Gesichtserkennungs-Epedemie in Großbritannien
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Gesichtserkennungs-Epedemie in Großbritannien

Meldung von doelf, Dienstag der 20.08.2019, 14:43:00 Uhr

Im Vereinigten Königreich gibt es Unmengen von Überwachungskameras, die sich mehrheitlich in privater Hand befinden. Und wie Untersuchungen der Datenschutzaktivisten von "Big Brother Watch" (BBW) ergeben haben, werden diese immer häufiger mit Gesichtserkennungs-Software gekoppelt. Egal ob man an einer Konferenz teilnimmt, zum Einkaufen oder ins Museum geht, man wird mit Sicherheit gefilmt und wahrscheinlich auch identifiziert.

Laut BBW nutzen bekannte Einkaufszentren, Konferenzzentren, Museen und Casinos Überwachungssysteme mit automatischer Gesichtserkennung. Auch die viele Bauträger filmen ihre Grundstücke und Baustellen und versuchen dabei, die darauf befindlichen Personen zu identifizieren. Alleine in Sheffields Meadowhall, dem größten Einkaufszentrum Nordenglands, wurden im vergangenen Jahr nach Schätzungen der Aktivisten mehr als zwei Millionen Besucher erkennungstechnisch verarbeitet. Dabei handelte es sich offenbar um einen Versuchslauf in Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden. Meadowhall gehört British Land, das auch Einrichtungen in Paddington, Broadgate, Canada Water und Ealing Broadway betreibt. Für jeden dieser Standorte nimmt sich British Land das Recht heraus, jeden Besucher zu filmen und biometrisch zu identifizieren. Nach Angaben des Unternehmens wurde dies bisher aber nur in Sheffield praktiziert.

Auch in Kings Cross in London werden private Sicherheitskameras mit Gesichtserkennungsprogrammen kombiniert, für Canary Wharf ist ein ähnliches Konzept angedacht. Nachdem die Financial Times hierüber berichtet hatte, meldete Sadiq Khan, der Bürgermeister von London, bei den privaten Betreibern seine Bedenken an. Auch die Datenschutzbeauftragte Elizabeth Denham ermittelt bereits. Ebenfalls im Jahr 2018 wurden bis zu 15 Millionen Personen im Trafford Centre von Manchester per Echtzeit-Gesichtserkennung verarbeitet. Der für Überwachungskameras zuständige Kommissar hat diese Praxis inzwischen untersagt. Geradezu ironisch mutet derweil an, dass das World Museum in Liverpool seine Kameras für eine Ausstellung über die Terrakotta-Krieger des ersten chinesischen Kaisers mit einer Gesichtserkennungs-Software ausgestattet hatte. Diese Ausstellung wurde im Jahr 2018 auch von zahlreichen Schulklassen besucht.

Im Konferenzzentrum "Millennium Point" in Birmingham wird der Einsatz von Gesichtserkennung mit einem "Ersuchen der Strafverfolgungsbehörden" begründet, zumindest steht dies so in den Datenschutzhinweisen des Betreibers. Eventuell sollten die Veranstalter von HackTheMidlands lieber einen alternativen Veranstaltungsort suchen. Auch Ladbrokes Coral, ein Betreiber von Wettbüros und Glücksspielen, und das Hippodrome Casino in London setzen auf Gesichtserkennungstechnologie. Auch diese Firmen verweisen auf Empfehlungen oder Anfragen der Strafverfolgungsbehörden, mit denen die Aufnahmen offenbar auch geteilt werden. Dies führt zu einer immer stärker verwischenden Grenze zwischen privater und staatlicher Überwachung, deren Ausmaß schon fast an China erinnert. Dass das Vereinigte Königreich damit gegen die Charta der Grundrechte der Europäischen Union verstößt, dürfte ab November bedeutungslos sein.

Für staatlich betriebene Sicherheitskameras hatte das britische Innenministerium im Jahr 2013 einen Verhaltenskodex veröffentlicht (zuletzt aktualisiert am 28 Oktober 2014), welcher den Betreibern beim Abwägen von Sicherheit und Privatsphäre helfen soll. In erster Linie fordert dieser, die Bürger über die am jeweiligen Ort eingesetzten Überwachungsmaßnahmen zu informieren, beispielsweise über Hinweisschilder. Nutzt der Bürger das Angebot dennoch, wird dies als Zustimmung betrachtet. Beim Einsatz von Gesichtserkennung und anderer biometrischer Verfahren sei auf die Verhältnismäßigkeit unter Berücksichtigung des jeweiligen Zwecks zu achten, zudem wird eine ausreichende Validierung erwartet. Sofern externe Biometriedatenbanken zum Einsatz kommen, müsse deren Aktualität und generelle Eignung geprüft werden. Privaten Betreibern lässt die britische Regierung hingegen weitgehend freie Hand, was diese Datenquelle überaus attraktiv macht.

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