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Kolumne: Das ist der Gipfel der Volksverarschung

reported by doelf, Mittwoch der 02.08.2017, 17:28:38 Uhr

Wenn das Smartphone abstürzt hilft gelegentlich ein Software-Update. Manchmal funktioniert danach aber auch gar nichts mehr. Wenn es bei Windows klemmt oder die Grafikkarte seltsame Fragmente malt, können Software-Updates die Rettung bedeuten. Oder auch rein gar nichts bringen. Und was ist, wenn die Abgasreinigung von Dieselfahrzeugen fast immer deaktiviert bleibt und selbst im Betrieb die gesetzlichen Grenzwerte nicht einhalten kann? Klar doch: Wir versuchen es mit einem Software-Update!

Die Bundesbrennelementelieferantin Barbara Hendricks (SPD) und Bundesautomobilkonzernschützer Alexander Dobrindt (CSU) haben sich die deutschen Automobilbauer beim "Nationalen Forum Diesel" mal richtig zur Brust genommen und Klartext geredet. Schließlich haben die deutschen Autobauer die "verdammte Pflicht", eine standesgemäße Schummel-Software zu verbauen, die nicht gleich von irgendwelchen Umweltdeppen aus dem In- und Ausland entdeckt werden kann. Hier besteht ein eindeutiger Mangel an digitaler Kompetenz, welcher die Zukunft des deutschen Verbrennungsmotors und damit Milliarden von Arbeitsplätzen gefährdet.

25 Prozent

Nach einem beinahe schon vorwurfsvollen "Du, du, du" und einem gezielten "Na, na, na", geschickt kombiniert mit einem spielerisch drohendem Zeigefinger, legten die auf Anraten ihrer Anleger reuig dreinblickenden Automobilbosse ihren vorgefertigten Minimalkompromiss auf den Tisch, welchen die beiden Bundesminister begierig unterschrieben und im Anschluss an die große Glocke hängten.

5 Millionen Diesel-PKW sollen ein kostenloses Software-Update erhalten!

Wäre die ganze Sache mit den Software-Updates nicht so lächerlich, könnte man 5 Millionen zumindest für eine ziemlich große Zahl halten. Doch die Hälfte dieser 5 Millionen Diesel-PKW stammen von Volkswagen und wurden eh schon zu einem Software-Update verdonnert, da bei diesen die bereits nachgewiesene Schummel-Software entfernt werden muss. Tatsächlich müsste das Ergebnis des heutigen Tages also lauten:

2,5 Millionen Diesel-PKW sollen ein kostenloses Software-Update erhalten!

Doch was bringt dieses Software-Update? Laut Branchenverband VDA darf man eine Reduzierung des Stickoxid-Ausstoßes um "durchschnittlich 25 bis 30 Prozent" erwarten. Selbst wenn man außer Acht lässt, dass diese Schätzungen vermutlich schöngerechnet wurden, sind 25 bis 30 Prozent nicht mehr als ein schlechter Witz. Ende April 2017 hatte das Umweltbundesamt folgendes Ergebnis veröffentlicht:

Bild

Für die in Praxistests vermessenen Euro-6-Diesel gilt ein gesetzlicher Grenzwert von 80 mg/km, doch im Durchschnitt wurden 507 mg/km aus den Auspuffanlagen dieser Fahrzeuge geblasen. Wir reden also über das 6,34-fache! Sollten es die Hersteller tatsächlich schaffen, den Stickoxid-Ausstoß um 25 Prozent zu reduzieren, kämen wir auf 380,25 mg/km - und auch das ist noch sehr, sehr weit von 80 mg/km entfernt.

Die Mehrzahl der umzurüstenden Fahrzeuge erfüllt allerdings nur Euro 5 und darf bis zu 180 mg/km in die Umwelt pusten. Das Umweltbundesamt nennt für diese Fahrzeuge einen Durchschnitt von 906 mg/km, also das 5,03-fache. Hier würde eine 25-prozentige Reduktion einen neuen Wert von 679,5 mg/km bedeuten, also das 3,8-fache des Grenzwerts. Damit erreichen die Euro-5-Diesel auch nach dem Update nicht einmal die gesetzliche Vorgabe für Euro-3-Diesel, welche sich auf 500 mg/km beläuft.

Ob die gesetzlichen Grenzwerte nun um das 6,34-fache oder das 3,8-fache überschritten werden, ist - rein fäkal betrachtet - scheißegal. Die betroffenen Fahrzeuge verfehlen die Herstellerangaben und die verbindlichen Vorgaben nicht knapp, sondern um Meilen! Und das gilt auch nicht nur für die deutschen Hersteller, sondern auch für die meisten ihrer ausländischen Mitbewerber. Und das muss sich ändern. Nicht nur national, sondern zumindest europaweit!

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