Die Regeln haben sich geändert

Ubuntu 19.10 (Eoan Ermine) ist fertig

Meldung von doelf, Montag der 21.10.2019, 18:26:33 Uhr

Ubuntu 19.10 ist fertig und hat den Beinamen "Eoan Ermine" erhalten. Der Hermelin (Ermine) ist schnell erklärt, doch was hat es mit "Eoan" auf sich? Ein Blick in "Collins English Dictionary" lehrt uns, dass dieses Wiesel irgendwas mit der Dämmerung zu tun hat. Uns dämmert jedenfalls, dass Canonical auf unverständliche Alliterationen wert legt, denn die Auswahl an simplen Adjektiven mit dem Anfangsbuchstaben "e" ist im Englischen geradezu gewaltig. Hier eine kleine Auswahl: Eager, earless, early, earnest, easygoing, eccentric, edgy, edible, eerie, egocentric, elastic, elusive, embarrassed, emotional, enchanting, endangered, epic, eruptive, esoteric, especial, esthetic, eternal, ethereal, evasive, excellent, exotic, expansive, explosive, extravagant, extrovert, exuberant und exultant. Nach mäßigen Erfahrungen mit Ubuntu 19.04 wären "Edgy Ermine" (nervöser Hermelin) und "Embarrassed Ermine" (verlegener Hermelin) unsere Favoriten.

Die Wahl des Desktops
Nach dem Ende von Unity kommt Ubuntu 19.10 mit der Desktop-Umgebung GNOME 3.34 (GTK3) daher. Canonical verspricht diesbezüglich klare Leistungsverbesserungen - auch auf älterer Hardware. Sollte diese dennoch schwächeln, bleiben Lubuntu 19.10 mit LXQt und Xubuntu 19.10 mit Xfce als ressourcenschonende Alternativen. Lubuntu hat somit den Umstieg vom LXDE zu LXQt 0.14.1 (Qt 5.12.4) vollzogen und verspricht ein besonders schlankes System mit moderner Optik. Bei Xubuntu 19.10 kommt Xfce 4.14 (GTK3 statt GTK2) zum Einsatz, das auf immerhin 4,5 Jahre Entwicklungszeit zurückblicken kann und Verbesserungen für hochauflösende Anzeigegeräte verspricht. Moderner aber auch leistungshungriger ist der Auftritt von Kubuntu 19.10, bei dem der KDE-Framework 5.62.0 mit Plasma 5.16.5 (Qt 5.12.4) unter der Haube steckt. Weitere Alternativen sind Ubuntu MATE 19.10 mit dem MATE Desktop 1.22.2, einer Weiterentwicklung von GNOME 2 auf Basis von GTK3, sowie Ubuntu Budgie 19.10 mit dem überaus schlichten Budgie-Desktop 10.5 (ebenfalls GTK3). Die Auswahl an Desktops ist groß und für Einsteiger zuweilen verwirrend. Für schnelle PCs würden wir Ubuntu oder Kubuntu empfehlen und für ältere Schätzchen zu Lubuntu greifen. Konservativen Nutzern dürfte MATE gefallen, progressive sollten Budgie ausprobieren.

Kernel, Hardware und Dateisystem
Als Fundament für alle Varianten dient der Linux-Kernel 5.3, welcher AMDs Grafikprozessoren der Navi-Familie (Radeon RX 5700) unterstützt. Für Intels Icelake und Geminilake wurde HDR eingepflegt und Broadcoms V3D-Treiber bietet jetzt Compute-Shader. Auch die chinesischen x86-Prozessoren Zhaoxin werden nun erkannt. Die proprietären Grafiktreiber von NVIDIA gehören bekanntlich nicht zum Umfang des Linux-Kernels, doch Canonical packt die unfreie Software trotzdem mit ein. Verfechter quell-offener Software wird dies stören, andere werden diese Entscheidung als pragmatisch betrachten. Eine Absprache mit NVIDIA dürfte es im Vorfeld gegeben haben, denn bisher ist die Rechtsabteilung des Grafikspezialisten noch nicht eingeschritten. Standardmäßig wird übrigens weiterhin der freie und quell-offene Nouveau-Treiber installiert. Ebenfalls ungewöhnlich, weil aufgrund der Lizenz problematisch, ist die Unterstützung des Dateisystems ZFS. ZFS wurde von Sun Microsystems (jetzt Oracle) für bis zu 256 ZiB (Zebibyte) Speicherkapazität entwickelt und punktet mit einer simplen Nutzung von Datenträger-Pools. Vorerst bleibt ZFS für die Root-Partition aber noch experimentell.

Download
Das größte Problem von Ubuntu 19.10 und den davon abgeleiteten Geschmacksrichtungen ist der sehr kurze Support-Zeitraum von lediglich neun Monaten. Gepflegt wird diese Ausgabe nur bis Juli 2020, doch gerade die neuen Desktops machen den Hermelin im Vergleich zur Langzeitversion 18.04 LTS sehr interessant.

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