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Google geht gegen störende Werbung vor

reported by doelf, Donnerstag der 15.02.2018, 18:57:03 Uhr

Der weltweit marktführende Internetbrowser Chrome (Marktanteile im Januar 2018 laut NetMarketShare - Desktop: 61,41%; Tablet: 57,89%; Mobil: 61,93%) geht seit heute gegen störende Werbung vor. Dabei richtet sich Chrome nach den "Better Ads Standards" der Coalition for Better Ads. Das ist einerseits erfreulich, hat aber auch ein wenig Geschmäckle, denn Chrome wird von Google entwickelt, Google ist federführend bei der Definition der Werbestandards und Google ist der weltgrößte Anbieter für Online-Werbung.

Mit der Definition störender Werbeanzeigen können wir uns durchaus anfreunden: Diese umfassen großflächige Banner, welche die eigentlichen Inhalte verdecken und die sich nur schwer schließen lassen. Jeder von uns dürfte sich schon einmal über solche Werbung, deren Schließknöpfe winzig klein oder auch irreführend markiert sind, geärgert haben. Ein gutes Beispiel hierfür sind Anzeigen, bei denen ein leicht modifiziertes X-Symbol zum beworbenen Inhalt führt. Auch überdeckende Anzeigen, die sich erst nach Ablauf eines Countdowns schließen lassen, werden ab jetzt von Chrome blockiert - ob YouTube jetzt umdenken muss? Ebenfalls auf die rote Liste haben es klassische Pop-Ups, wild blinkende Animationen sowie Anzeigen, die ungefragt Videos mit Ton abspielen, geschafft. Etwas komplizierter wird die Sache auf Smartphones, denn hier darf die Werbung nicht mehr als 30 Prozent der Bildschirmfläche einnehmen. Insbesondere bei Geräten mit niedriger Auflösung lässt sich diese Vorgabe gar nicht so leicht umsetzen.

Um Internetangebote zu bewerten, werden von Google einige Webseiten als Stichproben heruntergeladen und automatisch überprüft. Danach erfolgt eine Einstufung in eine der drei Kategorien Bestanden, Verwarnt und Durchgefallen. Erfüllt die Webseite die "Better Ads Standards", wird sie wie gewohnt angezeigt - inklusive der Werbung. Gibt es Beanstandungen, erhält der Webseitenbetreiber zunächst eine Verwarnung, welche man über das Werkzeug Ad Experience Report (Bericht zur Nutzerfreundlichkeit von Werbeanzeigen), welches sich in Googles "Web Tools" unter "Search Console" findet, einsehen kann. Hierfür wird ein Benutzerkonto bei Google benötigt. Ergreift der Webseitenbetreiber keine Maßnahmen, wechselt der Status zu Durchgefallen und Chrome filtert fortan jegliche Werbung aus. Hierzu verwendet Chrome die Regeln der EasyList, welche auch Googles eigene Werbenetzwerke AdSense und DoubleClick aussortiert. Chrome weist auf das Herausfiltern der Werbung hin und gibt dem Benutzer die Möglichkeit, die Werbung für die jeweilige Seite per Whitelist wieder freizugeben.

Auch wenn Google sein Vorgehen als transparent und offen darstellt, beispielsweise durch die Verwendung von EasyList, erfolgt die eigentliche Validierung alles andere als transparent. Wer verwarnt wird, muss schnell reagieren, doch oftmals wird sich eine einfache Frage stellen: Wie? Werbung, die von Werbenetzwerken wie Googles AdSense und DoubleClick geliefert wird, ist sehr unterschiedlich. Mal wird reiner Text angezeigt, mal sind es Bilder, dann wieder Videos mit oder ohne Ton. Um eine bessere Auslastung zu erzielen, greifen Anbieter wie Google zudem auf Drittanbieter-Netzwerke zurück, denen man nur recht grobe Vorgaben machen kann. Erschwerend kommt hinzu, dass Googles Ad Experience Report bisher nicht allzu hilfreich ist, da die meisten Publikationen noch gar nicht überprüft wurden. Gleiches gilt für die Ad Experience Report API, welche nur durchgefallene Seiten kennt.

Am Ende ist alles so wie immer: Wie schon bei Flash, HTML5, Responsive Webdesign und Ladezeiten wirft Google den Webseitenbetreibern immer neue Steintafeln mit immer neuen Geboten auf die Füße und diese müssen sich diesen Gesetzen unterwerfen, wenn sie nicht untergehen wollen. Denn an Googles Marktmacht in den Bereichen Websuche, Webbrowser und Internetwerbung kommt kein Webseitenbetreiber vorbei. Und damit wollen wir keinesfalls behaupten, dass wir Flash vermissen oder Responsive Webdesign ein falscher Weg sei. Auch jegliche Form aufdringlicher Werbung hat auf Au-Ja.de keinen Platz, wie regelmäßige Leser wissen. Aber dass Googles Marktmacht das Web immer mehr in eine Uniformität googlescher Prägung prügelt, sollte jedem zu denken geben!

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