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Smart TVs - Sie beobachten uns!

reported by doelf, Freitag der 06.07.2018, 14:49:14 Uhr

Anatidaephobie, also die Angst, von Enten beobachtet zu werden, ist zumeist unbegründet. Wer kein Futter mit sich führt, ist für Enten völlig uninteressant. Wir sollten aber so langsam eine Smart-TV-Phobie entwickeln, denn die modernen Fernsehgeräte beobachten uns sehr genau und ernähren sich dabei von unseren Daten. Beispielsweise über den Dienst "Samba Interactive TV".

"Samba Interactive TV" findet sich auf Smart-TVs von bekannten Marken wie Grundig, Sony, Sharp, Sanyo, TCL und Philips. Der Dienst "bietet maßgeschneiderte Werbung, Benachrichtigungen und exklusive Informationen über Ihre Lieblingssendungen und -schauspieler direkt auf Ihrem Tablet" (Quelle: Sony). Bei Sony wurde der Dienst zusammen mit Android 7.0 (Nougat) ausgeliefert und machte sich über die Meldung "Samba Interactive TV ist verfügbar" bemerkbar. Der Benutzer musste zunächst das "Einrichten" von "Samba Interactive TV" starten, um überhaupt an die Option "Ablehnen und deaktivieren" zu gelangen. Viele Benutzer werden den Dienst allerdings zugelassen und zusätzlich die App "Spotlight" auf ihren Mobilgeräten installiert haben, denn "Samba Interactive TV" scheint erst einmal nur Vorteile zu bringen.

Die "New York Times" hat sich näher mit dem Thema beschäftigt und sieht Dienste wie "Samba Interactive TV" wesentlich kritischer. Am 30. August 2017 konnte das kalifornische Unternehmen Samba TV nämlich verkünden, die Nummer fünf der am schnellsten wachsenden Werbeunternehmen in den USA zu sein. Denn die "exklusive Informationen" erkauft sich der Zuschauer über den Konsum "maßgeschneiderter Werbung". Samba TV analysiert nämlich den TV-Konsum im Sekundentakt: Wer schaut wann und wo welche Sendungen auf welchem Kanal? Interessiert sich der Zuschauer für Nachrichten und politische Debatten? Schaltet er religiöse Sendungen oder Sport ein? Bevorzugt er klassische Musik, Theater, Wiederholungen von Baywatch oder gar Erotik? Guckt er vielleicht sogar Beiträge über Enten? Selbst Spiele kann der Dienst identifizieren.

Wie man sich vorstellen kann, offenbart ein solches TV-Profil viel über die Vorlieben des Zuschauers. Und es ermöglicht sehr gezielte Werbung, die über die dazugehörigen Apps auch über die verknüpften Mobilgeräte ausgeliefert wird. So ist es beispielsweise möglich, die App- und Internetwerbung mit der Fernsehwerbung abzugleichen. Entweder wirbt man parallel auf beiden Geräten oder man reagiert unmittelbar auf den TV-Spot eines Mitbewerbers. Die Apps haben für Samba TV sogar noch einen weit größeren Nutzen, denn über seine Mobilgeräte liefert der Konsument viele weitere Daten wie sein Bewegungsprofil. Wenn man ein häufig besuchtes Schnellrestaurant längere Zeit meidet, kann sich dieses mit gezielter Werbung wieder in Erinnerung bringen.

Zugegeben, die Auswertung der "New York Times" bezieht sich auf den Einsatz in den USA, wo der Datenschutz laxer gehandhabt wird als in Europa. Doch "Samba Interactive TV" kommt auch hierzulande zum Einsatz und die Datenschutzgrundverordnung schützt europäische Nutzer keinesfalls vor umfangreichen Datensammlungen. Sie verlangt lediglich, dass die europäischen Nutzer über Datenerhebungen umfassend informiert werden und diesen vor Beginn der Sammlung ausdrücklich zugestimmt haben. Da "Samba Interactive TV" auf ein Opt-in setzt und zumindest auf den Unterseiten der Einrichtung über die erhobenen Daten informiert, könnten die Auflagen der Datenschutzgrundverordnung tatsächlich erfüllt sein. Andererseits werden nur wenige Nutzer realisieren, welch umfassende Daten sie der privaten Werbewirtschaft mit ihrer Zustimmung liefern.

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