Die Regeln haben sich geändert

Überflieger und Preishammer - 2 neue Prozessoren von AMD

Meldung von doelf, Mittwoch der 20.11.2019, 20:15:44 Uhr

Am kommenden Montag ist es endlich so weit: AMDs Ryzen 9 3950X kommt in den Handel und setzt mit 16 Kernen neue Maßstäbe für das Desktop-Segment. Mit einem empfohlenen Preis von 749 US-Dollar wird der Ryzen 9 3950X zwar nicht billig, bietet aber auch sehr viel für das Geld. Am anderen Ende der Preisskala startete bereits gestern der Athlon 3000G mit zwei Kernen und frei wählbarem Multiplikator zum Kampfpreis von 49 US-Dollar.

Monolithisch war gestern
Im Gegensatz zur zweiten Ryzen-Generation, die als Feinschliff der ersten betrachtet werden kann, hat AMD diesmal kräftig umgebaut. Beim Ryzen 3000 (Matisse) handelt es sich nämlich nicht mehr um einen monolithischen Chip, sondern um eine Kombination aus zwei bis drei Chiplets, welche über xGMI-Anbindungen, die AMD auch als "Infinity Fabric Interconnect" bezeichnet, miteinander verbunden sind. Ein Chiplet umfasst die Schnittstellen wie PCI-Express 4.0 (2 GB/s je Lane und Richtung) und den Speicher-Controller, es wird weiterhin mit Strukturgrößen von 14 nm bei Globalfoundries gefertigt. Dazu kommen ein oder zwei Chiplets, die jeweils bis zu acht Rechenkerne beherbergen. Prozessoren mit sechs oder acht Kernen benötigen nur ein CPU-Chiplet, für die Topmodelle mit 12 und 16 Kernen werden zwei solcher Chiplets kombiniert. Die CPU-Chiplets nutzen die neue 7-nm-Fertigung von TSMC, so dass AMD selbst beim Ryzen 9 3950X die bisherige TDP-Grenze von 105 Watt weiter einhalten kann. Die Chiplet-Strategie gibt AMD mehr Flexibilität und reduziert die Komplexität der einzelnen Chipteile, was die Ausbeute verbessern dürfte.

Rundum gibt es viele Verbesserungen
Die neue "Zen 2"-Architektur bringt laut AMD ein Leistungsplus von 15 Prozent je Taktschritt, wobei die ursprüngliche Zen-Architektur als Maßlatte dient. AMD hat den Datenpfad der Gleitkomma-Einheit von 128 auf 256 Bit verdoppelt, so dass die CPUs AVX2-Operationen nicht mehr in zwei Rechenschritte aufspalten müssen. Damit das aufgebohrte Backend auch ausreichend Datenfutter erhält, wurden Sprungvorhersage und Prefetching umfassend überarbeitet. Dabei wurden auch Maßnahmen gegen Spectre-Angriffe in der Hardware getroffen. Es gibt auch eine verbesserte Ausführungs-Pipeline, der Befehls-Cache wurde neu organisiert und mehrere Optimierungen beschleunigen Micro-Operationen. Der auf 32 MiB verdoppelte L3-Cache sorgt für kürzere Latenzen. Kommen zwei CPU-Chiplets zum Einsatz, gibt es sogar 64 MiB L3-Cache. Rechnet man L2- und L3-Cache zusammen, bringt es der Ryzen 9 3950X sogar auf 72 MiB. Auch der verbesserte Speicher-Controller vergrößert den Datendurchsatz, denn er unterstützt nun DDR4-3200 ohne Übertaktung. Garantiert wird dieser Speichertakt allerdings nur, wenn pro Kanal nur ein Modul zum Einsatz kommt.

