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Kolumne: Datenprassen für die Wirtschaft 4.0

Meldung von doelf, Mittwoch der 07.09.2016, 15:07:10 Uhr

Anlässlich des zweijährigen Jubiläums der digitalen Agenda hatte das Berliner Dreigestirn Sigmar Gabriel (Bundeswirtschaftswichtel, SPD), Thomas de Maizière (Bundeskameramann, CDU) und Alexander Dobrindt (Bundesverkehrsexperte, CSU) gestern einen Sonderauftritt beim Netzpolitischen Forum des eco (Verband der Internetwirtschaft e.V.). Das Haus war ausverkauft und man, was haben die gelacht!

Gabriel feierte sich schon eingangs für den "Haftungsausschluss für WLAN-Anbieter" - ein echter Brüller, denn ein echter Haftungsausschluss findet sich gar nicht im zugehörigen Gesetzestext. Dann spielte der SPD-Mann einen unerfahrenen PR-Berater mit lockerem Mittelfinger. In dieser Rolle riet er der IT-Branche zu mehr Geschick beim der Verwendung von Anglizismen: "Cloud hört sich schon so an wie Stehlen". Was für ein trefflicher Seitenhieb auf die Briten! Auf der einen Seite treten sie einfach aus, wann und wo immer es ihnen passt, und auf der anderen kreieren sie saublöde Schlagworte, die man als Deutscher falsch verstehen kann. Wir sind schließlich keine Mothertongueler, ein weiterer Anglizismus, der hierzulande scheiterte, da er irrtümlich für die cunnilinguale Variante des Motherfuckers gehalten wurde. Dabei geht es bei der Cloud ja nicht ums Klauen, das ist ein reiner Nebeneffekt. Es geht um die Auslagerung von lokalen IT-Arbeitsplätzen an Großunternehmen. Hätte man das Teil gleich "Jobkiller" genannt, müsste man sich jetzt nicht mit dem schlechten Image der Cloud herumschlagen.

Da musste sich de Maizière gleich dranhängen und erklärte, dass auch "Big Data" ein dümmlicher Begriff sei. "Big" klingt ja fast wie "dick" und wer will schon voll fette Daten? Nein, von "Smart Data" soll man sprechen, denn "Smart" ist voll etabliert und quasi schon das neue "Hyper". Wie üblich erreichte de Maizière mit seiner distanzierten Oberlehrerattitüde nur ein paar müde Smilies, was nicht nur daran lag, dass er mit der kumpelhaften Rampensau Gabriel nicht mithalten kann. Unser Bundeskameramann hatte schlicht und einfach bei Wolfgang Heuring geklaut, der diese Umbenennung schon vor anderthalb Jahren bei Siemens vorgetragen hatte. Mit der Floskel "Eine gute Datenpolitik schafft einen angemessenen Ausgleich zwischen dem Schutz personenbezogener Daten und den Chancen der Digitalisierung. Sie muss auch dem Ziel dienen, unser Leben einfacher, angenehmer und sicherer zu machen - und in diesem Sinne Wertschöpfung ermöglichen" versuchte sich de Maizière zurückzukämpfen, doch die Pointe mit der "Wertschöpfung" war einfach zu schwach und zu vorhersehbar.

Alexander Dobrindt hatte nun die unangenehme Aufgabe, das Publikum wieder zu wecken. Mit "Daten per se sind heute nichts Böses" legte Dobrindt vielversprechend los, ließ mit "sie bedeuten die Wertschöpfung der Zukunft" dann aber stark nach und lieferte mit "unser Wohlstand hängt davon ab" einen ziemlich verzweifelten Abgang. Mit dem Ruf "Datenreichtum statt Datensparsamkeit" übergab Dobrindt dann wieder an Gabriel, der die "fehlgeleitete Idee" der Datensparsamkeit zum Wirtschaftshemmnis erklärte. Mit "Datensouveränität statt Datenschutz" stellte dann auch unser Bundeswirtschaftswichtel eine schnittige Forderung, die man durchaus als smart bezeichnen kann. Schließlich bezeichnet Souverän den Inhaber der Staatsgewalt, also uns. Wenn wir nun der Souverän unserer Daten wären, brauchte es gar keinen Datenschutz zu geben! Wir könnten dann unsere Daten meistbietend an die deutsche Wirtschaft verkaufen, statt sie uns von ausländischen Internetklitschen stehlen zu lassen. Dann hätten wir endlich was von unserem Datenreichtum. Ein echter Fuchs, dieser Gabriel!

Insgesamt war der gestrige Auftritt wie das deutsche Breitbandnetz: Ausbaufähig. Während Thomas de Maizière und Sigmar Gabriel das klassische Duo aus Weißclown - gibt sich seriös und gebildet - und dummer August - haut auf die Kacke - verkörpern, wirkt Alexander Dobrindt wie das dritte Rad am Wagen. Eventuell liegt dies in seinem Ministerium begründet, das sich nicht nur um die digitale Infrastruktur, sondern auch um den Verkehr kümmern muss. Das Publikum, genervt durch Staus, Schlaglöcher, marode Brücken und den heimischen DSL-2000-Anschluss, sieht in Dobrindt die personifizierte Mangelwirtschaft und verweigert dem CSU-Mann einfach jeden Lacher. Unter den Teilnehmern des Netzpolitischen Forums herrschte große Einigkeit, dass das Dreigestirn nicht gut funktioniert. Als Lösung wurde ein Bundesminister für Digitalpolitik in den Raum gestellt, doch die drei anwesenden Bundesminister hielten dies für eine Schnapsidee. Kein Wunder, schließlich braucht man auch drei Bundesminister, um einen Router anzuschließen. Und nur beim Router hat man die freie Wahl!

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