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Huaweis Mate 30 muss wohl Google-frei starten

Meldung von doelf, Freitag der 30.08.2019, 14:33:12 Uhr

Am 18. September 2019 will der zweitgrößte Smartphone-Hersteller Huawei sein neues 5G-Flaggschiff Mate 30 in München präsentieren. Und, wie Google der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt hat, darf Huawei weder den Markennamen Android verwenden noch Google-Apps wie den Play Store, Gmail, Maps oder die Google Suche installieren.

Ein Rückblick
Am 15. Mai 2019 hatte US-Präsident Donald J. Trump eine Exekutivverordnung erlassen, welche einen "nationalen Notstand" im Bereich der "Informations- und Kommunikationstechnologien oder -diensten" bewältigen soll. Obwohl nicht namentlich erwähnt, zielt Trump mit dieser Verordnung auf China und insbesondere auf Huawei. Die US-Regierung und US-Geheimdienste werfen Huawei vor, von der chinesischen Regierung kontrolliert zu werden. Das Unternehmen soll im Auftrag Chinas spionieren und hierfür auch Hintertüren in seinen Produkte einbauen. Obwohl bisher kein Beweis für diese Behauptungen vorgelegt wurde, schließt die US-Regierung Huawei vom Netzausbau in den Vereinigten Staaten aus und übt starken Druck auf andere Länder aus, ihrem Beispiel zu folgen.

Im Mai 2019 setzte Trump Huawei und 68 seiner Tochterunternehmen auf eine schwarze Liste, welche US-Unternehmen die Zusammenarbeit mit den Chinesen verbietet. Hiervon sind nicht nur Chiphersteller wie Broadcom, Cypress, Intel, Lumentum, Micron, Qualcomm und Xilinx, sondern auch Software-Firmen wie Microsoft (Windows, Office), Google (Android nebst Playstore und Suche) und Facebook (Facebook, Instagram, WhatsApp) betroffen. Auch der britische CPU-Entwickler ARM und andere Firmen, deren Technologie zu großen Teilen auf US-amerikanischen Patenten und Lizenzen basiert, fallen unter diese Handelssperre. Da die Trump-Regierung mit ihrem harten Handelsbann auch viele US-amerikanische Zulieferer getroffen hatte und zudem Sicherheitsprobleme und Infrastruktur-Ausfälle drohten, wurde eine 90-tägige Gnadenfrist gewährt.

Am 19. August 2019 endete diese Gnadenfrist und US-Handelsminister Wilbur Ross legte sogleich noch einmal nach: Man habe weitere 46 Tochterunternehmen identifizieren können und habe diese nun ebenfalls auf die schwarze Liste gesetzt. Dazu kamen mehr als einhundert Personen, die aufgrund ihrer Verbindungen zu Huawei unter den Boykott fallen. Doch auch der erweiterte Handelsbann für Huawei und 114 weitere Firmen bleibt vorerst zahnlos, da Ross die Gnadenfrist zugleich um weitere 90 Tage verlängerte. Was dabei häufig übersehen wird: Die Gnadenfrist gilt nur für Produkte, die Huawei vor Mai 2019 auf den Markt gebracht hat. Neue Produkte fallen derweil schon jetzt unter den Handelsbann und müssen auf US-amerikanische Hard- und Software verzichten. Das war bisher aber nicht relevant, da es seitens Huawei seit Bekanntgabe des US-Boykotts keine Neuvorstellungen gegeben hat.

Das Huawei Mate 30
Doch nun kommt das Mate 30 und stellt den US-Boykott erstmals auf die Probe. Mit diesem Smartphone zielt Huawei auf die Spitzenmodelle seiner Mitbewerber und daher bietet das Gerät die neuesten Technologien inklusive des Mobilfunkstandards 5G. Als SoC soll der Chip Kirin 990 von der Huawei-Tochter HiSilicon dienen, ebenfalls eine Neuheit. Dieser Prozessor basiert auf der ARMv8-Architektur, für die Huawei eine dauerhafte Lizenz besaß, doch die britische Chipschmiede ARM hatte jegliche an Huawei herausgegebenen Lizenzen auf Druck der US-Regierung einkassiert. Die Chinesen sehen das anders und damit stellt sich die Frage, wie Huawei die Nutzung von Android bewerten wird. Das "Android Open Source Project" ist zwar quelloffen, doch der Markenname "Android" ist keineswegs frei. Gleiches gilt für die Google-Apps (Play Store, GMail, YouTube, Maps), die Sicherheitsprüfung "Google Play Protect" und die von vielen Apps benötigten "Google Play Services".

Huawei könnte diese Komponeten und Apps gegen Googles Willen installieren, doch das wären dann Raubkopien, die den Verkauf des Mate 30 praktisch unmöglich machen würden. Alternativ kann Huawei einen Android-Fork wie LineageOS installieren und auf die Google-Apps verzichten. Nutzern, die großen Wert auf Datenschutz legen, dürfte dies gefallen, doch die Mehrzahl der Käufer erwartet die vertrauten Google-Produkte. Hinzu kommt das Problem des App-Stores, denn Alternativen wie F-Droid lassen beliebte Apps wie Facebook, WhatsApp, Instagram oder Skype vermissen. Sollte Huawei einen eigenen App-Store anbieten, bleibt die Frage, ob US-Firmen wie Facebook oder Microsoft ihre Apps dort überhaupt einstellen dürfen. Zumindest müssten die Entwickler dies beantragen und dürften im Rahmen der Handelsbeschränkungen umgehend eine Absage kassieren. Somit bleibt dem Huawei Mate 30 eigentlich nur der chinesische Markt, der aufgrund staatlicher Gängelung schon lange auf Google-Apps und den Play Store verzichten muss.

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