Zum Thema 6 Kerne

LibreELEC 8.2.0.1 für Raspberry Pi und Slice

reported by doelf, Freitag der 03.11.2017, 09:19:20 Uhr

Aufgrund von Problemen mit der HEVC-Wiedergabe wurde das Medien-Center-Betriebssystem LibreELEC 8.2.0 für den Raspberry Pi und FiveNinjas Slice kurz nach der Veröffentlichung zurückgezogen. Der Fehler wurde inzwischen behoben und LibreELEC 8.2.0.1 liegt für die betroffenen Plattformen zum Download bereit. Für alle anderen Architekturen bleibt die Version 8.2.0 aktuell.

Abgesehen von der Medien-Center-Software Kodi 17.5 (bzw. 17.5.1 für Android) gibt es weitreichende Änderungen hinsichtlich SMB, Lirc und Tvheadend, welche zuweilen ein Eingreifen des Benutzers erfordern. Wir gehen an dieser Stelle noch einmal auf die wichtigsten Neuerungen und Änderungen ein.

Die SMB-Problematik
Das veraltete Netzwerkprotokoll SMB 1.0 (Server Message Block), welches unter Windows für Datei- und Druckerfreigaben verwendet wird, wurde im Windows 10 "Creators Update" aus Sicherheitsgründen für Neuinstallationen deaktiviert. Auch beim "Fall Creators Update" bleibt SMB 1.0 ein Protokoll Non Grata, weshalb die Entwickler von Kodi und LibreELEC reagieren mussten. Standardmäßig setzt Kodis SMB-Client inzwischen auf die Version 3, doch betagte Betriebssysteme, wie sie auch auf älteren Netzwerkfestplatten und Routern zum Einsatz kommen, sind oftmals auf SMB2 oder SMB1 limitiert. Daher wurde unter "Einstellungen", "Dienste" ein neuer Eintrag namens "SMB-Client" angelegt, welcher die manuelle Begrenzung der Protokollversion auf 1 oder 2 ermöglicht.

SMB in LibreELEC 8.2

Den Browser-Dienst für das "Windows-Netzwerk (SMB)" gibt es nur bei SMB1, bei höheren Versionen muss der korrekte Pfad (Server/Share) eingegeben werden. Wenn die Dateien nicht von Windows, sondern über Samba bereit gestellt werden, ist das Browsing dank ZeroConf auch weiterhin möglich. Ebenfalls gestrichen wurde bei Windows 10 der Gastzugriff, weshalb man SMB-Zugriffe immer über Benutzernamen und Passwörter einrichten sollte. Wird ein entferntes SMB-Dateisystem über systemd oder autostart.sh lokal gemountet, kommt SMB2 zur Anwendung. Einen Rückfall auf SMB1 ermöglicht die Erweiterung des Mount-Aufrufs um "vers=1.0". Zur Konfiguration des SMB-Clients dienen die Dateien /storage/.kodi/.smb/smb.conf und /storage/.kodi/.smb/user.conf.

Auch LibreELECs integrierter Samba-Server, verwendet wird die Version 4.6.8, lehnt SMB1 ab und unterstützt erst einmal nur die Protokollversionen 2 und 3. Für ältere Clients lässt sich SMB1 über die Einstellungen erzwingen sowie ein Name für die Arbeitsgruppe hinterlegen. Der Samba-Server ignoriert bisherige Konfigurationen, welche im Pfad "/storage/.config/samba.conf" gespeichert sind, da es grundlegende Unterschiede zwischen der Konfiguration von Samba 3.x und 4.x gibt. Um das Erstellen einer Konfiguration für Samba 4.x zu erleichtern, wird eine Beispieldatei (samba.conf.sample) mitgeliefert. Die eigentliche Konfigurationsdatei für den Samba-Servers ist allerdings "/etc/samba/smb.conf".

