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Kolumne: Vergesst Mobile, Cloud und VR, jetzt kommt AI

Meldung von doelf, Donnerstag der 06.10.2016, 16:40:56 Uhr

Nach "Mobile first" und "Cloud first" platzt mitten in die VR-Vermarktung eine Firma namens Google und erklärt "AI first" (Artificial Intelligence) zum neuen Unternehmensziel. Mobile ist ab jetzt nur noch ein Mittel zum Zweck, mit der AI in Kontakt zu treten, wobei die AI in der Cloud lebt. Auch Samsung kauft sich künstliche Intelligenz zu und wildert dabei im Apple-Revier.

Wer "2001 - Odyssee im Weltraum" gesehen hat, ist mit künstlicher Intelligenz und modernen Assistenzsystemen bereits bestens vertraut. Im Film kümmert sich der Schiffscomputer HAL 9000 nicht nur um die Navigation, er lauscht auch beständig den Befehlen und Fragen der Besatzung, analysiert deren Eingaben und weiß alles besser. Diese Mission nimmt kein gutes Ende, da HAL 9000 das Wesen der Menschen zu gut versteht. Auch Googles namenloser Assistent, Apples Siri und Microsofts Cortana hören uns zu, kennen unsere Bewegungen, unsere Termine, unsere Kontakte, unsere Notizen, unseren Einkaufszettel und unseren Musikgeschmack. Zugleich können diese Systeme auf unendlich viele Daten aus der Cloud zugreifen und diese mehr oder weniger intelligent mit unseren Anfragen verknüpfen. Dabei dürfte Google den vermutlich größten Datenschatz horten und so geriet die Vorstellung der neuen Geräte zu einer Vorstellung des neuen Assistenten, denn dieser ist die erste Manifestation von Googles "AI first". Und er soll Google dabei helfen, noch viel mehr Daten sammeln zu können.

Dabei ist Google keineswegs das erste Unternehmen, das die AI-Trommel schlägt. IBM hatte seinen Geschäftsbereich "Software" Ende 2015 in "Cognitive Solutions" umbenannt und dabei die "kognitive Ära" ausgerufen. Es gehe darum, "die Beziehung zwischen Mensch und Maschine neu zu definieren", hatte IBM dazu erklärt. Tatsächlich geht es um "Big Data" oder "Smart Data", wie die großen IT-Spieler ihre blinde Datensammelwut inzwischen nennen. Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts und so wird alles gespeichert, denn irgendwann könnte irgendjemand ja mal irgendeine Idee haben, was man mit diesem Datenschatz anstellen kann. Google sammelt schon seit vielen Jahren, schließlich saß das Unternehmen mit seiner Suchmaschine und dem Werbegeschäft schon immer an der Quelle. Die rasante Verbreitung von Android lieferte dann auch sehr private Daten und so weiß Google inzwischen weit mehr über seine Nutzer als deren Eltern oder Freunde. Und daraus macht das Unternehmen auch gar kein Geheimnis: "Das Ziel von Google ist es, die Informationen der Welt zu organisieren und für alle zu jeder Zeit zugänglich und nutzbar zu machen."

Der Zugriff auf die Informationen der Welt wird für einige Zeit noch über Smartphones geschehen, doch eigentlich reichen ein paar Mikrofone und Lautsprecher aus. Der Benutzer fragt, Google antwortet. Der Benutzer diktiert, Google notiert und verschickt. Der Benutzer gibt Anweisungen, Google legt Musik auf, steuert die Heizung und bestellt eine Pizza mit extra Käse. Läuft die Musik zu laut, werden Ohrenarzt und Krankenkasse kontaktiert. Häufen sich die Käsegelüste, folgt ein Beratungstermin beim Kardiologen, vermittelt von der Krankenkasse. Zugegeben, noch sind wir nicht ganz so weit, aber die Planungen zur Ausbeutung des Datenschatzes gehen in diese Richtung und noch weit darüber hinaus. Google ist hier ein zentraler Spieler, um den kaum jemand herum kommt. Milliarden von Menschen benutzen Google und erleichtern sich dabei ihren Alltag. Und Google nimmt unsere Daten als Bezahlung entgegen. Je intelligenter Googles Assistent arbeitet, umso nützlicher ist er. Doch damit diese Intelligenz funktioniert, muss sie mit all unseren Daten gefüttert werden. Wohlgemerkt: Bei der Formulierung seines Unternehmensziels unterscheidet Google nicht zwischen privaten und öffentlichen Daten!

Mit Samsung Electronics springt nun auch eine auf Hardware spezialisierte Firma auf den AI-Zug auf. Die Südkoreaner wollen das Unternehmen Viv Labs kaufen, welches eine offene Plattform für künstliche Intelligenz entwickelt hat. Auf Grundlage dieser Technik lassen sich sprachgesteuerte Assistenzsysteme aufbauen, welche Samsung in alle möglichen Geräte integrieren will. Das AI-System soll nicht nur Fragen beantworten und Zusammenhänge erkennen, sondern auch zur Sprachbedienung verwendet werden. Mit Viv zielt Samsung keinesfalls nur auf Smartphones, Tablets, Weareables und Fernsehapparate, sondern auch auf typische Haushaltsgeräten. Somit werden uns in Zukunft auch Waschmaschinen, Trockner, Kühl- und Gefrierschränke, Herde, Mikrowellen und Toaster belauschen. Und statt typischer Bedienfehler wird es nur noch Verständigungsprobleme geben, beispielsweise wenn der Toast schwarz und der Tee schön kross serviert werden. Zum Abschluss noch ein pikantes Detail: Hinter Viv Labs stehen Dag Kittlaus und Adam Cheyer, zwei Entwickler von Apples 2010er Zukauf Siri. Abgesehen von Samsung sollen auch Google und Facebook Interesse an einer Übernahme von Viv Labs gezeigt haben.

Das letzte Wort überlassen wir HAL 9000:

"Ich weiß, dass Ihr beide geplant habt, mich abzuschalten. Und ich glaube, dass ich das nicht zulassen darf."

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