Kolumne: Mark Zuckerberg, Du Opfa!
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Kolumne: Mark Zuckerberg, Du Opfa!

Meldung von doelf, Donnerstag der 22.03.2018, 13:35:48 Uhr

Nach einem Blick auf Facebooks fallende Aktienkurse hat sich der stets verschlossene Mark "Zuck" Zuckerberg einige Minuten seiner wertvollen Zeit genommen und ein paar warme Worte hinsichtlich der "Cambridge Analytica Situation" verfasst. Zuck gibt sich bestürzt und stellt fest, dass wir da ja eigentlich alle irgendwie die Opfer sind. Also auch Facebook. Und das ist Blödsinn!

Zumindest zu Beginn seiner Mitteilung schreibt Zuckerberg ein paar wahre Wort:

"We have a responsibility to protect your data, and if we can't then we don't deserve to serve you."

Zuckerbergs SchreiTatsächlich ist Facebook verpflichtet, die Daten seiner Nutzer zu schützen. Genauer gesagt hatte die US-Handelsaufsichtsbehörde FTC das soziale Netzwerk aufgrund der dortigen Missstände schon im Jahr 2012 zu mehr Datenschutz verpflichtet. Insbesondere die unzureichenden Einstellungen zur Datenweitergabe und Facebooks Marotte, diese immer wieder zu verändern, hatte die FTC damals moniert. Auch die zweite Hälfte des Zuckerberg-Satzes stimmt: Eine Firma, die sich nicht in der Lage sieht, die Daten ihrer Nutzer zu schützen, ist es auch nicht wert, diesen weiterhin ihre Dienste anzubieten. Doch schon an dieser Stelle beißt sich der Hund in den eigenen Schwanz, denn Facebooks Kapital sind die Daten seiner Nutzer und wenn das Unternehmen diese sicher unter Verschluss halten würde, wäre es für Investoren und Werbekunden völlig uninteressant. Und so machte Facebook es seinen Nutzern ausgesprochen leicht, ihre Daten mit aller Welt zu teilen. Und nicht nur ihre Daten, sondern gleich auch die ihrer Facebook-Freunde.

Ein Ansatzpunkt zur Monetarisierung Facebooks sind soziale Apps. Die Nutzer sollen durch Apps einen Mehrwert erhalten und diesen - ob bewusst oder unbewusst - mit ihren Daten bezahlen. Die Apps müssen zwar mitteilen, welche Daten sie dafür verlangen, doch nur wenige Nutzer lesen sich diese Bedingungen überhaupt durch bzw. lassen sich von diesen abschrecken. Schließlich haben sie zu diesem Zeitpunkt ja schon entschieden, die App ausprobieren zu wollen. Ein Abbruch wäre somit ein Schritt zurück und ein solcher stellt für die meisten ein psychologisches Hemmnis dar. Nun könnte man argumentieren (und Facebook tut dies auch), dass die Nutzer ihre Daten freiwillig übergeben haben. Doch das soziale Netzwerk ging noch einen großen Schritt weiter: Auch die Daten von befreundeten Facebook-Nutzern landeten beim App-Anbieter, selbst wenn diese die App niemals genutzt hatten oder sie gar nicht kannten. Und genau mit dieser Praxis hatte Facebook dem massenhaften Datenabgriff Tür und Tor geöffnet.

Im Fall von Cambridge Analytica hatte ein Forscher namens Aleksandr Kogan, der damals an der Universität von Cambridge beschäftigt war, eine App namens "thisisyourdigitallife" eingestellt. Dieses Persönlichkeitsquiz sammle Daten für seine Forschungsarbeit, behauptete Kogan seinerzeit und 300.000 Nutzer vertrauten der Aussage des Wissenschaftlers. Aufgrund Facebooks großzügigem Umgang mit seinem Datenreichtum wurden allerdings nicht nur 300.000 Nutzerprofile weitergegeben, sondern stolze 50 Millionen. Und obwohl die Profile von Freunden weniger Daten enthielten als die der eigentlichen App-Nutzer, reichten diese Datensätze in 30 Millionen Fällen aus, um US-Bürger und ihre Interessen eindeutig zu identifizieren. Erst im Jahr 2014 führte Facebook eine Möglichkeit ein, solche Datenweitergaben zu untersagen. Kogan indes gab seine Datensammlung an Dritte wie die Firma Cambridge Analytica weiter, welche ihren Kunden versprach, über soziale Netzwerke die Meinung der Massen beeinflussen zu können. Diese Weitergabe der Daten an Dritte bewertet Facebook als illegal sowie als Vertrauensbruch.

Diesen Vertrauensbruch zieht Facebook nun heran, um sich selbst als Opfer zu inszenieren. Dabei hatte der Vertrauensbruch schon viel früher stattgefunden, als Facebook den Abgriff von Freundesdaten für App-Anbieter in sein System integriert hatte. Jeder, der eine solche Datenweitergabe in seine System integriert, ist sich voll und ganz der Konsequenzen bewusst. Schließlich reden wir hier nicht über einen Programmierfehler, sondern über eine ganz bewusst für Facebooks Partner geschaffene Funktion. Insbesondere in Hinblick auf die gelbe Karte der FTC, welche Facebook bereits 2012 erhalten hatte, war diese Art der Datenweitergabe unverantwortlich. Doch nach seinem holprigen Börsengang im Mai 2012 musste Facebook dringend Wege finden, seinen Datenschatz in bare Münze zu konvertieren. Und ein strenger Datenschutz wäre dabei ausgesprochen hinderlich gewesen. Facebook war somit keinesfalls ein Opfer, sondern ein williger Datenhehler auf der Suche nach Umsatz und Milliardengewinnen.

Der zweite Vertrauensbruch erfolgte im Jahr 2015, als Facebook erstmals von den Machenschaften des Aleksandr Kogan erfuhr. Zwar sperrte Facebook Kogans App und verlangte von Kogan und Cambridge Analytica die Löschung der gesammelten Daten, doch ob diese tatsächlich erfolgte, wurde nicht geprüft. Facebook ging mit der vertragswidrigen Datenweitergabe weder an die Öffentlichkeit noch wurden die 300.000 Nutzer der App über den Vorfall informiert. Und selbst am 16. März 2018 hob Facebooks stellvertretender Chefjustiziar Paul Grewal in der ersten Stellungnahme des Unternehmens noch hervor, dass lediglich 270.000 Nutzer betroffen seien. Er erwähnte zwar "begrenzte Informationen über Freunde", ließ das wahre Ausmaß von 50 Millionen betroffenen Konten aber außen vor. Erst Mark Zuckerberg gesteht nun ein, dass es um eine Zahl im zweistelligen Millionenbereich geht. Dabei ist es erstaunlich, dass sich Zuckerberg überhaupt zu Wort meldet und eine solche Zahl in den Raum stellt, denn standardmäßig ist Facebook stets bemüht, seine Datenschutzmängel klein zu reden.

Natürlich ist Facebook nicht die einzige Datenkrake im Netz, doch der aktuelle Fall der Meinungsmanipulatoren von Cambridge Analytica gehört zu den abschreckendsten Beispiel für den Missbrauch großer Datensammlungen, welchen wir bisher gesehen haben. Jeder, der sich jetzt noch für die bedingungslose Monetarisierung unseres Datenreichtums einsetzt, stellt lediglich seine geistige Armut unter Beweis. Unser Rat: Geht sparsam mit euren Daten um. Und Du, Mark Zuckerberg, spiel hier nicht das Opfer!

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