Noch mehr Wanzen: Auch Google lässt mithören
MSI RTX 2070 SUPER GAMING X TRIO

Noch mehr Wanzen: Auch Google lässt mithören

Meldung von doelf, Donnerstag der 11.07.2019, 20:10:33 Uhr

Wer ein smartes Telefon, einen Fernseher oder einen Lautsprecher mit Googles Assistenten verwendet, sollte sich folgenden Satz einprägen: "Okay Google, jetzt halt dir mal die Ohren zu". Dieser bewirkt zwar rein gar nichts, ruft uns Benutzer aber vielleicht in Erinnerung, dass Google immer zuhört. Also Googles Software, Googles Mitarbeiter sowie von Google beauftragte Firmen.

Google lauscht immer
Nicht nur bei Amazon werden die Aufnahmen des smarten Assistenten von realen Menschen ausgewertet, sondern auch beim Branchenprimus Google bzw. in den Büros der von Google beauftragten Subunternehmen. Dies dient nach Angaben des Internetkonzerns natürlich nur der Verbesserung des Sprachverständnisses, von der am Ende alle Nutzer profitieren werden. Wenn Google also bei Beziehungskonflikten, geräuschvollen Begattungsversuchen oder komatösen Besäufnissen zuhört, muss das niemandem peinlich sein. Außer natürlich den Belauschten.

Wie VRT online, das Nachrichtenangebot des öffentlich-rechtlichen flämischen Rundfunks im Internet, berichtet, analysieren Google-Mitarbeiter die aufgezeichneten Spracheingaben systematisch. Über 1.000 Aufnahmen liegen dem Nachrichtenportal vor, die von einem Mitarbeiter eines Subunternehmens, das für Google Aufzeichnungen in niederländischer und flämischer Sprache untersucht, stammen. Darunter finden sich auch etliche Aufzeichnungen, die nicht vom Nutzer mit "Okay Google" autorisiert wurden. Selbst vertrauliche Informationen wurden ausgewertet.

Anonym ist anders
Nach Angaben des Mitarbeiters werden die Aufnahmen zunächst von einer Spracherkennung verarbeitet. Im Anschluss hören sich Menschen die Aufzeichnungen an und gleichen diese mit dem Ergebnis der Software ab. Neben dem Text und Satzzeichen werden dabei auch Störgeräusche wie ein Husten oder Niesen protokolliert. Auch wird festgehalten, ob die Stimme wie ein Kind oder eine ältere Person klingt und ob diese männlich oder weiblich ist. Insbesondere die Tonqualität, welche Googles smarte Lautsprecher liefern, sei sehr klar.

Obwohl Google die Aufnahmen anonymisiert, lassen sich anhand von erwähnten Namen und Adressen häufig die jeweiligen Kunden zuordnen. Die Mitarbeiter sind sogar dazu angehalten, unklare Personen- und Firmennamen sowie Adressen mit Hilfe von Google und Facebook nachzuschlagen, um die genaue Schreibweise zu klären. Dies führt die Anonymisierung ad absurdum, zumal es für die Spracherkennung völlig unerheblich ist, ob sich der Meier nun mit "i" oder "y" schreibt. Es sei denn Google will diese Information nutzen, um Beziehungen nachzuvollziehen.

Sex, Gewalt und Geheimnisse
153 der gut 1.000 Aufnahmen fanden nicht auf Wunsch der Betroffenen statt, denn diese hatten nicht "Okay Google" gesagt. Ohne zu wissen, wie die Aufnahmen ausgewählt wurden, entspräche dies einer Fehlerquote von beachtlichen 15 Prozent. Unter diesen Fehlaufnahmen finden sich Bettgespräche, lautstarke Auseinandersetzungen und Konversationen zwischen Eltern und Kindern, aber auch geschäftliche Telefonate mit vertraulichen Details. Kundennummern und Passwörter betrachtet Google als sensible Informationen, mitgeschnittene Bedrohungslagen und Gewalt aber nicht.

Doch auch bei der regulären Nutzung des Assistenten fallen vertrauliche Informationen an, die nicht an die Ohren Dritter gelangen sollten. So stellen viele Nutzer medizinische Fragen und offenbarten den Protokollanten ihre Krankheiten. Andere suchen wiederum gezielt nach Pornografie und teilen Google damit ihre sexuellen Vorlieben mit. Es handelt sich dabei größtenteils um Männer - verständlich, schließlich erfordert das einhändige Tippen viel Übung. Für Google ist das alles kein Problem, da nach Angaben der Firma nur 0,2 Prozent aller Audioschnipsel derart untersucht werden. Doch das ist nur eine grobe Schätzung, da nicht einmal Google genaue Daten vorliegen.

Diese Werbefläche wurde deaktiviert. Damit geht Au-Ja.de eine wichtige Einnahmequelle verloren.

Werbung erlauben ]