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Schonfrist abgelaufen: Es wird ernst für Huawei

Meldung von doelf, Montag der 17.08.2020, 17:37:02 Uhr

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Als US-Präsident Donald Trump im Mai 2019 eine Exekutivverordnung gegen den chinesischen Technikriesen Huawei erlassen hatte, reagierte die Branche panisch und versuchte möglichst schnell möglichst viele Taue zu kappen. Erst eine 90-tägige Gnadenfrist beruhigte die Lage, doch diese ist nach 450 Tagen (aufgrund mehrerer Verlängerungen) abgelaufen und nun steht Huawei wieder am Scheideweg. Dem Unternehmen fehlt eine eigene Chipfertigung, eine eigene Software und selbst die ARM-Lizenz steht wieder in Frage.

Harter Handelsbann als Light-Version
Im Mai 2019 hatte US-Präsident Trump einen nationalen Notstand im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien oder -diensten ausgerufen und den chinesischen Technikriesen Huawei sowie 68 seiner Tochterunternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt. Dies sollte Huawei von US-amerikanischer Hard- und Software abschneiden, doch schon kurze Zeit später hatte Trump eine 90-tägige Gnadenfrist nachgereicht, damit Huawei und seine US-amerikanischen Partner ihre Dinge regeln können. Diese Frist wurde in der Folge mehrfach verlängert, zuletzt im Mai 2020. Doch am 13. August 2020 blieb dieses regelmäßig aufgeführte Ritual aus und nun wird es ernst für Huawei.

Gnadenfrist verschaffte Huawei Zeit
Aufgrund der Gnadenfrist konnten US-Unternehmen Ausnahmegenehmigungen beantragen, um weiter mit Huawei arbeiten zu können. Einerseits kommen Produkte von Huawei in etlichen Mobilfunknetzen zum Einsatz, andererseits liefern viele US-Unternehmen Chips und Software an das chinesische Unternehmen, darunter ARM, Broadcom, Cypress, Goolge, Intel, Lumentum, Micron, Microsoft, Qualcomm und Xilinx. Unmittelbar nachdem Trump seinen Handelsbann verkündigt hatte, kappten diese Unternehmen ihre Geschäftsbeziehungen mit Huawei. Erst die Ausnahmegenehmigungen hatten die Lage wieder beruhigt. Zugleich schaute sich Huawei nach Alternativen aus Asien und Europa um und weitete die Aktivitäten seiner eigenen Halbleitertochter HiSilicon aus.

Achillesferse Hardware: Keine eigene Chipfertigung
Allerdings hatten die USA nicht nur den Aufschub verlängert, sondern auch ihre Maßnahmen erweitert: So wurde der Handelsbann im August 2019 von 68 auf 114 Tochterunternehmen ausgeweitet. Im Mai 2020 versuchte das Bureau of Industry and Security (BIS) schließlich, den indirekten Zugriff Huaweis auf US-amerikanische Technologie- und Software zu kappen. Insbesondere drittländische Auftragsfertiger aus dem Bereich der Halbleiterproduktion waren das Ziel dieser Maßnahmen, denn die Huawei-Tochter HiSilicon ist fabless, unterhält also keine eigenen Fabriken. Huawei ist es in den vergangenen Monaten zwar gelungen, alternative Hardware-Quellen zu erschließen und die eigene Halbleitersparte zu stärken, doch wenn der Zugriff auf ausländische Halbleiterfertiger wegfällt und die ARM-Lizenz wackelt, steht das Unternehmen nicht besser da als im Mai 2019.

Achillesferse Software: Mit ohne Android
Auch von der vollmundig versprochenen Android-Alternative ist nichts zu sehen. Hier ist der Technikriese binnen weniger Wochen auf dem harten Boden der Tatsachen aufgeschlagen und hat sich für seine neu entwickelten Modelle beim Android Open Source Project bedient. Während den neuen Modellen jegliche Google-Dienste, also auch der App-Store Google Play und die Sicherheitsebene Google Play Protect fehlen, wurden die Anfang 2019 bereits existierenden Modelle mehrfach aufgefrischt und als überarbeitete Version vermarktet. Für diese Altmodelle gab es nämlich eine Ausnahmeregelung, welche den weiteren Einsatz eines vollwertigen Android nebst Aktualisierungen erlaubte. Doch auch diese steht nun zur Disposition.

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