Briefpostmenge über 75.000 Tonnen im Jahr 2018 dürfen ab dem 1. Juli 2020 eigene Beförderungstarife festlegen, falls sie dies wünschen. Zum Schutz von Entwicklungsländern mit geringem Postvolumen wurden Schwellenwerte festgelegt.

Ökologisch sinnvoll
Tatsächlich ist es ökologisch sinnvoll, den Direktversand aus China zu bremsen. Um möglichst leicht und damit billig liefern zu können, werden selbst Kleinteile einzeln auf die Reise in den Westen geschickt. Zudem versuchen die Händler auf diese Weise, die Warenwerte zu drücken und Zollschwellen zu unterschreiten. Das Ergebnis ist ein maximales Postvolumen und ein großer Haufen Verpackungsmüll. Die Kunden wiederum bestellen die Waren gleich mehrfach, da sie mit Defekten und Transportschäden rechnen. Entsprechen die Produkte dann nicht ihren Erwartungen, landen sie umgehend im Müll. Zu guter Letzt, aber keinesfalls zu vernachlässigen, wären dann noch problematische Materialien, deren Einsatz bei uns nicht mehr erlaubt ist.

Ein paar persönliche Worte
Der Autor möchte den Direktimport aus China keinesfalls verdammen, schließlich hört er, während er diese Zeilen verfasst, Musik über einen aus China importierten Verstärker. Zugleich habe ich mit China-Importen höchst ambivalente Erfahrungen gemacht - es verhält sich wie mit Schrödingers Katze: Manchmal ist die Katze fit und munter, ein anderes mal liegen im Karton halb verweste Reste in annähernder Katzenform. Da chinesische Händler äußert kreativ sind, findet man zuweilen aber auch ein mit Kieseln ausgestopftes Kaninchenfell oder eine tote Ratte - also im übertragenen Sinn. Für mich selbst habe ich die Entscheidung getroffen, keine Cent-Produkte mehr um die halbe Welt transportieren lassen, nur um am Ende den Gegenwert eines Schokoriegels zu sparen.

Diese Werbefläche wurde deaktiviert. Damit geht Au-Ja.de eine wichtige Einnahmequelle verloren.

Werbung erlauben ]