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QuadrigaCX: Kryptobörse kommt nicht mehr an Nutzereinlagen

Meldung von doelf, Dienstag der 05.02.2019, 15:33:06 Uhr

Gerry Cotten verstarb am 9. Dezember 2018 an den Folgen der chronischen Darmentzündung Morbus Crohn. Mit ins Grab nahm er die Passwörter für sein verschlüsseltes Notebook, einen verschlüsselten USB-Stick sowie die Zugangsdaten für Bitcoins und anderen Kryptowährungen im Wert von 180 Millionen US-Dollar. Dabei handelt es sich allderdings nicht um sein Geld, sondern um die Einlagen der Kryptobörse QuadrigaCX.

Um sich vor Hackerangriffen zu schützen, lagerte QuadrigaCX nur wenig Kryptogeld im sogenannten Hot Wallet. Der Großteil des Geldes, rund 180 Millionen US-Dollar, wurde in Cold Wallets transferiert, auf die man nicht aus dem Internet zugreifen kann. Das ist gängige Praxis und eigentlich eine gute Idee, doch Cotten betrieb seine Firma praktisch im Alleingang und scheint rein gar nichts dokumentiert zu haben. Nach Cottens überraschendem Tod suchen seine Frau und seine Geschäftspartner nun nach dem verschollenen Vermögen, doch auch ein hinzugezogener IT-Experte konnte bisher nur gut 15 Bitcoins von Cottens Smartphone kratzen. Notebook und USB-Stick verweigerten sich bislang der Entschlüsselung.

QuadrigaCX zählte 363.000 Nutzer, von denen allerdings nur 115.000 Guthaben auf ihren Konten hatten (Stand: 17. Dezember 2018). Im Schnitt hat jeder Betroffene somit 1.565,22 US-Dollar verloren. Einzahlungen waren allerdings noch bis zum 26. Januar 2019 möglich, da die Witwe und die übrigen Anteilseigner zunächst die Abschaltung der Plattform gescheut hatten. Zu den Cold Wallets im Wert von 180 Millionen US-Dollar gesellen sich weitere Außenstände in Höhe von 70 Millionen US-Dollar, so dass Cotten einen Schuldenberg von 250 Millionen US-Dollar hinterlässt. Für QuadrigaCX wurde inzwischen Gläubigerschutz beantragt. Der offizielle Sitz des Unternehmens liegt im kanadischen Neuschottland.

Das Beispiel QuadrigaCX zeigt einmal mehr die Risiken von Kryptowährungen auf: Abgesehen von sehr starken Kursschwankungen muss man mit fragwürdigen Handelsplätzen leben, da sich die bekannten Geldhäuser und Börsenplätze nach wie vor sehr zurückhaltend zeigen. Offenbar haben die schon genügend unseriöse Produkte im Portfolio, so dass für Kryptowährungen kein Platz bleibt. Und so kommt es, dass eine alles andere als professionell geführte Kryptobörse Einlagen in Höhe von 180 Millionen US-Dollar verliert, weil der Kopf des Ein-Personen-Unternehmens ohne jeden Plan B das Zeitliche segnet. Das ist ebenso tragisch wie bezeichnend und sollte allen eine Lehre sein: Kryptowährungen gehören in ein lokales Wallet, das offline gelagert wird!

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