AM4-Aktion

ZTE: Eine Lektion in Globalisierung

reported by doelf, Montag der 14.05.2018, 14:02:14 Uhr

Der chinesische Telekommunikationsausrüster und Smartphone-Hersteller ZTE hatte aufgrund von Lieferungen in den Iran und nach Nordkorea den Zorn der USA auf sich gezogen. Über das Handelsministerium ließ Donald Trump Mitte April 2018 einen siebenjährigen Lieferbann gegen ZTE verhängen, der das Unternehmen weitgehend lahmgelegt hat. Schwer getroffen wurden allerdings auch viele Zulieferer aus den USA.

MediaTek springt für Qualcomm ein
Am 9. Mai 2018 ließ ZTE seine Kunden und Anleger wissen, dass man das operative Geschäft weitgehend eingestellt hat. Ohne Chips von Qualcomm und Intel steht ZTE mit dem Rücken zur Wand, zumal auch Qualcomms wichtigster Mitbewerber Broadcom seinen Firmensitz in die USA verlagern will. Einen Lichtblick gab es letzte Woche aus Taiwan: Die dortigen Behörden hatten MediaTek Inc., einem weiteren Hersteller von ARM-Prozessoren, grünes Licht für zusätzliche Lieferungen an ZTE gegeben. Dass es MediaTek gelingen könnte, die Liefermengen von Qualcomm aufzufangen, darf allerdings bezweifelt werden.

Viele US-Zulieferer unter Druck
Aber auch abseits der Prozessoren und Chipsätze kaufen chinesische Firmen wie ZTE viele Komponenten im Ausland zu. Acacia Communications mit Sitz in Maynard, Massachusetts lieferte seine Lösungen zur optischen Datenübertragung an ZTE und generierte 30 Prozent seines Umsatzes über das chinesische Unternehmen. Die Aktie der Firma stürzte von rund 40 auf 25 US-Dollar ab, konnte in den vergangenen Tagen aber wieder auf 30 US-Dollar klettern. Auch Oclaro Inc. aus San Jose, Kalifornien ist auf optische Komponenten spezialisiert und generierte zuletzt rund 18 Prozent seines Umsatzes über ZTE. Oclaros Kurs rutsche von 10 auf unter 8 US-Dollar und liegt aktuell bei rund 8,50 US-Dollar. Xilinx Inc., ein Hersteller für programmierbare logische Schaltungen (PLD), kommt ebenfalls aus San Jose. Als Zulieferer von ZTE rutsche der Börsenkurs der Firma von knapp 70 auf unter 64 US-Dollar ab, notiert inzwischen aber wieder mit 69,20 US-Dollar.

Selbst Qualcomms Aktie war zwischenzeitlich unter Druck geraten und von 55 auf unter 50 US-Dollar abgerutscht. Weitere ZTE-Zulieferer sind Corning Inc. (Gorilla Glass, Sitz in Corning, New York), GSI Technology Inc. (Speicherchips, Sitz in Sunnyvale, Kalifornien), NeoPhotonics Corp. (optische Datenübertragung, Sitz in San Jose, Kalifornien) und Skyworks Solutions Inc. (Halbleiter, Sitz in Woburn, Massachusetts). Und natürlich arbeitet ZTE auch mit Branchengrößen wie Amazon.com Inc., Cisco Systems Inc. und Microsoft Corp. zusammen. Experten schätzen, dass ZTE im Jahr 2017 alleine in den USA Halbleiterprodukte für rund 1,5 Milliarden US-Dollar zugekauft hatte. Damit ist ZTE zwar nicht groß genug, um Hersteller von Schlüsseltechnologien ins Wanken zu bringen, doch einzelne Zulieferer trifft der Lieferbann dennoch hart.

ZTE hält viele Patente
Doch auch wenn ZTE kein Riese ist, mit einem Jahresumsatz von 108,815 Milliarden Yuan (ca. 14,382 Milliarden Euro) handelt es sich bei der Firma keinesfalls um einen Zwerg. Zudem hält ZTE zahlreiche Patente und gehört weltweit zu den aktivsten Firmen, was neue Patentanträge betrifft. Alleine im Jahr 2017 hatte ZTE 2.965 Anträge gestellt und damit weltweit den zweiten Rang belegt. Mit 4.024 Anträgen kam der chinesische Mitbewerber Huawei auf den ersten Platz, während 2.637 Anträge von Intel nur für Position drei reichten. Wer es zynisch betrachten möchte, sieht in Handelssanktionen, die einzelne Firmen in die Pleite treiben, eine probate Umsetzung für Trumps "America First"-Politik.

Trump sorgt sich um chinesische Arbeitsplätze
Bei ZTE stehen ca. 80.000 Arbeitsplätze auf der Kippe. Es ist daher verständlich, dass der siebenjährige Handelsbann von ZTE als ungerecht betrachtet wird. Das Unternehmen hatte angekündigt, mit den USA verhandeln zu wollen, bekam bisher aber nur die kalte Schulter zu sehen. Doch dann gab es gestern eine fausdicke Überraschung über Twitter - Donald Trump will chinesische Arbeitsplätze retten:

"President Xi of China, and I, are working together to give massive Chinese phone company, ZTE, a way to get back into business, fast. Too many jobs in China lost. Commerce Department has been instructed to get it done!"

Übersetzung: "Präsident Xi von China und ich arbeiten zusammen, um großer chinesischer Telefonfirma ZTE einen Weg zurück ins Geschäfts zu geben, schnell. Zu viele Jobs in China verloren. Handelsministerium wurde angewiesen das hinzukriegen!"

Man reibt sich verwundert die Augen und kann es trotzdem nicht fassen. Betrachtet Trump die Fast-Pleite von ZTE als eine Art Tritt vor's Schienenbein, aus dem Xi nun eine Lehre gezogen hat? Hatte er den Handelsbann in Wahrheit als Aprilscherz geplant und war nun überrascht, dass ihn das Handelsministerium tatsächlich umgesetzt hatte? Oder hat Trump eine unbequeme Wahrheit über die Globalisierung gelernt und will in Wahrheit US-amerikanische Arbeitsplätze retten? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass die Technologieunternehmen dieser globalisierten Welt aufgrund ihrer weltweit vernetzten Lieferketten und der damit verbundenen Abhängigkeiten sehr angreifbar geworden sind.

Diese Werbefläche wurde deaktiviert. Damit geht Au-Ja.de eine wichtige Einnahmequelle verloren.

Werbung erlauben ]