NRW startet neue Offensive gegen Internet-Pornografie

Meldung von doelf, Dienstag der 07.04.2020, 17:02:25 Uhr

Im Internet ist harter Sex immer nur einen Klick entfernt und Alterskontrollen gibt es bei keinem der führenden Pornoportale. Der Landesanstalt für Medien NRW ist nun offenbar der Kragen geplatzt, denn sie geht derzeit massiv gegen Jugendschutzverstöße bei Pornografie im Internet vor und droht gar mit einer vollständigen Sperrung ab Sommer 2020.

Pornografie darf in Deutschland nur in geschlossenen Benutzergruppen und somit nach einer vorherigen Altersverifikation zugänglich gemacht werden, lässt die Landesanstalt wissen, doch die Marktführer im Bereich der kostenlosen Pornografie ignorieren diese Bestimmung, da sie im Ausland sitzen. Der Anbieter MindGeek Holding SARL, zu dem neben Pornhub, YouPorn und RedTube auch Produktionsfirmen und Amateurplattformen mit kostenpflichtigen Inhalten (Brazzers, Digital Playground, Mofos, Mydirtyhobby, Reality Kings, Sean Cody und VideoBash) gehören, hat seinen offiziellen Sitz in Luxemburg, operiert allerdings aus Kanada und verteilt seine Internetseiten auf weitere Länder wie die USA, das Vereinigte Königreich, Irland, Deutschland und Zypern. Hammy Media Ltd. mit Büros in Houston, Kyoto und London betreibt das Portal xHamster aus Zypern.

Um deutsche Jugendschutzgesetze bei Firmen mit Sitz im Ausland durchsetzen zu können, bedarf es einer Kooperation mit den dortigen Behörden. Doch insbesondere der Inselstaat Zypern scheint hieran kein Interesse zu haben und ließ die nordrhein-westfälische Landesanstalt abblitzen. Diese hat nun vier Fälle, darunter die reichweitenstärksten Anbieter auf dem deutschen Markt in die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) eingebracht, um die Einhaltung der deutschen Jugendschutzbestimmungen durchzusetzen - in letzter Konsequenz die vollständige Sperrung ihrer pornografischen Angebote in Deutschland. Das wäre zwar einerseits eine Zensur des Internets, andererseits finden sich auf den betroffenen Portalen auch besonders drastische und irritierende Praktiken, wie extreme und möglicherweise gesundheitsgefährdende Fesselungen, die Kindern und Jugendlichen ein Zerrbild der Sexualität präsentieren.

Wer seinen Nachwuchs von pornografischen Inhalten fern halten will, muss derzeit entsprechende Sperren im Router konfigurieren. Da die Mehrzahl deutscher Eltern aber nicht einmal weiß, wo sich das Passwort ihres Routers befindet, wo sie dieses eingeben müsste oder wann die Firmware des Routers zuletzt aktualisiert wurde, werden diese Filter in der Regel nicht aktiviert. Bleiben noch Software-Lösungen, die sich auch auf Mobilgeräten aktivieren lassen und damit auch den Datenverkehr über das Mobilfunknetz filtern. Da die in den Betriebssystemen integrierten Lösungen nur die Inhalte der jeweiligen App-Stores sowie Nutzungszeitlimitierungen umfassen, bleibt der Webbrowser außen vor. Also werden Drittanbieter Apps benötigt, die dann wieder tief ins System eingreifen und Daten sammeln können. Zudem ist der Schritt vom Schutz zu einer elterlichen Totalüberwachung nur klein.

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