Kostenfalle: Datenroaming auch auf Schiffen innerhalb der EU immer ausschalten!
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Kostenfalle: Datenroaming auch auf Schiffen innerhalb der EU immer ausschalten!

Meldung von doelf, Samstag der 03.08.2019, 14:05:39 Uhr

Es ist Sommer, es ist Urlaubszeit. Und dank des EU-weiten Roamings gibt es auch keine bösen Überraschungen mehr - oder sagen wir besser, kaum noch böse Überraschungen. Denn sobald man den festen Boden unter seinen Füßen verlässt, ist man einem modernen Freibeutertum ausgeliefert: Den unverschämt hohen Mobilfunkgebühren auf Schiffen, die bei Datennutzung in Windeseile die Ticketpreise in den Schatten stellen können!

Denn auf Kreuzfahrschiffen und auch Fähren gelten keine EU-weiten Roaming-Regelungen, sondern maritime Sondertarife, welche zu exorbitanten Telefonrechnungen führen können. Was genau auf dem Schiff für Telefonate, SMS oder das mobile Internet berechnet wird, lässt sich dabei gar nicht so einfach ermitteln, denn die Preise unterscheiden sich je nach Schiffsnetz, Mobilfunkanbieter und Vertrag. Was hingegen keine Rolle spielt, ist die geografische Position des Schiffes. Egal ob auf dem Ärmelkanal oder dem Mittelmeer, man befindet sich nicht mehr in den sicheren Häfen der EU! Selbst eine Kostenobergrenze, die den Mobilfunkkunden vor überzogenen Kosten schützen soll, greift auf Schiffen in der Regel nicht.

O2 hält eine vorbildliche Kostenübersicht in Form einer PDF-Datei bereit, welche monatlich aktualisiert wird. Sie nennt sich Fähren und Schiffe, Satellitennetze und Inflight weltweit und deckt die wichtigsten Betreiber wie Telenor Maritime, Costa Cruises oder Ocean Cell ab. Für abgehende Anrufe bewegt sich der Minutenpreis nach Deutschland zwischen 1,34 und 4,46 Euro, bei Costa Cruises und OnMarine kommt zusätzlich noch eine Verbindungsgebühr in Höhe von 0,74 Euro obendrauf. Je verschickter SMS werden 0,99 Euro berechnet, der Empfang ist kostenlos. Dafür berechnen alle Anbieter exorbitante 2,50 Euro für 100 KB mobiler Daten! Einmal WhatsApp (34,6 MB) aus Googles Play Store herunterladen und die Telefonrechnung steigt um rund 865 Euro! Auf dem Schiff angerufen zu werden ist ebenfalls ein teurer Spaß: Der teuerste Anbieter Costa Cruises verlangt pro Minute 5,16 Euro und der günstigste Telenor Maritime immer noch 1,59 Euro.

Vodafone verweist recht kryptisch auf die "Maritime Services" im Dokument InfoDok 443 Vodafone World und World Data für Vertragskunden (PDF). Ausgehende Anrufe kosten Privatkunden demnach 5,48 oder 6,09 Euro pro Minute, während Geschäftskunden mit Rahmenvertrag 4,61 oder 5,12 Euro zahlen. Für eingehende Anrufe werden bei Privatverträgen 1,82 Euro in Rechnung gestellt, mit Rahmenvertrag sind es noch 1,54 Euro pro Minute. Dagegen sind SMS zu 0,55 bzw. 0,46 Euro schon fast ein Schnäppchen, eingehende SMS sind wie bei O2 kostenlos. Für Datenroaming gelten bei martimer Nutzung die Preise für die mit Abstand teuerste Zone 4: 1,18 Euro je 50 KB ohne sowie 0,99 Euro je 50 KB mit Rahmenvertrag. Damit kostet ein simpler Download von WhatsApp für Android rund 817 Euro. Bekommt Android unterwegs ein Update, hätte man sich gleich eine mittlere Yacht für die Überfahrt mieten können.

Die entsprechende Übersicht der Telekom nennt sich Preisliste Mobilfunknutzung im Ausland (Privatkunden), ausschlaggebend ist der Absatz 6 "Mobilfunknutzung auf Schiffen und in Flugzeugen". Für abgehende Gespräche kommen demnach 3,99 Euro pro Minute auf den Kunden zu, während eingehende Gespräche mit 1,99 Euro je Minute berechnet werden. Der Versand einer SMS kostet 0,99 Euro, der Empfang ist auch hier kostenfrei. Für Magenschmerzen sorgt dann wieder die mobile Datennutzung: 0,99 Euro für 50 KB ist zwar weniger als bei O2 oder Vodafone, doch der Download von WhatsApp aus Googles Play Store summiert sich auch hier auf unverschämte 685 Euro. Für Geschäftskunden sind die Kosten durch die Bank etwas niedriger, doch das aktuellste Dokument, das die Telekom zu bieten hat, wurde zuletzt im August 2015 aktualisiert und befindet sich möglicherweise nicht mehr auf dem aktuellen Stand.

Urlaubern, die auf eine Kreuzfahrt gehen oder mit einer Fähre übersetzen, bleibt somit nichts anderes übrig, als das Datenroaming auszuschalten. Ansonsten kostet eine aktualisierte App schnell mehr als ein nagelneues iPhone und für die neue Android-Version könnte man sich zu Hause gleich ein neues Auto kaufen. Telefonieren und SMS verlegt man lieber auf den nächsten Hafen, denn auch hier drohen hohe Kosten, die allerdings nicht ganz so ruinös ausfallen wie die mobile Datennutzung.

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