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Fahrzeug schlüssellos + Industrie planlos = Kunde ist sein Auto los

reported by doelf, Freitag der 17.03.2017, 20:15:19 Uhr

Für die Fahrer ist es bequem, da sie ihr Auto nicht mehr Aufschließen müssen und es per Knopfdruck starten können. Für die Industrie ist es profitabel, denn Keyless-Systeme kosten meist hohe Aufpreise, sind oft nur in teuren Ausstattungspaketen erhältlich und verhindern die typischen Schlüsselkratzer bei Leasing-Rückläufern. Und Diebe müssen es einfach lieben, denn leichter kann man die teuren Schlitten einfach nicht klauen. Warum sollte man an dieser Triple-Win-Situation etwas ändern?

Weil sich die Versicherungen quer stellen, wenn ein teures Auto ohne Einbruchsspuren entwendet wird. Und weil die Versicherungsprämien von Jahr zu Jahr steigen. Und zuweilen hängt der Käufer auch an seinem Fahrzeug oder hatte in diesem wertvolle oder gar unersetzliche Dinge liegen. Zudem ist es kein gutes Gefühl, wenn das Auto von der eigenen Einfahrt verschwindet. Und so ein Diebstahl bedeutet immer Lauferei und viel Papierkram. Davon abgesehen geht es ums Prinzip: Man sollte es den Autodieben nicht dermaßen leicht machen. Doch genau das scheint der Plan der Automobilhersteller zu sein, sofern diese überhaupt einen Plan haben.

Vor genau einem Jahr hatte der ADAC einen bekannten Angriff auf aktuelle Fahrzeuge mit Keyless-System angewandt und dabei eine erschreckende Erfolgsquote von 100 Prozent erzielt. Aus den 24 betroffenen Fahrzeugen sind inzwischen 108 geworden und der Angriff funktioniert genauso leicht wie vor zwölf Monaten: Man muss nur wenige Hundert Euro in Funküberträger investieren, welche aus zwei Teilen bestehen. Mit dem ersten Überträger positioniert sich ein Dieb in der Nähe des Fahrzeugs, während ein Komplize dem Halter folgt oder um dessen Haus schleicht. Dann wird eine Funkverbindung mit dem Schlüssel hergestellt und zum Fahrzeug weitergeleitet. Das schlüssellose Schließsystem wähnt den Schlüssel in seiner Nähe und öffnet die Türen. Der Dieb kann nun einsteigen und wegfahren. Solange der Motor läuft, stört sich das Fahrzeug nicht am fehlenden Schlüssel. Die betroffenen Fahrzeuge stammen zumeist aus den Modelljahren 2012 bis 2016. Mit dem Hyundai i30 1.4 T-GDI ist sogar ein Fahrzeug, das erst 2017 in den Handel kam, dabei.

Was sagt das nun über die Automobilhersteller, die unsere mit Internetanschluss, Entertainment-Anlagen und Assistenzsystemen überfrachteten Wagen in Zukunft völlig autonom fahren lassen wollen? Es sagt uns, dass diese Hersteller absolut kein tragfähiges Sicherheitskonzept haben. Die einzelnen Systembausteine werden von Drittfirmen zugekauft und können auch nur von diesen gewartet werden. Mit einem Toyota Yaris TS musste ich die scherzhafte Erfahrung machen, dass sich Softwarefehler in einem Keyless-System nur durch den Ausbau desselben beseitigen lassen. "Da können wir nichts machen, da haben wir keinen Zugriff drauf", erklärte die Werkstatt lapidar, als sich das Fahrzeug mal nicht öffnen, mal nicht starten und mal nicht schließen ließ. Nun, für die Automobilhersteller scheinen das Öffnen, Schließen und Starten eines Fahrzeugs keine wesentlichen Funktionen zu sein, ansonsten würde man dem Thema eine höhere Priorität einräumen.

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