Kolumne: Facebook zeigt sein asoziales Gesicht - außer für Katzen

Meldung von doelf, Freitag der 19.02.2021, 16:54:49 Uhr

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Facebooks Geschäftsmodell ist genial: Einfach eine Plattform bereitstellen und zugucken, wie nutzergenerierte Nichtigkeiten die eigene Kasse klingeln lassen. Selten wurde das Prinzip Scheiße in Gold zu verwandeln derart konsequent umgesetzt. Zumindest solange man unliebsame Details wie das Urheberrecht und den Datenschutz heraushalten kann. Und da Facebook eine weltweite Datenkrake ist, haben Nationalstaaten wie Australien einen schweren Stand.

Facebook will wieder mal abschrecken
Dass Facebook derzeit ein Exempel an Australien statuiert, hat zwei Gründe. Zum einen fordert der fünfte Kontinent die US-amerikanischen Internetkonzerne mit seinem neuen Mediengesetz heraus, zum anderen ist Australien mit seinen 25,4 Millionen Einwohnern nicht wichtig genug, um Facebook finanziell weh zu tun. Ähnlich hart war der US-Konzern bereits im Jahr 2015 mit Belgien (11,4 Millionen Einwohner) umgesprungen, als unser Nachbarland einen ausreichenden Datenschutz für Menschen ohne Facebook-Konto gefordert hatte. Damals wurden Belgier ohne Benutzerkonto kurzerhand ausgesperrt.

Das plant Australien
Australiens Mediengesetz-Novelle hat ein anderes Ziel, sie soll Geld von den großen Internetkonzernen ableiten und den australischen Medienunternehmen zuführen. Es handelt sich somit um eine Urheberrechtsabgabe für Presseerzeugnisse, die immer dann fällig wird, wenn jemand Presseinhalte auf Facebook teilt bzw. verbreitet. Australiens Regierung strebt hierbei an, dass sich Internet- und Medienkonzerne eigenständig auf faire Tarife einigen. Sollte es jedoch nicht zu einer Einigung kommen, soll ein Schiedsgericht die Höhe der fälligen Abgaben festlegen.

Sperren ohne Rücksicht auf Verluste...
Im Vorfeld hatte sich auch Google kämpferisch gezeigt, gab dann aber noch vor der Verabschiedung des Gesetzes klein bei. So wird Google alleine dem Medienkonzern Nine Entertainment Co. 30 Millionen Dollar pro Jahr für die Nutzung von dessen Nachrichteninhalten bezahlen. Facebook reagierte anders und sperrte die australischen Medien einfach aus. Mit weitreichenden Konsequenzen:

  • Die Facebook-Auftritte aller großen australischen Zeitungen (The Age, The Australian, The Herald Sun, The Sydney Morning Herald) wurden von Facebook gesperrt.
  • Alle Inhalte der öffentlich-rechtlichen Senderfamilie ABC wurden gesperrt.
  • Facebook-Gruppen, die von australischen Medienunternehmen betrieben werden, präsentieren sich jetzt inhaltslos.
  • Die Facebook-Auftritte des Wetterdienstes Bureau of Meteorology und einiger Gesundheitsbehörden (SA Health, ACT Health, Queensland Health) waren nicht mehr zu erreichen.
  • Die Facebook-Angebote von australischen Rettungsdiensten und Feuerwehren wurden ebenfalls blockiert.
  • Nutzer aus Australien können weder einheimische noch ausländische Medieninhalte teilen.
  • Nutzer aus dem Ausland können keine australischen Medieninhalte teilen.

... aber mit Rücksicht auf Katzen und Spinner
Nicht betroffen waren Beiträge mit Katzenfotos. Nein, das ist kein Witz. Wer einen Beitrag einer australischen Zeitung teilen wollte, musste lediglich ein Katzenfoto anhängen und schon flutschte alles durch die ansonsten gnadenlose Blockade. Australische Portale, die sich auf Fake News spezialisiert haben, werden übrigens nicht behelligt - vermutlich weil man für das Teilen falscher Nachrichten auch nur Falschgeld verlangen kann. Aber Facebook hat ja seit jeher ein großes Herz für Spinner, die viele Klicks generieren. Satirische Publikationen wie Betoota Advocate wurden indes ausgesperrt.

Facebook will hart bleiben
Simon Milner, Vizepräsident für öffentliche Ordnung bei Facebook für den asiatisch-pazifischen Raum, bezeichnete die Sperrung von Rettungsdiensten und Feuerwehren inzwischen als Versehen. Was die übrigen Maßnahmen betrifft, so sieht Milner sein Unternehmen zu solch drastischen Schritten gezwungen. Es läge nun alleine in der Hand der australischen Regierung, das von Facebook ungeliebte Gesetz fallen zu lassen, um wieder zur Normalität zurückkehren zu können. Dummerweise reagieren Australier auf Druck gemeinhin mit Sturköpfigkeit und Zusammenhalt. Und das zeigt sich auch diesmal über Partei- und Medienhausgrenzen hinweg.

Nächster Problemfall: Kanada
Facebooks Strategie könnte sich folglich als Rohrkrepierer entpuppen, zumal weitere westliche Länder an ähnlichen Gesetzen arbeiten. So verurteilte der kanadische Minister für Kulturerbe, Steven Guilbeault, Facebooks Vorgehen aufs Schärfste und wies zugleich darauf hin, dass er ein vergleichbares Gesetz vorbereite und sich davon auch nicht abhalten lassen werde. Hinsichtlich der deutschen Umsetzung der EU-Richtlinie über das Urheberrecht hatte Facebook angemahnt, das in Artikels 15 geforderte Leistungsschutzrecht frei mit den Presseverlagen aushandeln zu wollen.

Die australischen Medien
So weit, so böse präsentiert sich Facebook in diesem Spiel. Doch dummerweise hat auch der Gegenspieler keine weiße Weste. Reporter ohne Grenzen sieht Australien bei der Pressefreiheit nur noch auf Platz 26 und damit fünf Plätze schlechter als im Jahr 2019. Down Under sei der investigative Journalismus in ernster Gefahr, heißt es in der Analyse. Tatsächlich sind Australiens Medien extrem monopolisiert: Sowohl den Zeitungs- als auch den TV-Markt beherrschen NewsCorp (Rupert Murdoch), das 2012 den wichtigsten Mitbewerber Consolidated Media Holdings (Kerry Packer) geschluckt hatte, sowie die Nine Entertainment Co., die sich 2018 mit Fairfax Media zusammengeschlossen hatte.

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