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Okay Google, wofür wirbst Du heute?

reported by doelf, Freitag der 17.03.2017, 13:43:47 Uhr

Ohne einen digitalen Assistenten sind wir, zumindest wenn man Google, Apple, Amazon und Microsoft Glauben schenkt, nicht mehr lebensfähig. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die Reizüberflutung mit Mitteilungen und Daten, die über soziale Netzwerke und das Internet der Dinge (IoT) auf uns hereinprasselt, ist kaum noch zu bewältigen. Also erweitern wir uns IoT-Arsenal und smarte Lautsprecher wie "Google Home" und lassen uns von diesem Schleichwerbung unterschieben.

Bisher scheint sich die Werbung auf Google-Nutzer in den USA sowie den Kinofilm "Beauty and the Beast" zu konzentrieren. Das Phänomen, über das etliche Käufer des Lautsprechers "Google Home" klagen, wurde von Bryson Meunier, dem SEO-Leiter bei Vivid Seats, gefilmt. Meunier aktiviert den Lautsprecher mit "Okay Google" und fragt dann nach seiner Tagesplanung ("What's my day like?"). Googles Assistent liefert zunächst die üblichen Informationen über das Wetter, Termine und die voraussichtliche Fahrzeit zur Arbeit, doch dann wird unvermittelt Werbung eingeschoben:

"- by the way: Disney's live action "Beauty and the Beast" opens today"
(Übersetzung: "- ganz nebenbei: Disneys Realfilm "Die Schöne und das Biest" läuft heute an")

Dann setzt musikalische Untermalung ein und der Google Assistent fährt fort:

"In this version of the story Belle is the inventor instead of Maurice. That rings truer if you ask me. For some more movie fun, ask me to tell you something about Belle."
(Übersetzung: "In dieser Version ist Belle die Erfinderin und nicht Maurice. Ich finde, das klingt glaubwürdiger. Für mehr Filmspaß, frage mich nach Informationen über Belle.")

Dann geht es nahtlos mit den Nachrichten weiter, als ob es die eingebettete Schleichwerbung nie gegeben hätte. Eine Trennung zwischen Werbung und Inhalten wird folglich nicht vorgenommen.

Das Video dokumentiert ganz nebenbei, welchen Effekt diese "Produktinformation" hat, denn Meuniers kleiner Sohn schreit im Hintergrund vor Begeisterung. Es gibt keine Belege dafür, dass Google die Reaktionen auf den Werbespot aufzeichnet und analysiert. Für Googles Werbekunden wären solche Informationen allerdings hoch interessant und zumindest technisch ist Google dazu in der Lage - die Lautsprecher lauschen schließlich immer. Aber smarte Lautsprecher kauft eh nur, wer nichts mehr zu verbergen hat...

UPDATE: Google hat sich zwischenzeitlich zu Wort gemeldet und bestreitet, dass es sich bei der Meldung zum Kinostart um Werbung oder gar Schleichwerbung handelt:

"This wasn't intended to be an ad. What's circulating online was a part of our My Day feature, where after providing helpful information about your day, we sometimes call out timely content. We're continuing to experiment with new ways to surface unique content for users and we could have done better in this case."

Es handelt sich demnach um einen tagesaktuellen Inhalt, der für den Benutzer informativ sein könnte. Lediglich bei der Art und Weise, wie dieser interessante und informative Inhalt präsentiert wurde, sieht Google noch Spielraum für Verbesserungen. Ja klar, Google.

Und wenn Trump über Obamas Überwachung twittert, handelt es sich nur um einen "Scherz". Und wenn Erdogan Nazi-Vergleiche zieht, sind das alles "Übersetzungsfehler". Alles Blödsinn: Das war weder eine Filmkritik noch das aktuelle Kinoprogramm, sondern schlicht und einfach WERBUNG.

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