Kolumne: Angriff auf die Grundfesten des Internets
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Kolumne: Angriff auf die Grundfesten des Internets

Meldung von doelf, Freitag der 01.02.2019, 13:32:05 Uhr

Das Internet musste in den vergangenen Jahren Vieles verkraften. Überall wurde man abgehört und bespitzelt, allenthalben wurden Daten gesammelt und verhökert, immer wieder gab es Zensurbestrebungen und eine systematische Untergrabung der Netzneutralität. Doch seit einigen Tagen rüttelt eine neue SPAM-Welle an den Grundfesten des Internets und droht dessen Fundament endgültig zu brechen. Ja, liebe Leser, es geht um das Grundrecht auf Selbstbefleckung!

Bereits in den Swinging Sixties hatte die US-Luftwaffe erkannt, dass die Verbreitung von Schmuddelbildchen in Papierform recht altbacken ist, und beauftragte eine kleine Forschergruppe unter Leitung des "Masturbating Institute of Technology" (MIT) mit der Entwicklung des ARPANET (Advanced Recreational Pornography Accessability Network), über das Militärs und Universitäten zunächst eindeutige ACSII-Grafiken und später 16-Farb-Bilder austauschen konnten. Die Exklusivität dieser frühen Tage ist aber schon lange Geschichte. Seit sich das Internet für die Allgemeinheit geöffnet hat, darf praktisch jeder darüber auf Pornografie zugreifen und sich einen von der Palme wedeln. Und die Breitbandleitungen verstopfen, schließlich wird die Qualität der Pornografie immer besser. Also die Bildqualität, nicht etwa die Inhalte.

Doch zurück zum Thema: Dass das insbesondere in seinen Anfängen extrem männlich geprägte Internet voller Wichser ist, dürfte allgemein bekannt sein. Und dass die Geräte, mit denen wir ins Internet gehen, nicht sonderlich sicher sind, dürfte sich ebenfalls herumgesprochen haben. Diese beiden Erkenntnisse haben die Macher nerviger SPAM-Mails, die trotz einschlägiger Bastelsets immer noch zu blöd sind, um richtige Erpressungstrojaner zu programmieren, auf eine innovative Idee gebracht: Sie verschicken seit einigen Tagen Erpressungsnachrichten einfach mal ins Blaue und hoffen, damit genug dumme Wichser (ein Fachterminus, keine Beleidigung) zu erwischen, um sich ordentlich die Taschen voll zu machen. Sofern der Bitcoin nicht ins Bodenlose fällt, denn diese geringsten aller Cyberkriminellen lassen sich natürlich in der Digitalwährung bezahlen.

Die "sehr schlechte Nachricht" erreicht die potentiellen Masturbierer (Masturbisten? Masturbateure?) in mäßigem Englisch mit der eigenen E-Mail-Adresse als Absender. Dies soll dem Empfänger die Allmacht des Erpressers demonstrieren: Ich habe deinen Router gehackt, ich habe deine Geräte infiziert und weil ich so ein geiler Hacker-Hecht bin, habe ich das alles so abgesichert, dass dir rein gar nichts mehr den Arsch retten kann (an dieser Stelle sollte man sich ein diabolisches Lachen vorstellen)! Tatsächlich wurde aber nur eine E-Mail mit falschen Absender verschickt, was tatsächlich jeder Depp kann. Weiter im Märchen: Der Über-Hacker will sämtlich Daten kopiert haben, also die Pornovideos, die Hochzeitsfotos, die Steuerunterlagen, die Termine vom Kirchenkreis und die privaten und geschäftlichen Adressbücher.

