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Disney verlässt Netflix

reported by doelf, Freitag der 11.08.2017, 08:54:36 Uhr

Die Walt Disney Company hat weitere 42 Prozent des Streaming-Spezialisten BAMTech erworben und macht bei der Vermarktung ihrer Inhalte an die Endkunden in Zukunft ihr eigenes Ding. Parallel hierzu werden die Vertriebsvereinbarungen mit Netflix für Neuveröffentlichungen zum Kalenderjahr 2019 beendet. Diese Ankündigung setzte die Netflix-Aktie unter Druck.

Reaktionen an der Börse
Am gestrigen Handelstag fiel der Kurs der Netflix-Aktie um 3,78 Prozent auf 169,14 US-Dollar und im nachbörslichen Handel ging es um weitere 1,01 Prozent auf 167,44 US-Dollar herunter. Diese Reaktion der Anleger überrascht nicht, denn zur Walt Disney Company gehören die Medienunternehmen Disney, ABC Television Group und ESPN sowie die diversen Disney-Studios nebst Pixar, Marvel und Lucasfilm. Mit seiner Filmsparte generierte Disney im vergangenen Jahr mehr als 9,4 Milliarden US-Dollar und ist mit einem Marktanteil von über 25 Prozent der klare Platzhirsch im weltweiten Filmgeschäft. Insbesondere die Animationsspezialisten von Pixar, die Superhelden von Marvel und das Star-Wars-Universum von Lucasfilm hatten dieses Wachstum ermöglicht. Der Wegfall von Disney ist für Netflix somit ein schmerzlicher Verlust, doch auch beim Mediengiganten reagierten die Anleger verhalten: Disneys Aktie ist gestern um 1,44 Prozent auf 101,35 US-Dollar gefallen und konnte auch nach Börsenschluss lediglich 0,14 Prozent gutmachen.

Der BAMTech-Deal
BAMTech war zunächst eine Tochter der im Jahr 2000 gegründeten Firma "Major League Baseball Advanced Media", welche die US-Baseball-Liga im Internet vermarktet. Dabei kümmerte sich BAMTech um die technischen Aspekte des Streaming-Angebots. 2015 wurde BAMTech dann auf eigene Beine gestellt, um diese Dienste auf andere Märkte auszuweiten und zusätzliche Investoren zu gewinnen. Im August 2016 kaufte sich Disney für eine Milliarde US-Dollar mit 33 Prozent bei BAMTech ein, um deren Technik für sein eigenes Sportnetzwerk ESPN (Entertainment and Sports Programming Networks) zu nutzen. Zugleich sicherte sich Disney eine Option, zukünftig die Aktienmehrheit bei BAMTech zu übernehmen. Diese Option hat Disney nun gezogen und weitere 42 Prozent für 1,58 Milliarden US-Dollar erworben. Neben den Sportsendungen von ESPN sollen bald auch Disney-Inhalte über BAMTech direkt an den Endkunden gestreamt werden - und zwar exklusiv.

Das Lockmittel namens "Exklusiv"
Wie Disney mitteilt, werden nicht nur Sportinhalte, sondern auch Kinofilme von Disney und Pixar ab 2019 exklusiv beim konzerneigenen Streaming-Dienst zu sehen sein. Als Beispiele nennt Disney "Toy Story 4", die Fortsetzung von "Frozen" und die Realverfilmung von "The Lion King". Auch TV-Produktionen, Kurzfilme und Kindersendungen sowie ältere Filme und Serien sollen über den neuen Streaming-Dienst angeboten werden. Die Abonnements wird man direkt bei Disney und ESPN abschließen können und es soll auch passende Apps geben. Wie man mit den Produktionen von Marvell und Lucasfilm verfahren will, lässt Disney offen. Für den Kunden wird die Marktlage immer unübersichtlicher: Einige Produktionen gibt es exklusiv bei Netflix, andere sind nur bei Amazon zu sehen, wieder andere zukünftig ausschließlich bei Disney und auch Apple will verstärkt auf exklusive Inhalte und Eigenproduktionen setzen.

Ausblick
Es stellt sich die Frage, wie viele Abonnements sich Streaming-Konsumenten tatsächlich leisten werden. Der Streaming-Markt wächst noch, doch die derzeitige Zersplitterung könnte die Kunden auf Dauer frustrieren. Schließlich will kaum jemand mehrere Verträge für unendliche viele Inhalte minus der aktuell angesagtesten Serien und Filme abschließen.

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