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Kolumne: Die Meinungsmacher - Mit Big Data an die Macht?

Meldung von doelf, Dienstag der 06.12.2016, 17:05:12 Uhr

Früher galt die Presse als wichtigster Hebel für die Beeinflussung der Wählerschaft, doch heutzutage nimmt der "Lügenpresse" kaum jemand selbst sorgfältig recherchierte Fakten ab. Stattdessen lassen sich die Massen über soziale Netzwerke lenken und verbreiten Überschriften und Hashtags fast ebenso schnell, wie sie sie empfangen. Damit sind sie leichte Beute für Meinungsmacher und Datenkraken, welche die Meinungsströme gegen Honorar in die gewünschte Richtung lenken.

Als ganz großen Spieler in der jungen Branche der Meinungsmacher präsentiert sich derzeit "Cambridge Analytica". Der Dienstleister mit Niederlassungen in New York, Washington und London predigt die Macht von "Big Data" und nimmt für sich in Anspruch, Großbritannien aus der Europäischen Union und Donald Trump ins Weiße Haus geführt zu haben. Nach eigenen Aussagen hatte "Cambridge Analytica" nicht nur Trumps Wahlerfolg vorhergesehen, sondern will diesen durch täglich aktualisierte Informationen und Empfehlungen für Trumps engsten Beraterstab bewirkt haben. Demnach berechnete das Unternehmen, wo Trump auftreten müsse, um möglichst viele unentschlossene Wähler zu erreichen, welche Versprechungen er diesen zu machen habe und wo welche Art von Wahlwerbung idealerweise platziert werden sollte. Auch die Daten zur Finanzierung von Trumps Wahlkampf will "Cambridge Analytica" geliefert haben.

In diversen Pressemitteilungen erklärt "Cambridge Analytica", dass Trump ein äußerst kontroverser Kandidat war und man deshalb auf eine besonders sprunghafte Strategie gesetzt habe. In Trumps Wahlversprechen ging es demnach nicht um politische Ziele, sondern nur darum, den Wählern das zu versprechen, was eine große Mehrheit hören wollte. Selbst krasse Widersprüche sehen die Meinungsmacher nicht als Nachteil, solange jede Zielperson dabei auch das geboten bekam, was sie sich gerade wünschte. Daten sammeln, auswerten und die gewonnenen Erkenntnisse direkt in die Vermarktung des Kandidaten stecken. Lieber Vorurteile und Meinungen bedienen, statt eine langfristige Strategien aufzubauen. Lieber manipulieren statt zu überzeugen. Die Botschaft von "Cambridge Analytica" lautet: Fast jedes Ziel ist erreichbar, egal wie unsinnig oder unwahrscheinlich. Man muss nur wissen, wie man die Menschen steuern kann. Und wir wissen das.

Das klingt alles ein wenig wie Voodoo, wird aber als Wissenschaft verkauft. Und die Zauberzutat von heute ist kein Spinnenbein sondern "Big Data". Eine Schlüsselrolle spielte aber auch das soziale Netzwerk Facebook, über das Wähler eindeutig identifiziert - dem Klarnamenzwang sei dank - und dann gezielt mit der passenden Werbung konfrontiert wurden. Trumps Team habe die sozialen Netzwerke täglich mit neuen Mitteilungen geflutet und diese bezahlten Inhalte dann durch die Nutzerschaft des Netzwerkes weitertragen zu lassen. Geriet Trump aufgrund seiner Aussagen unter Beschuss, wurden die Mitteilungen an die jeweilige Zielgruppe entsprechend angepasst. Hier macht es Facebook Meinungsmanipulatoren besonders leicht, denn das soziale Netzwerk wählt die passenden Nachrichten für das jeweilige Mitglied aus und engt auf diese Weise dessen Weltbild ein, statt es zu erweitern: Jeder bekommt das vorgesetzt, was ihm am besten schmeckt.

Wie groß der Einfluss von "Cambridge Analytica" auf den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl oder das Brexit-Votum war, ist völlig unklar. Dafür sind die Werbeversprechen des Unternehmens mehr als eindeutig: Wahlen lassen sich heutzutage kaufen. Und zwar nicht durch Stimmenkauf oder Hackerangriffe, sondern aufgrund der Dummheit und Manipulierbarkeit des Wahlvolkes. Versprecht den Eseln, was sie hören wollen. Beeinflusst sie in den sozialen Netzwerken, wo sie sich privat und geschützt fühlen. Lasst sie erst gar nicht zum Denken kommen, sondern macht ihre Meinung. Sofern die Meinungsmache heutzutage tatsächlich so funktioniert, hätte "Cambridge Analytica" die Volksverdummung auf einem ganz neuen Level gebracht und damit auch einen neuen Maßstab in der Disziplin Menschenverachtung geschaffen - gerade weil die Firma ihre dubiosen Methoden nicht für sich behält, sondern seit Wochen massiv bewirbt.

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