Neuer Chipsatz, alter Sockel, bedingt kompatibel
Auch die Prozessoren der dritten Ryzen-Generation nutzen den Sockel AM4, benötigen aber ein kompatibles UEFI. Man sollte also vor dem Aufrüsten prüfen, ob ein solches Update verfügbar ist und dieses vor dem CPU-Tausch einspielen. Beim Ryzen 3000 gibt es weiterhin 24 PCIe-Lanes, von denen 16 zur Anbindung der Grafikkarte dienen und je vier für Datenträger und Chipsatz genutzt werden. Dank PCI-Express 4.0 erreichen kompatible NVMe-SSDs eine Leseleistung von bis zu 5,0 GB/s und auch kommende Grafikkarten bekommen zusätzlichen Spielraum. Allerdings nur in Kombination mit dem X570, denn die Leiterbahnen auf dem Mainboard müssen die höhere Taktrate von PCI-Express 4.0 ebenfalls verkraften. Der X570-Chipsatz bietet weitere 16 Lanes, von denen vier mit der CPU verbunden sind. Dies macht den X570 zu einem stromhungrigen Kerlchen, das im Regelfall einer aktiven Kühlung bedarf. Bisherige Chipsätze hatten lediglich vier PCIe-Lanes der dritten Generation, die mit der CPU verbunden waren. Dazu kamen vier (A320), sechs (B350, B450) oder acht (X370, X370) PCIe-2.0-Lanes zur Anbindung weiterer Geräte.

Hier nun eine Übersicht aller in Europa erhältlichen Ryzen-CPUs der dritten Generation:

  • Ryzen 9 3950X (16 Kerne/32 Threads @ 3,5-4,7 GHz; 72 MiB Cache; 105 W TDP): 749 US-Dollar
  • Ryzen 9 3900X (12 Kerne/24 Threads @ 3,8-4,6 GHz; 70 MiB Cache; 105 W TDP): 499 US-Dollar
  • Ryzen 7 3800X (8 Kerne/16 Threads @ 3,9-4,5 GHz; 36 MiB Cache; 105 W TDP): 399 US-Dollar
  • Ryzen 7 3700X (8 Kerne/16 Threads @ 3,6-4,4 GHz; 36 MiB Cache; 65 W TDP): 329 US-Dollar
  • Ryzen 5 3600X (6 Kerne/12 Threads @ 3,8-4,4 GHz; 35 MiB Cache; 95 W TDP): 249 US-Dollar
  • Ryzen 5 3600 (6 Kerne/12 Threads @ 3,6-4,2 GHz; 35 MiB Cache; 65 W TDP): 199 US-Dollar

In die 3000er-Serie haben sich auch zwei neue APUs verirrt, die allerdings noch auf Zen+ basieren und mit Strukturgrößen von 12 nm gefertigt werden. Statt DDR4-3200 wird hier nur DDR4-2933 geboten und der Cache fällt mit 6 MiB (4 MiB L3 plus 512 KiB je Kern) im Vergleich sehr mager aus:

  • Ryzen 5 3400G (4 Kerne/8 Threads @ 3,7-4,2 GHz; 6 MiB Cache; Vega 11 iGPU; 65 W TDP): 149 US-Dollar
  • Ryzen 3 3200G (4 Kerne/4 Threads @ 3,6-4,0 GHz; 6 MiB Cache; Vega 8 iGPU; 65 W TDP): 99 US-Dollar

Athlon 3000G: Übertakten für 49 US-Dollar
Für das Einstiegssegment hatte AMD bisher die 2-Kern-APUs (4 Threads) Athlon 240GE, 220GE und 200GE im Angebot, welche noch auf der ersten Zen-Inkarnation mit 14 nm Strukturen basieren. Die Top-Variante Athlon 240GE brachte es dabei auf 3,5 GHz (kein Turbo), 1 MiB L2- sowie 4 MiB L3-Cache. Dazu gab es acht PCIe-3.0-Lanes, Vega-3-Grafik mit maximal 1.000 MHz sowie zwei Kanäle für DDR4-2667. Diese Modelle löst nun der Athlon 3000G ab, der zum Preis des Athlon 200GE die Leistungsdaten des Athlon 240GE aufweist. Es bleibt also bei einer TDP von 35 Watt, zwei Kernen der ersten Zen-Generation und der Limitierung auf acht PCIe-Lanes, doch diesmal ist der Multiplikator entsperrt, so dass man etwas zusätzliche Leistung aus den beiden Kernen herauskitzeln kann. Bisher ist der Athlon 3000G noch bei keinem deutschen Händler vorrätig, Vorbesteller zahlen etwas mehr als 50 Euro.

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