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Zu dumm für Twitter: Führender Republikaner blamiert sich

reported by doelf, Montag der 20.08.2018, 14:39:31 Uhr

So ein Dienst wie Twitter ist hömmele kompliziert. Da kann man beispielsweise auswählen, ob man kontroverse oder möglicherweise auch verstörende Inhalte überhaupt zu sehen bekommen will. Und wenn man sie dann nicht sieht, muss man ganz laut "Zensur" schreien, um wie der größte Depp dazustehen.

Und das ist gar nicht mal so einfach, wenn man über sich einen Präsidenten wie Donald Trump hat! Kevin McCarthy, der republikanischer Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, hat es dennoch geschafft. Doch was war passiert? McCarthy hatte versucht, einen Tweet von Laura Ingraham zu teilen. Die Moderatorin ist selbst für den Rechtsaußen-Sender Fox extrem rechts und ihre Inhalte sind daher umstritten. Diesmal behauptete Ingraham, Schweden würde aufgrund arabischer Einwanderer eine anhaltende Gewaltwelle erdulden, welche zugleich das einzige Thema für die bevorstehende Reichstagswahl sei. Und da diese am 9. September 2018 abgehalten wird, ist es für Ingraham wichtig, die rechtspopulistischen Schwedendemokraten (Sverigedemokraterna) in Erinnerung zu rufen.

Tatsächlich hatten Vermummte vor einer Woche in Südschweden rund 80 Fahrzeuge in Brand gesteckt. Die Aktion wirkte koordiniert, die Gründe sind aber noch unklar. Menschen kamen bei der Randale glücklicherweise nicht zu Schaden. Für die amtierende Minderheitsregierung aus Sozialdemokraten und Grünen ist der Zeitpunkt problematisch, denn in aktuellen Umfragen pendeln die Sverigedemokraterna um die 20 Prozent und könnten somit im nächsten Reichstag die zweit- oder drittstärkste Kraft werden. Tatsächlich ist die Kriminalitätsrate in Schweden seit Jahren recht konstant und zwischen 2015 und 2017 sogar leicht gefallen. Wenn man rechten Medien Glauben schenkt, steht Schweden allerdings am Rande des Bürgerkriegs. Da dies auch von Deutschland, der Schweiz und Norwegen behauptet wird, befinden sich die Schweden allerdings in guter Gesellschaft.

Man sollte sich zudem in Erinnerung rufen, dass viele der laut schreienden Rechtsnationalisten aus Politik und Presse Gesinnungsgenossen des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik sind, der am 22. Juli 2011 auf heimtückischste Weise 77 unschuldige und unbewaffnete Menschen getötet hatte. Beispielsweise hatte der Schwedendemokrat Sven-Erik Karlsson gefordert, man solle Breivik in Schweden Asyl gewähren. Seine eigentümliche Logik: Schweden hätte schon anderen Asyl gewährt, die vielleicht noch viel mehr Menschen auf dem Gewissen hätten. Da fragt man sich, wie eine solche Partei in Umfragen auf zwanzig Prozent kommen kann. Oder auch nicht, denn trotz ewiger Provokationen dies- und jenseits des Fake-News-Spektrums bewegt sich die AfD hierzulande auf einem ähnlichen Niveau.

Doch zurück zu McCarthy: Der Republikaner hatte Twitter so konfiguriert, dass ihm kontroverse Beiträge nicht angezeigt werden. Ingraham ist für ihre provokanten Tweets bekannt und daher wurde McCarthy nur ein Hinweis auf den "möglicherweise sensiblen Inhalt" angezeigt. McCarthy witterte indes eine Verschwörung mit dem Ziel, konservative Inhalte und Werte zu zensieren und versuchte sich am Hashtag #StopTheBias. Und lernfähig ist McCarthy auch nicht: In einem weitere Tweet erklärte er, Ingrahams Beitrag hätte in seinen Augen keinen "möglicherweise sensiblen Inhalt" und somit läge dann doch eine Zensur vor. Nun, die meisten Kämpfer des islamischen Staats finden Fotos von abgeschlagenen Köpfen völlig okay und die Mitglieder des Ku-Klux-Klan halten das Verbrennen von Schwarzen für eine tolle Familienaktivität für das Wochenende. Doch zum Glück denken viele Menschen anders. Auch ein McCarthy ist somit kein absoluter Maßstab für "möglicherweise sensible Inhalte".

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