Und eigentlich wollte der grundehrliche Hacker, der ja auch nur irgendwie seinen Lebensunterhalt erpressen muss, lediglich den Rechner seines Opfers verschlüsseln, um diesen für einen "nicht allzu hohen" Obulus wieder freizugeben. Doch dann stolperte er über die ganzen perversen Schweinereien vom GILF-Gangbang über Ear-to-Nose-Praktiken bis hin zum Sperma-Weitwurf. Okay, in der Mail werden absolut keine Details genannt, aber an dieser Stelle erschien ein blumiges Ausschmücken aus rein stilistischen Gründen erforderlich zu sein. Da unser Erpresser eine eigene Omi mit Nase und Ohren hat, war er dermaßen angewidert ("you are a BIG pervert"), dass er angeblich die Kamera irgendeines Gerätes gekapert und ein "Bildschirmfoto" (nein, das macht tatsächlich keinen Sinn) seines Opfers während einer spektakulären Selbstbefleckung gemacht hat.

Diese spektakuläre Aufnahme wird nun an alle Familienmitglieder, Freunde, die Arbeitskollegen und den Kirchenkreis verschickt. Doch halt, es gibt noch einen Ausweg: Einfach 688 US-Dollar in Bitcoins bezahlen und die gestohlenen Daten nebst Screenshot lösen sich ebenso in Luft auf wie auch die Schad-Software auf den Geräten des Opfers. Darauf gibt der Absender sein Hacker-Ehrenwort ("P.S. You are not my single victim. so, I guarantee you that I will not disturb you again after payment! This is the word of honor hacker"), was mindestens ebenso viel wert ist wie die Wahlversprechen von Politikern. Zum Abschluss gibt es noch einen guten Ratschlag ("I also ask you to regularly update your antiviruses in the future") und einen freundlichen Gruß ("Do not hold evil! I just do my job. Have a nice day!"), was will man mehr?

Das wirklich spektakuläre an der ganzen Geschichte ist allerdings, dass es da draußen im Netz tatsächlich noch dumme Wichser gibt, die auf diesen Unsinn hereinfallen! Das vom Erpresser genannte Bitcoin-Wallet 145SmyE7DBEQExsnXZobojbQqr5UdgbCHh weist seit dem 27. Januar 2019 immerhin 60 Zahlungseingänge auf und bringt es inzwischen auf 8,45972859 BTC, was rund 24.000 Euro entspricht! Es ist nicht peinlich, vor dem Bildschirm zu masturbieren, liebe Leser. Es ist peinlich, auf so einen hanebüchenen Unsinn hereinzufallen! Früher mussten Erpresser zumindest noch etwas in Erfahrung bringen, um an Geld zu kommen. Heute reicht es aus, mal kurz in die Runde zu zeigen und Wichser zu rufen. Irgendein Idiot wird sich schon angesprochen fühlen.

Ja, das klingt jetzt etwas hart, aber Medienpotenz setzt halt ein gewisses Maß an Medienkompetenz voraus. Und dazu gehört nun einmal, nicht jeden Schwachsinn zu glauben, ganz gleich ob dieser nun von einem anonymen Hacker, Donald Trump oder irgendwelchen "Facebook-Freunden" stammt. Und wer nicht an die Sicherheit seiner eigenen Geräte glaubt, was im Allgemeinen schon einmal ein ganz guter Ansatz ist, soll halt ein Stück Pappe über die Kamera des Notebooks klemmen, bevor die Wurst zur genüsslichen Massage auf die Tastatur gepackt wird. Eventuell sollte man den zuständigen Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kontaktieren und freies Runterholen für freie Bürger einfordern. Einfach mit dem Zauberwort "Breitband" garnieren, dann fließen bestimmt noch Fördergelder!

Ich lasse mir jetzt erst einmal "BIG pervert" auf ein T-Shirt drucken und lösche dann Pornhub, um alle meine Spuren zu verwischen. Eine neue Tastatur wäre auch nicht schlecht, also wegen dem geringen Ghosting beim Spielen und so... Ach ja, wer die Erpresser-Mail im Original genießen möchte, findet diese im Forum. Ich wünsche gute Unterhaltung!

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