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GIMP 2.10.0: Zweiter Release Candidate erhältlich

reported by doelf, Montag der 23.04.2018, 14:13:59 Uhr

Die nächste Version der kostenlosen und quelloffenen Bildbearbeitung GIMP nähert sich ihrer Fertigstellung: Der zweite Veröffentlichungskandidat des GIMP 2.10.0 behebt nochmals 44 Fehler, beschleunigt das Malen und behebt die träge Reaktionszeit der Benutzeroberfläche. Hierzu wurden diese beiden Aufgaben auf unterschiedliche Threads verteilt. Die neue Multi-Thread-Architektur soll später auch auf andere Teile des Programms ausgeweitet werden.

Derzeit blockieren noch sieben Fehler die Freigabe der finalen Version 2.10.0. Kleinere Leistungsverbesserungen bringen diverse GEGL-Optimierungen. Größere Leistungssprünge brachte bereits der erste Release Candidate, beispielsweise beim Filter "Gaußscher Weichzeichner". Der GIMP 2.10.0 präsentiert sich mit neuer Benutzeroberfläche und reduzierten Symbolen, doch die Bedienbarkeit der neuen Standardthemen war noch etwas hakelig. Auch hier sorgt der zweite Veröffentlichungskandidat für Abhilfe. Wer die bunten Icons des GIMP 2.8 bevorzugt, kann das Thema unter "Einstellungen", "Symbol Thema" wechseln und dort auch die Größe der Symbole anpassen.

GIMP 2.10.0 Panoramaabbildung

Der Filter "Panoramaabbildung" (siehe Bild oben) kommt als erster in den Genuss des neuen Widgets für die 3D-Rotation auf der Leinwand. Über Funktionen wie Gieren, Neigen und Rollen lassen sich Teile von Abwicklungen intuitiv entzerren. Das Farbverlaufswerkzeug unterstützt jetzt drei Farbräume - perzeptuelles RGB, lineares RGB und CIE LAB. Hier fehlt allerdings noch die Übersetzung, denn im Release Candidate 2 wird es als "Gradient Tool" bezeichnet. Zugleich zeigt dies eine Umbenennung in der englischen Sprachversion, in der das Werkzeug bisher wenig treffend als "Blend Tool" bekannt war. Aber auch an anderen Stellen zeigt sich, dass die Übersetzungen noch nicht ganz fertig sind.

Das neue andockbare Dashboard liefert Informationen zur CPU- und Cache-Auslastung sowie zur Nutzung der Auslagerungsdatei, es hilft Nutzern wie Entwicklern beim Auffinden von Flaschenhälsen. Es handelt sich dabei um eine Investition in die Zukunft des Programms und dies gilt auch für das neue Debugging-System. Das Debugging-System generiert bei Problemen und Abstürzen detaillierte Fehlerberichte, welche die Benutzer den Entwicklern übermitteln können. Dank des Debugging-Systems hat der GIMP 2.10.0 auch eine Wiederherstellungsfunktion erhalten, welche nach einem Absturz versucht, Bilder mit ungespeicherten Änderungen zurückzuholen.

GIMP 2.10.0 Shadows-Highlights

Unter Windows arbeitet das Plug-in "Bildschirmfoto" jetzt mit Hardware-Beschleunigung und funktioniert auch auf Systemen mit mehreren Anzeigegeräten. Unter Linux kann die Freedesktop-API für Bildschirmfotos genutzt werden, doch diese Lösung bietet noch kein Farbmanagement und wird daher noch nicht priorisiert. Unter macOS verwendet die Farbwahl per Color-Dock inzwischen das Farbmanagement. Der neue Filter "Shadows-Highlights", welcher sich im Menü "Farben" befindet, ermöglicht das getrennte Justieren von Schatten und hellen Bereichen (siehe Bild oben). Masken kann man endlich auf Ebenengruppen anwenden, wobei sich die Größe der Maske den Abmessungen der Gruppe anpasst. Die Farbkonfiguration über Curves und Levels lässt sich neuerdings zwischen linear und perzeptuell (nicht linear) umschalten (siehe Bild unten). Das Histogramm wurde um die gleiche Möglichkeit erweitert.

GIMP 2.10.0 Curves + Levels

Die Unterstützung für das Format JPEG 2000 wurde von Jasper nach OpenJPEG portiert, da ersteres nicht weiter entwickelt wird. Dabei gab es auch einige Verbesserungen, beispielsweise die Unterstützung aller Bit-Tiefen. Alles über 32 Bit pro Kanal wird dabei auf 32 Bit begrenzt, während Werte, die sich nicht durch acht teilen lassen, nach oben angepasst werden (Beispiel: aus 12 werden 16 Bit). Wenn die JPEG-2000-Bilder Farbräume wie YCbCr und xvYCC verwenden, werden diese nach sRGB konvertiert. Während der Farbraum für normale Bilder automatisch erkannt wird, muss dieser für Codestream-Dateien beim Laden definiert werden. Standardmäßig exportiert GIMP 2.10.0 bei allen unterstützten Formaten die Metadaten. Dies lässt sich in den "Einstellungen" für den "Import und Export von Bildern" konfigurieren und auch komplett deaktivieren (siehe Bild unten).

GIMP 2.10.0 Metadaten

Kommen wir noch einmal zurück zur Benutzeroberfläche: Die Pinsel passen sich seit dem ersten Veröffentlichungskandidaten auf Wunsch an die Zoom-Ebene und die Leinwandrotation an. Alle Skalierungen für die Anzeige basieren dank Änderungen an der GEGL-Bibliothek nun auf linearen Daten, was zu besseren Vorschaubildern und korrekteren Mipmap-Berechnungen führt. Der GIMP 2.10.0 nutzt zwar noch keine Mipmaps, aber dies ist für zukünftige Versionen geplant.

Download: GIMP 2.10.0 RC 2