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Kolumne: Hallo, ich Microsoft

Meldung von doelf, Montag der 10.12.2018, 13:33:30 Uhr

Montagmorgen, 10 Uhr und ein paar zerquetschte Minuten. Das Telefon klingelt. Der Anrufer unterdrückt seine Nummer. Ruft endlich mal der Dennis an? Ich hebe ab und höre erst einmal nur Rauschen. Im Hintergrund klackert es hektisch, klingt nach einem großen Callcenter. Dann endlich eine Stimme: "Hallo, ich Microsoft".

BildOch, nicht schon wieder. So zwei- bis dreimal die Woche ruft "Microsoft" bei mir an, mal mit unterdrückter Nummer, mal mit nicht registrierten Nummern aus dem deutschen Festnetz. Früher sprach "Microsoft" Englisch - na ja, es klang zumindest wie Englisch. Oder was man sich in Indien, Bangladesch oder Indonesien so unter Englisch vorstellt. Wenn man dann auf Englisch antwortete, herrschte auf der Gegenseite meist die blanke Ratlosigkeit. Statt auf meine Frage einzugehen, wurde stur vor einer Liste mit vorgegebenen Sätzen abgelesen:

"Hear Microsoft. We call you computer. You big problem. Need fix."

Alles klar: Ein Ausländer nicht eindeutig geklärter Herkunft hat, vermutlich auf einem Trip, die Stimme Microsofts gehört. Jetzt nennt er mich "Computer", denn ich bin für ihn wohl ein großes Problem. Und er braucht neue Drogen. Das ist hart, so viel gestehe ich dem Anrufer ein, doch ich heiße nicht Computer, betreibe keinen Drogenhandel und höre Microsofts Stimme nur, wenn ich die 0180-6672255 anrufe. Jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen, nicht nur die Hermes-Boten, doch dieser fernöstliche Junkie nervt. Aber ich will auch nicht unhöflich erscheinen - nachher denkt er noch, ich wähle die AfD. Hmm, was würde der Domian jetzt sagen? "You really should try to get clean", rate ich und lege auf. Wer weiß, vielleicht habe ich damit ein Leben gerettet!

Damit ist es leider nicht getan. Nur einen Tag später folgt der nächste Anruf:

"Hello, Microsoft. We call help you. Windows big problem. Need I pee, lock in. Please give."

Der verwirrte Ausländer nicht eindeutig geklärter Herkunft scheint meine Nummer an einen noch verwirrteren Ausländer ebenso wenig geklärter Herkunft weitergegeben zu haben. Herrgott im Himmel, kennen die da, wo auch immer sie herkommen, keine Datenschutzgrundverordnung? Oder zumindest den Herrgott? Diesmal scheint mich der Anrufer mit Microsoft zu verwechseln und bietet mir offenbar Hilfe bei der Entwicklung von Windows an. Die können die Redmonder brauchen, doch wie soll ich eine unterdrückte Nummer an Microsoft weiterleiten? Und woher soll ich wissen, ob er pinkeln muss? Ist er eingesperrt? Soll ich Amnesty International informieren? Oder ist das ein Spendenaufruf? "Yes, Windows sucks big time. Please go and take a leak but don't tell me about it."

Für den Rest der Woche ist Ruhe, doch dann geht es wieder los. So schön es auch ist, meine Weisheit und gute Ratschläge mit der Welt zu teilen, ich habe auch noch anderes zu tun. Zudem ist da das völlig ungeklärte Problem einer etwaigen Haftung. Eventuell ist der Drogenkonsum in bestimmten Religionen oder Kulturen ja obligatorisch, das Pinkeln aber streng verboten. Führen negative Folgen für die Ratsuchenden eventuell zu Schadensersatzansprüchen mir gegenüber? Und was ist mit Verständigungsproblemen? Mein Englisch ist ganz okay, aber auch ich kenne nicht alle Feinheiten dieser Sprache. Ich beschließe, nur noch auf Deutsch zu antworten: "Microsoft ist leider nicht zu Hause, rufen Sie bitte jemand anderen an. Guten Tag."

Ob es an meinen Worten oder dem harten Klang der deutschen Sprache lag: Für einen Monat herrschte Ruhe. Bis heute:

"Hallo. Hier Microsoft. Du Problem Windows. Gebe IP und Login."

Es rauscht zwar wie am ersten Tag, doch diesmal ruft eine Frau an und ihre Worte klingen irgendwie deutsch. Das nimmt mir Druck von den Schultern! Endlich ist mal jemand am Telefon, der auch meine Probleme versteht. "Einen schönen guten Tag", wünsche ich, "Arbeiten Sie schon lange für Microsoft?". Es folgt irritierte Stille. Dann tuschelt sie mit einer männlichen Stimme in einer Sprache, deren Herkunft für mich nicht eindeutig zu klären ist. Sie sagt noch "Bitte, Kollege" und dann übernimmt die männliche Stimme das Kommando:

"Ich Microsoft. Du großes Problem. Gebe IP und Login. Jetzt!"

Es mag an der deutschen Sprache liegen, doch irgendwie klingt das alles sehr fordernd und gar nicht mehr freundlich. Ich zögere.

"Gebe IP und Login. Jetzt!"

Der Mann wiederholt sich, wirkt aber keinen Deut freundlicher. Er will eine IP und einen Login? Soll er haben. Mal schnell einen traceroute auf einen russischen Regierungsserver, denn die haben immer so formschöne IPs. Dazu passend den Login "Igor" mit dem Passwort "25-10-1917" erdichtet. "Viel Erfolg", wünsche ich und lege auf. Vielleicht bekommen ja die Russen raus, welche Herkunft diese mysteriösen Anrufe haben...

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