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AMDs Radeon RX 5500 XT ist ab sofort im Handel verfügbar

Meldung von doelf, Freitag der 13.12.2019, 14:48:28 Uhr

Schon Anfang Oktober 2019 hatte AMD seine Navi-Baureihe nach unten erweitert und die Radeon RX 5500 offiziell vorgestellt. Seit November gibt es von HP erste OEM-Systeme mit entsprechenden Grafiklösungen, doch auf Grafikkarten für den Endkundenmarkt musste man bis gestern warten. Nun sind die ersten Modelle lieferbar und bieten AMDs aktuelle RDNA-Architektur, 7 nm Fertigung sowie schnellen GDDR6-Speicher zu Preisen ab 179,90 Euro.

Wenn man es genau nimmt, geht das Warten auf die Radeon RX 5500 dennoch weiter, denn was man nun im Laden kaufen kann, ist eine Variante namens Radeon RX 5500 XT. Auf diesen Karten findet sich der von TSMC gefertigte 7-nm-Chip Navi 14 XTX, welcher von der Herstellern mit 4 oder 8 GiB GDDR6-Speicher kombiniert wird. Während man die 4-GiB-Modelle zu Preisen ab rund 180 Euro findet, muss man für 8 GiB mindestens 210 Euro zahlen. Wie schon bei den Polaris-Modellen RX 570 bis 590 stellt sich die Frage, ob 8 GiB Grafikspeicher wirklich benötigt werden, wenn an der Mehrzahl dieser Grafikkarten eh nur ein Full-HD-Bildschirm hängt. Tatsächlich würden wir zu 8 GiB raten, da erste Tests einen klaren Leistungsvorteil für die 8-GiB-Variante zeigen. Auf den folgenden Fotos ist übrigens die MSI Radeon RX 5500 XT Mech 8G OC zu sehen, da es von AMD diesmal kein Referenzdesign gibt.

MSI Radeon RX 5500 XT Mech 8G OC

Ein XT ohne großen Mehrwert...
Wenn wir es noch genauer nehmen, ist AMDs Radeon RX 5500 XT eine Mogelpackung, denn bisher stellten die XT-Varianten immer den Vollausbau eines Chips dar. Doch obwohl der zugrundeliegende Chip über 24 Compute-Einheiten verfügen müsste, bietet die Radeon RX 5500 XT genau wie die Varianten Radeon RX 5500 und RX 5500M lediglich 22 Compute-Einheiten. Auch hinsichtlich der 32 ROPs und 1.408 Stream-Prozessoren sind die drei Versionen völlig baugleich. Selbst die Boost-Frequenz von 1.845 MHz und die daraus resultierenden Leistungsdaten (Pixel-Füllrate: bis zu 59 GP/s; Textur-Füllrate: bis zu 162,36 GT/s; Rechenleistung mit einfacher Genauigkeit: 5,2 TFLOPs) sind identisch. Tatsächlich gibt es beim Chip nur einen Unterschied: Während AMD für die Radeon RX 5500 eine typische Taktrate von 1.670 MHz beim Spielen nennt, sollen es bei der RX 5500 XT 1.717 MHz sein - ein Mehrtakt von gerade einmal 47 MHz.

...abgesehen von Speicherausbau und der TDP
Dann hat AMD doch vermutlich etwas an der Speicheranbindung verändert? Nein, Fehlanzeige: Der GDDR6-Speicher ist jeweils mit einer Breite von 128 Bit angebunden, arbeitet mit 14 Gbps und schaufelt bis zu 224 GB/s. Die einzige Einschränkung, welche AMD der Radeon RX 5500 ohne XT auferlegt hat, ist ein maximaler Speicherausbau von 4 GiB, während die XT-Variante 8 GiB haben kann, aber nicht haben muss. Und dann gibt es noch einen Unterschied, der für zusätzliche Verwirrung sorgt: Die auf dem Papier schwächere Radeon RX 5500 darf sich typischerweise 150 Watt genehmigen, während die XT mit 130 Watt, also 20 Watt weniger, auskommt. Dennoch empfiehlt AMD für beide Karten ein 550 Watt starkes Netzteil und schreibt eine Stromeinspeisung über einen 8-Pin-Stecker vor. Letztendlich selektiert AMD die Grafikchips und versieht die besseren Exemplare mit dem Prädikat "XT" - sonst nichts.

MSI Radeon RX 5500 XT Mech 8G OC - Anschlüsse

PCIe 4.0 aber nur acht Lanes und nicht allzu flott
Um die Komplexität und den Strombedarf zu reduzieren, hat AMD die Radeon RX 5500 XT und ihre Schwestermodelle auf acht PCIe-Lanes der vierten Generation beschnitten. Für die gebotene Leistung reicht dies zwar aus, doch wer keine Ryzen-CPU der dritten Generation nutzt, muss sich mit acht PCIe-3.0-Lanes zufrieden geben. Doch selbst wenn PCIe 4.0 zum Einsatz kommt, platziert sich die Radeon RX 5500 XT hinter ihrem Polaris-Vorgänger Radeon RX 590 und NVIDIAs Geforce GTX 1660 (ohne SUPER). Mit 6 GiB Grafikspeicher bekommt man eine Geforce GTX 1660 zu Straßenpreisen ab 200 Euro, für die Radeon RX 590 mit 8 GiB muss man sogar nur 180 Euro auf den Tisch legen. Sicher, die Radeon RX 5500 XT ist moderner und arbeitet effizienter, doch mehr Leistung gibt es schon für weniger Geld.

Fazit
So richtig kann uns AMDs Radeon RX 5500 XT noch nicht überzeugen: Die Geforce GTX 1660 begnügt sich beim Spielen trotz 12-nm-Strukturen mit 120 Watt und ist trotz 2 GiB weniger Grafikspeicher in der älteren GDDR5-Technik schneller. Selbst die Radeon RX 590 bietet im Schnitt mehr Leistung, verballert dafür allerdings auch 225 Watt, was den Preisvorteil angesichts steigender Strompreise schnell relativieren dürfte. Dennoch: Wir hätten uns eine richtig sparsame Karte (ohne zusätzlichen Stromanschluss) im Preisbereich unter 150 Euro gewünscht oder einen echten Herausforderer für die Geforce GTX 1660 SUPER. Stattdessen steht die Radeon RX 5500 XT nun im Niemandsland zwischen "nicht schnell genug" und "nicht günstig genug". Und dies wird sich erst nach dem Abverkauf der Polaris-Bestände ändern.

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