Änderungen bei Lirc
Auch lirc 0.9.4d sorgt bei LibreELEC 8.2.0 für ein paar Änderungen: Im Gegensatz zu LibreELEC 8.0 ist der Lirc-Dienst bei Neuinstallationen standardmäßig deaktiviert. Beim Update bestehender Installationen bleibt er aktiv und wird für alle kompatiblen Treiber gestartet. Hierdurch kann es zu doppelten Eingaben kommen, welche sich in den Einstellungen über die Rubrik "Dienste" beheben lassen. Zur Konfiguration werden nun, wie auch bei anderen Linux-Distributionen, zwei Dateien - "/storage/.config/lirc_options.conf" und "/storage/.config/lircd.conf" - verwendet. Anleitungen für andere Distributionen lassen sich somit leichter auf LibreELEC übertragen.

Änderungen hinsichtlich Tvheadend (Server)
Tvheadend 4.0 wird seit einiger Zeit nicht mehr gepflegt und so wurde auch die Add-on-Unterstützung seitens LibreELEC 8.2 eingestellt. Stattdessen konzentriert man sich auf die aktuelle Version 4.2, welche eine breitere Hardware-Unterstützung, mehr Funktionen sowie eine bessere Stabilität bietet. Doch leider wird seitens Tvheadend kein automatisches Upgrade angeboten, so dass eine Neuinstallation der Version 4.2 durchgeführt werden muss. Selbst ein Import der alten Konfiguration wird von Tvheadend nicht geboten. Beim Upgrade auf LibreELEC 8.2 wird das Add-on für Tvheadend 4.0 durch ein funktionsloses Dummy ersetzt, während das Add-on für Tvheadend 4.2 nach dem System-Upgrade selbst noch aktualisiert wird, dann aber normal funktioniert.

Weitere Neuerungen
NVIDIAs Grafiktreiber wurden auf die Versionen 384.90 (Standard) und 340.104 (Legacy) aktualisiert. Es gibt neue Treiber für Realteks RTL8192EU und RTL8188EU sowie Unterstützung für den USB-DVB-Tuner der Xbox ONE (DVB-C/T/T2). Xiaomis Mi Box Bluetooth-Fernbedienung und den IQAudIO Digi+ für den Rasperry Pi kann man jetzt ebenfalls verwenden. Bei Hauppauges DualHD-Tuner wird vorerst nur ein Empfangsteil unterstützt, da das Doppel nicht sauber funktionierte. Als Plattformen wurden FiveNinjas Slice und Slice3 hinzugefügt, der dazugehörige Build aufgrund der Eingangs genannte HEVC-Probleme aber zurückgezogen. Gleiches gilt für den Raspberry Pi, der nun den Kernel 4.9.43 nutzt, während sonst der Kernel 4.11.8 zum Einsatz kommt.

LibreELEC 8.2 wechselt von LibreSSL zu OpenSSL und schließt die unter dem Namen Blueborne veröffentlichten Bluetooth-Schwachstellen (CVE-2017-1000250 und CVE-2017-1000251) auf allen Plattformen mit Ausnahme des Amlogic 3.10. Auch die kritischen Fehler in Broadcoms WLAN-Geräten (CVE-2017-9417, Broadpwn) und der WPA-Verschlüsselung (KRACK) wurden behoben. Um kritische Sicherheitslücken in LibreELEC-Installationen schneller beheben zu können, wurde die automatische Aktualisierung zum Standard erklärt. Ein Wechsel auf manuell ist aber nach wie vor möglich. Dazu kommen einige Fehlerkorrekturen wie gelöste Probleme bei der NAND-Installation auf WeTeks Hub/Play 2 mit Android Marshmallow oder Startschleifen aufgrund fehlgeschlagener Updates.

Noch nicht fertig: Intel HBR-Audio
Die Pass-Through-Probleme mit Intels High Bit-Rate Audio konnten die Entwickler leider noch nicht beheben, da die entsprechenden Patches für die Linux-Kernel 4.13 und höher gedacht sind. LibreELEC 8.2 nutzt für x86-Prozessoren allerdings noch den Kernel 4.11.8 und hier gibt es weiterhin Ärger mit älteren NUC-Modellen. Daher wurde diese Korrektur auf LibreELEC 9.0 vertragt, welches mit dem derzeit noch in Entwicklung befindlichen Kodi 18 (Leia) kommen wird.

Download: LibreELEC 8.2.0 und 8.2.0.1

Diese Werbefläche wurde deaktiviert. Damit geht Au-Ja.de eine wichtige Einnahmequelle verloren.

Werbung erlauben ]