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Börse: Toshiba steigt in die zweite Liga ab

reported by doelf, Freitag der 23.06.2017, 16:36:50 Uhr

Die beiden großen japanischen Börsen Tokyo Stock Exchange (TSE) und Nagoya Stock Exchange (NSE) haben das Wertpapier des Technologiekonzerns Toshiba Corporation in die Zweitklassigkeit verbannt, die Herabstufung wird am 1. August 2017 vollzogen. Darüber hinaus droht dem Unternehmen ein Delisting, also der komplette Rauswurf. Eine eingeräumte Gnadenfrist endet am 31. März 2018.

Viel Ärger mit Börsen und Anlegern

In den vergangenen Monaten war Toshiba mit anhaltenden Bilanzproblemen und überfälligen Quartalsberichten mehrfach unangenehm aufgefallen, doch der konkrete Grund für die Abwertung der Aktie ist die finanzielle Schieflage der Japaner: Am 31. März 2017 rutschte Toshibas Eigenkapital ins Negative, die Verbindlichkeiten waren also höher als die verbliebenen Vermögenswerte. Toshiba beziffert das Eigenkapital der Anteilseigner auf voraussichtlich -581,6 Milliarden Yen (ca. -4,685 Milliarden Euro) mit einem Nettovermögen von -303,9 Milliarden Yen (ca. -2,448 Milliarden Euro). "Voraussichtlich", weil die endgültigen Geschäftszahlen für das Jahr 2016 immer noch nicht vorliegen. Toshiba hatte die Veröffentlichung seiner Geschäftsergebnisse bereits mehrfach verschoben und plant diese nun für den 10. August 2017. Die Herabstufung ließ Toshibas Aktie um 4,44 Prozent auf 308 Yen abstürzen. Dies dürfte den Konflikt mit den Investoren, die bereits Sammelklagen über Schadensersatzforderungen mit einem Gesamtvolumen von 108,4 Milliarden Yen (ca. 873,162 Millionen Euro) eingereicht haben, weiter anfachen.

Käufer für Speichersparte ausgewählt

Um seine Finanznot zu lindern, will Toshiba seine lukrative Speichersparte zu Geld machen. Diese wurde zum 1. April 2017 aus dem Konzern herausgelöst und umfasst neben dem DRAM-Geschäft auch Toshibas Flash- und SSD-Aktivitäten, nicht aber die Bildsensoren. Im Geschäftsjahr 2015 hatte die Speichersparte bei einen Umsatz in Höhe von 845,6 Milliarden Yen (ca. 6,81 Milliarden Euro) einen operativen Gewinn von 110,0 Milliarden Yen (ca. 886,05 Millionen Euro) erzielt. Toshiba selbst präferiert das Gebot eines Zusammenschlusses aus "Innovation Network Corporation of Japan", "Bain Capital Private Equity LP" und der "Development Bank of Japan": Der Verkauf soll am 28. Juni 2017 von den Aktionären abgesegnet werden. Doch zu Toshibas Speichersparte gehören auch drei Joint-Ventures mit Western Digital und die Amerikaner wollen keine fremden Gebote akzeptieren. Daher klagt Western Digital hinsichtlich des Verkaufs auf Unterlassung. Es ist somit fraglich, ob und wann Toshiba seine Speichersparte tatsächlich verkaufen kann.

Toshibas Atom-Probleme
Die Schuld an der ganzen Misere trägt Tohisbas US-Atom-Tochter "Westinghouse Electric Company". Toshiba hatte Westinghouse im Februar 2006 für 5,4 Milliarden US-Dollar von "British Nuclear Fuels" (BNFL) gekauft und dabei auf gute Geschäfte mit neu entwickelten Reaktoren gesetzt. Doch Westinghouse ist es nicht gelungen, die Probleme der 2008 begonnenen Bauprojekte Vogtle 3 und 4 im US-Bundesstaat Georgia und V.C. Summer 2 und 3 im US-Bundesstaat South Carolina in den Griff zu bekommen. In beiden Fällen sollen zwei Druckwasserreaktoren des Typs Westinghouse AP1000 mit einer Leistung von je 1,117 MWe in Betrieb genommen werden. Ende 2016 schluckte Westinghouse dann die zuständigen Bauunternehmen, deren finanzielle Substanz so gering war, dass Westignhouse im Anschluss selbst Gläubigerschutz beantragen musste. Toshiba machte daraufhin Abschreibungen in Höhe von 716,6 Milliarden Yen auf Westinghouse geltend. Auch der Bau von drei AP1000-Reaktoren im britischen Moorside (West Cumbria) scheint geplatzt zu sein, denn aufgrund der Geldprobleme bei Westinghouse ist der dortige Projektpartner ENGIE S.A. ausgestiegen.

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