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Windows 7 und das SSE2-Dilemma

Meldung von doelf, Mittwoch der 27.06.2018, 11:22:13 Uhr

Seit der Veröffentlichung des März-2018-Updates für Windows 7 (KB4088875) haben die Benutzer antiker Prozessoren ein Problem: Unterstützt, die CPU kein SSE2, bleibt Windows 7 beim Hochfahren hängen. Ursprünglich hatte Microsoft angekündigt, den Fehler zu beseitigen, doch nun wird stattdessen zur Anschaffung eines neuen Prozessors (de facto zum Kauf eines neuen Rechners) geraten.

Windows 7 wurde am 22. Oktober 2009 veröffentlicht und soll noch bis zum 14. Januar 2020 mit Sicherheits-Updates versorgt werden. Soll, denn Microsoft hatte neue CPU-Architekturen schon vor einiger Zeit ausgesperrt. Intels Kaby Lake und Coffee Lake sowie AMDs Ryzen benötigen Windows 10. Selbst die Besitzer von Intel-CPUs der Skylake-Generation sollten zum Umstieg genötigt werden, doch hier machte Microsoft letztendlich einen Rückzieher. Dafür scheint es jetzt alten Prozessoren an den Kragen zu gehen, wenn man einen Blick in die Hinweise zu den letzten Monats-Updates wirft:

"Symptom: A Stop error occurs on computers that don't support Streaming Single Instructions Multiple Data (SIMD) Extensions 2 (SSE2).
Workaround: Upgrade your machines with a processor that supports SSE2 or virtualize those machines."

Diesen "bekannten Fehler" hat Microsoft für drei Monats-Updates eingefügt:

Interessanterweise lautete der entsprechende Hinweis im Mai noch anders, wie ein Besuch im Internetarchiv belegt:

"Symptom: A Stop error occurs on computers that don't support Streaming Single Instructions Multiple Data (SIMD) Extensions 2 (SSE2).
Workaround: Microsoft is working on a resolution and will provide an update in an upcoming release."

Die ältere Version dieses Hinweises fand sich bis zum 15. Juni 2018 auch auf der Seite zum Juni-Update (KB4284826), während die aktuelle Fassung vom 16. Juni 2018 das Problem einfach ignoriert. Kann man ja mal versuchen, schließlich dürften Prozessoren ohne SSE2 so gut wie ausgestorben sein. Intel hatte SSE2 mit dem Pentium 4 im Jahr 2000 eingeführt und AMD folgte 2003 mit dem Athlon 64. Betroffen sind demnach nur Pentium III und älter sowie Athlon XP und älter.

Doch warum sollte man ein Fass wegen 15 bzw. 18 Jahre alter Prozessoren aufmachen? Weil es nur eine Frage der Zeit ist, bis Microsoft die nächste CPU-Generation aussortiert, da die weitere Pflege von Windows 7 zu aufwändig wird. Die offiziellen Windows 7-Systemanforderungen verlangen nach wie vor "1 Gigahertz (GHz) oder schneller, 32-Bit (x86)- oder 64-Bit (x64)-Prozessor", SSE2 wird indes mit keinem Wort erwähnt. Microsoft weist per Sternchen lediglich auf Einschränkungen hinsichtlich der "Unterstützung für neue Prozessoren und Chipsätze " hin, also Kaby Lake, Coffee Lake und AMDs Ryzen.

Wer noch einen Oldtimer mit Pentium III oder Athlon XP besitzt, muss mit dem Patch-Stand von Februar 2018 leben und darf keine neueren Updates einspielen, obwohl der Support für Windows 7 noch bis Januar 2020 läuft. Das ist ärgerlich, denn ausgerechnet diesen Prozessoren fehlen die Optimierungen, welche die Meltdown- und Spectre-Angriffe ermöglichen.

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