Böhmermann feuert BSI-Chef Schönbohm

Meldung von doelf, Dienstag der 18.10.2022, 17:01:07 Uhr

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Wie Spiegel Online berichtet, hat Jan Böhmermann bzw. dessen Erfüllungsgehilfin, eine gewisse Nancy Faeser (SPD), die seit einigen Monaten als deutsche Bundesministerin des Innern und für Heimat auftritt, den Präsidenten des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Arne Schönbohm mit sofortiger Wirkung freigestellt. Darüber hinaus wurde ein Disziplinarverfahren gegen Schönbohm eingeleitet.

Was Arne Schönbohm dazu befähigte, das BSI zu leiten, ist unklar. Der Sohn des CDU-Politikers Jörg Schönbohm hatte Internationales Management studiert und mit einem Diplom abgeschlossen. Im Juni 2008 hatte er dann seine eigene Beratungsgesellschaft Schönbohm Consulting gegründet. Obwohl Schönbohm kein Experte für die Gebiete Informatik oder IT-Sicherheit ist, wurde er am 1. Februar 2016 vom damaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (ebenfalls CDU) zum Präsidenten des BSI ernannt. Schönbohms Vorgänger waren allesamt Physiker, Mathematiker und Kryptologen gewesen.

Schon vor seiner Tätigkeit für das BSI hatte Schönbohm den Verein Cyber-Sicherheitsrat Deutschland mitbegründet und war bis zu seinem Amtsantritt beim BSI auch dessen Präsident gewesen. Beim Cyber-Sicherheitsrat Deutschland handelt es sich um eine Lobbyorganisation, die nicht nur der Rüstungs- und Überwachungsindustrie nahesteht, sondern auch Verbindungen zu staatlichen Vereinigungen und Organisationen Russlands unterhält, darunter russische Geheimdienste. Dies soll insbesondere auf den aktuellen Vereinspräsidenten Hans-Wilhelm Dünn (auch CDU) zutreffen.

Während Schönbohms Tätigkeit als Lobbyist offenbar kein Hinderungsgrund für die Leitung eines Bundesamts war, entwickelten sich die Russlandverbindungen nun zum Boomerang. Bereits am 6. Juni 2019 hatte das ARD-Magazin Kontraste über die Russlandverbindungen von Dünn und seines Cyber-Sicherheitsrat Deutschland berichtet. So hatte Dünn als einziger Redner aus Deutschland auf einer von der russischen Vereinigung für internationale Informationssicherheit NAIIS veranstalteten Tagung gesprochen sowie an einer von Russland organisierten Wahlbeobachtermission in Simbabwe teilgenommen.

Vermutlich hätte Schönbohm seinen Hals retten können, wenn er sich von Dünn und dem Cyber-Sicherheitsrat Deutschland fern gehalten hätte. Doch obwohl er seinen eigenen Mitarbeitern den Kontakt zum Verein untersagte, war Schönbohm selbst am 9. September 2022 zu dessen zehnjährigem Bestehen als Festredner aufgetreten. Als Gründungspräsident des Vereins wollte er sich das wohl nicht nehmen lassen. Aus Sicht des Satirikers Jan Böhmermann hatte sich Schönbohm endgültig zum Clown gemacht und wurde im ZDF Magazin Royale vom 7. Oktober 2022 vollständig demontiert.

Im Zentrum von Böhmermanns Recherchen stand neben Schönbohm auch die Protelion GmbH aus Berlin, welche zum damaligen Zeitpunkt Mitglied des Cyber-Sicherheitsrat Deutschland war. Die Protelion GmbH präsentiert sich als Cybersicherheitsfirma, welche eine Vision aus Zero-Trust-Prinzipien verfolgt. Da das Unternehmen zum russischen Unternehmen Infotecs gehört, welches für russische Regierungsstellen und Geheimdienste arbeitet, ging auch Böhmermanns Vertrauen in Protelion gegen Null. Der Cyber-Sicherheitsrat Deutschland reagierte drei Tage nach Böhmermanns Sendung und schloss die Protelion GmbH aus. Wie wir nun wissen, war es für Schönbohm da schon zu spät. Es bleibt zu hoffen, dass nun wieder eine Fachperson an die Spitze des BSI rücken wird.

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