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Bestätigt: Microsoft hängt sich mit Edge an Chromium

Meldung von doelf, Samstag der 08.12.2018, 22:42:04 Uhr

Die quelloffene Software Chromium ist nicht nur der Kern von Googles Webbrowser Chrome, sondern dient auch als Unterbau für Opera und Vivaldi. Die drei großen Alternativen waren bisher Microsofts Edge, Mozillas Firefox (Quantum) und Apples Safari (WebKit). Doch in Redmond setzt man in letzter Zeit verstärkt auf Open Source und so wird nun auch Edge von Chromium assimiliert.

Über Chromium
Chromiums wichtigste Bausteine sind die Rendering-Engine Blink und die JavaScript-Engine V8, sie sorgen für eine schnelle und kompatible Verarbeitung von Webseiten. Funktioniert ein Projekt sauber mit Google Chrome, wird es in der Regel auch von Opera und Vivaldi fehlerfrei dargestellt. Für Edge, Firefox und Safari sind zusätzliche Tests erforderlich, denn diese Browser verwenden eigene Rendering- und JavaScript-Lösungen. Doch während man früher für jede zweite Version des Internet Explorers eine eigene Variante seiner Webseite vorhalten musste, sind Kompatibilitätsprobleme dank allgemeiner Standards wie HTML5 und CSS3 zur Ausnahme geworden.

Edge: Ein guter Ansatz...
Dies verdanken wir auch Edge, dem Browser von Windows 10. Für die Veröffentlichung von Windows 10 hatte Microsoft seinen Internet Explorer beerdigt und mit Edge noch einmal ganz neu angefangen. Während die Redmonder beim Internet Explorer lange Zeit versucht hatten, dem Web ihre eigenen Vorstellungen aufzuzwingen, sollte Edge vor allem schnell und kompatibel sein. Schließlich hatte man sich mit dem lahmen und bei Webentwicklern verhassten Internet Explorer in eine Sackgasse manövriert und die Nutzer zunächst dem Firefox und später Chrome in die Arme getrieben. Mit Hilfe von Edge wollte Microsoft Nutzer zurückgewinnen und zugleich seine Betriebssysteme härten.

...trifft strategische Fehler
Auch finanziell hatte man sich einiges versprochen, denn wer den Webbrowser kontrolliert, diktiert auch die standardmäßig hinterlegte Suchmaschine. Edge sollte Microsofts Bing weitere Marktanteile bescheren und so Werbegelder in die Kasse spielen, doch Microsoft hat zwei entscheidende Fehler gemacht: Zugegeben, Edge ist schnell, kompatibel und stabil, doch zur Markteinführung von Windows 10 war der Browser noch gar nicht fertig und erhielt viele Funktionen erst nach Monaten. Insbesondere Erweiterungen kamen viel zu spät, was Nutzer und Entwickler gleichermaßen abgeschreckt hat. Der zweite Fehler bestand darin, Edge auf Windows 10 zu beschränken.

Microsoft hatte den Internet Explorer verschrottet, ohne den Nutzern von Windows 7 oder 8.1 eine Alternative zu bieten - mit Ausnahme des Upgrades auf Windows 10, das oftmals aufgrund inkompatibler Soft- oder Hardware nicht in Frage kam. Diese Kunden wurden damit kampflos Google und Mozilla überlassen und Kunden, die man einmal vergrault hat, lassen sich nur schwer zurückgewinnen. Zumal es für Chromium-basierte Browser und den Firefox unzählige Erweiterungen gibt, während die Situation bei Edge bis heute genauso trostlos ist, wie das App-Angebot für Windows Phone und Mobile. Und so setzt Microsoft nun auch bei seinem Webbrowser auf die etablierte Konkurrenz.

Badge-Engineering unter dem Namen Edge
Der Name "Edge" bleibt uns erhalten, doch alles unter der Haube bzw. der Benutzeroberfläche wird ausgetauscht. Mit der Integration von Chromium übernimmt Microsoft aber nicht nur die Arbeit fremder Entwickler, sondern will sich auch selber einbringen. Der Tenor lautet: Gemeinsam können wir bessere Browser erschaffen und die Fragmentierung im Browser-Markt reduzieren. Doch ein solcher Einheits-Browser mit ein wenig Badge-Engineering bringt nicht nur Vorteile: Grundlegende Sicherheitslücken betreffen immer mehr Plattformen, Geräte und Nutzer, während der Wettbewerb um die besten Konzepte praktisch zum Erliegen kommt. Willkommen in der Software-Planwirtschaft!

Auf der anderen Seite gibt es nun keinen Grund mehr, Edge auf Windows 10 zu beschränken, schließlich läuft Chromium unter allen Windows-Versionen, macOS sowie Linux. Microsoft will Edge auch den Nutzern von Windows 7 und 8.1 zugänglich machen und man denkt auch über macOS nach. Das Thema Linux ist für Redmond noch nicht interessant, dazu schweigt man lieber - zu wenig Marktanteile und nachher kommt noch jemand auf die Idee, den Linux-Kernel als Unterbau für Windows vorzuschlagen. Die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Kernel-Versionen zu wechseln, eine systematische Verwaltung von Abhängigkeiten oder eine zentrale Software-Aktualisierung will doch eh keiner haben ;-)

Für interessierte Entwickler soll es Anfang 2019 eine erste Vorschauversion des Chromium-Edge geben. Wann der Browser bei den Nutzern eintreffen wird, lässt Microsoft offen. Diese sollen davon eh nicht viel mitbekommen: Windows 10 lädt irgendwann irgendwelche Updates, startet neu (oder auch nicht) und dann hat Edge auf einmal einen ganz anderen Unterbau. Eventuell sollte man zumindest die Nutzer von Windows 7 und 8.1 darüber informieren, dass nun eine "Microsoft-eigene"-Alternative zum ausgemusterten Internet Explorer verfügbar ist - sonst wird das wieder nichts mit den Marktanteilen!

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