Zum Thema 6 Kerne

Intels Coffee Lake: Ein Frühstart?

reported by doelf, Dienstag der 10.10.2017, 17:22:50 Uhr

Die meisten hatten Intels Coffee-Lake-CPUs erst für Ende 2017 erwartet, doch nun ist der vierte 14-nm-Aufguss nach Broadwell, Skylake und Kaby Lake bereits im Verkauf. Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis sind die neuen 4- und 6-Kerner noch Mangelware. Ein durch AMDs Ryzen provozierter Frühstart?

Doch blicken wir zunächst zurück: Zur Markteinführung des kurzlebigen Lynnfield im September 2009 erließ Intel zwei Gebote:

  • Die schnellste Desktop-CPU soll ein Core i7 mit vier Kernen und acht Threads sein.
  • Die Mittelklasse bedient der Core i5 mit vier Kernen und vier Threads.

Im Januar 2011 folgte dann die Generation Sandy Bridge, welche dem Core i7 und i5 einen Turbo-Modus brachte. Zugleich wurde das Angebot nach unten abrundet und der Core i3 eingeführt. Dieser hat seither zwei Kerne, kann vier Threads parallel berechnen und muss auf einen Turbo verzichten. Da AMD der Core-Architektur nicht viel entgegensetzen konnte, hielt sich diese Aufteilung bis heute. Mehr Rechenkerne gab es nur für die kostspieligen Enthusiasten-Plattformen, welche Ableger der jeweiligen Workstation-Generation waren. Während AMD mit seinem Schicksal haderte, beschränkte sich Intel auf Detailverbesserungen und konstant hohe Preise.

Aus 4/8, 4/4 und 2/4 wird 6/12, 6/6 und 4/4
Doch dann kam Ryzen und AMD zog wieder an Intel vorbei. Ryzens Rechenleistung pro Kern ist in den meisten Anwendungsfällen geringer, doch dafür protzt AMDs Überflieger mit acht Kernen und 16 Threads. Seit Februar 2017 steht Intel unter Zugzwang und hat mit Coffee Lake nun seine Antwort präsentiert: Sechs Kerne und zwölf Threads gepaart mit höheren Taktraten sollen dem Ryzen 7 Paroli bieten, was in den meisten Fällen auch gelingt. Auch dem Core i5 gönnt Intel sechs Kerne, aber nur sechs Threads. Der Core i3 rückt ebenfalls vor und kommt nun auf vier Kerne und vier Threads, muss aber weiterhin auf einen Turbo verzichten. Dabei steht außer Frage, dass es diese Aufrüstung ohne AMD wohl nie gegeben hätte.

Nur ein Chipsatz
Intels Neuausrichtung hat aber auch Nebenwirkungen: Obwohl Coffee Lake sehr eng mit der Skylake-Optimierung namens Kaby Lake verwandt ist und den gleichen Sockel verwendet, benötigen die neuen CPUs auch neue Motherboards. Auf diesen sitzt der Chipsatz Z370, der eigentlich ein Z270 ist und ebenfalls nichts Neues zu bieten hat. Dummerweise gibt es derzeit keine preiswerteren Alternativen zum Z370, so dass man selbst den kleinsten Core i3 sowie nicht übertaktbare CPUs (ohne "K") in vergleichsweise teure Hauptplatinen packen muss. Während man normale Mainboards für den Sockel 1151 schon für unter 45 Euro bekommt, muss man für die Z370-Platinen mindestens 110 Euro auf den Tisch legen.

Nicht lieferbar
Doch zumindest kann man die neuen Hauptplatinen schon kaufen, was man von den Coffee-Lake-CPUs nicht behaupten kann. Weder der Core i7-8700K noch der Core i7-8700, der Core i5-8600K oder der Core i5-8400 sind derzeit lieferbar. Lediglich die vierkernigen Einstiegsmodelle Core i3-8350K und Core i3-8100 sind hier und da zu finden, doch vier Kerne mit vier Threads sind ein alter Hut und die Z370-Plattform ist für diese Prozessoren zu teuer. Man kann sich kaum des Eindrucks erwehren, dass Intel in erster Linie mit positiven Testberichten glänzen wollte. Offenbar will man Kunden nicht an AMD verlieren, indem man die neuen 6-Kern-Modelle in Aussicht stellt, ohne diese in ausreichender Stückzahl liefern zu können.

Keine Neuerungen
Im Vergleich zu Skylake hatte schon Kaby Lake kaum Neuerungen zu bieten, doch dies wird von Coffee Lake sogar noch unterboten: Ja, Intel gönnt uns mehr Kerne und damit auch einen größeren L3-Cache. Ja, die Taktraten wurden (Turbo: +100 bis +400 MHz; iGPU: +50 MHz; RAM: +266 MHz/DDR) weiter angehoben. Doch das war es dann auch schon: Coffee Lake ist Skylake Refresh 2. Dies soll die Leistungssteigerung, die zwei zusätzliche Kerne bringen, nicht schmälern, doch Intels CPU-Entwicklung ist zweifelsohne ins Stocken geraten. Prozessoren, die nicht lieferbar sind, rechnen indes gar nicht bzw. nur auf dem Papier und das strapaziert die Geduld der interessierten Käuferschaft.

Die Coffee-Lake-Familie

  • Intel Core i7-8700K (Listenpreis: 359 US-Dollar; Straßenpreis: 400 Euro)
    6 Kerne/12 Threads @ 3,7-4,3/4,7 GHz; 12 MiB L3; 95 W; Dual-Channel DDR4-2666
  • Intel Core i7-8700 (Listenpreis: 303 US-Dollar; Straßenpreis: 335 Euro)
    6 Kerne/12 Threads @ 3,2-4,3/4,6 GHz; 12 MiB L3; 65 W; Dual-Channel DDR4-2666
  • Intel Core i5-8600K (Listenpreis: 257 US-Dollar; Straßenpreis: 280 Euro)
    6 Kerne/6 Threads @ 3,6-4,1/4,3 GHz; 9 MiB L3; 95 W; Dual-Channel DDR4-2666
  • Intel Core i5-8400 (Listenpreis: 182 US-Dollar; Straßenpreis: 195 Euro)
    6 Kerne/6 Threads @ 2,8-3,8/4,0 GHz; 9 MiB L3; 65 W; Dual-Channel DDR4-2666
  • Intel Core i3-8350K (Listenpreis: 168 US-Dollar; Straßenpreis: 190 Euro)
    6 Kerne/6 Threads @ 4,0 GHz; 8 MiB L3; 91 W; Dual-Channel DDR4-2666
  • Intel Core i3-8100 (Listenpreis: 117 US-Dollar; Straßenpreis: 125 Euro)
    6 Kerne/6 Threads @ 3,6 GHz; 6 MiB L3; 65 W; Dual-Channel DDR4-2666

Alle Modelle umfassen Intels Grafiklösung UHD Graphics 630 (GT2), welche je nach CPU mit 1,05 bis 1,20 GHz taktet. Der Listenpreis des Core i7-8700K liegt um 20 US-Dollar über dem des Core i7-7700K und der Core i5-8600K ist im Vergleich zum Core i5-7600K um 15 US-Dollar teurer. Im Gegensatz hierzu übernimmt der Core i7-8700 den Preis des Core i7-7700 und bei den Paarungen Core i5-8400/i5-7400, i3-8350K/i3-7350K und i3-8100/i3-7100 verfährt Intel ebenso. Aufgrund der zusätzlichen Kerne ist somit ein deutlicher Mehrwert im Vergleich zum Kaby Lake gegeben, dennoch lohnt ein Preisvergleich:

  • Core i7-8700K: 400 Euro - Core i7-7700K: 312 Euro
  • Core i7-8700: 335 Euro - Core i7-7700: 280 Euro
  • Core i5-8600K: 280 Euro - Core i5-7600K: 215 Euro
  • Core i5-8400: 195 Euro - Core i5-7400: 160 Euro
  • Core i3-8350K: 190 Euro - Core i3-7350K: 147 Euro
  • Core i3-8100: 125 Euro - Core i3-7100: 102 Euro

Aufschläge von bis zu 30 Prozent relativieren den Leistungsgewinn durch die zusätzlichen Kerne. Wer sich für Coffee Lake interessiert, sollte auf jeden Fall noch ein paar Wochen abwarten: Erst wenn Intel seine Lieferprobleme in den Griff bekommt, werden sich Straßen- und Listenpreise annähern. Allerdings wird eine breite Verfügbarkeit von Coffee Lake auch den Druck auf die Kaby-Lake-Modelle nochmals erhöhen, so dass sich hier durchaus das eine oder andere Schnäppchen ergeben könnte.

Diese Werbefläche wurde deaktiviert. Damit geht Au-Ja.de eine wichtige Einnahmequelle verloren.

Werbung erlauben ]