MSI Z390 Steam-Aktion

Da oder nicht da? Chinesische Spionage-Chips in Server-Hardware

reported by doelf, Montag der 08.10.2018, 17:27:22 Uhr

Bloomberg gilt als verlässliche Quelle für Wirtschaftsnachrichten. Somit ist es nicht verwunderlich, dass ein Bericht über chinesische Spionage-Chips auf Mainboards des US-amerikanischen Serverspezialisten Supermicro für große Unruhe gesorgt hat. Doch der Artikel liefert keinerlei Details und alle Beteiligten bestreiten die darin erhobenen Vorwürfe. Gibt es die Spionage-Chips nun oder sind sie Fake-News?

Die Quellenlage
Bei Bloomberg beruft man sich auf 17 gut unterrichtete Quellen aus dem Umfeld der aktuellen und vorherigen US-Regierung. Da alle Quellen um Anonymität gebeten haben, lassen sie sich leider nicht verifizieren. Die manipulierten Mainboards liegen Bloomberg auch nicht vor, so dass niemand die angeblichen Spionage-Chips und deren Funktion untersuchen kann. Von den 30 US-Firmen, die China mit Hilfe manipulierter Hardware infiltriert haben soll, werden nur Amazon und Apple namentlich genannt. Beide bestreiten die geschilderten Vorfälle. Auch das FBI, welches angeblich informiert wurde, gibt sich ahnungslos. Und natürlich wollen auch die Chinesen nichts von Spionage wissen - ganz gleich ob mit oder ohne Hardware.

Dementi, Dementi, Dementi
Die Dementis von Amazon und Apple fallen dabei überraschend konkret aus: Apple verweist auf einen infizierten Treiber, welchen man im Jahr 2016 auf einem Supermicro-Server entdeckt und gemeldet habe. Dabei habe es sich um einen einmaligen Vorfall gehandelt. Alle Meldungen zu Spionage-Chips seien indes falsch. Die Stellungnahme von Steve Schmidt, dem Sicherheitschef von Amazon Web Services, klingt gar gereizt: Man habe Bloomberg in den vergangenen Monaten mehrmals mitgeteilt, dass es bei Produkten von Supermicro keinerlei Probleme mit modifizierter Hardware oder Spionage-Chips gegeben habe. Und mehr gibt es offenbar auch jetzt nicht dazu zu sagen.

Aktie auf Talfahrt
Auch Supermicro selbst weist alle Vorwürfe zurück und erklärt, man habe nie fremde Chips auf Hauptplatinen aus chinesischer Produktion gefunden. Zudem sei man nie von Regierungsbehörden hinsichtlich solcher Spionage-Chips kontaktiert wurden. Supermicro ist ein US-Unternehmen mit Sitz im kalifornischen San Jose, die Produktion der Motherboards findet allerdings in China statt. Dies sei branchenüblich und damit hat der Marktführer im Bereich der Server-Mainboards durchaus recht. Dennoch stürzte Supermicros Aktie am 4. Oktober 2018 von 21,40 auf 12,60 US-Dollar ab, wobei das Papier zwischenzeitlich sogar für 8,50 US-Dollar über den Tisch ging.

Möglich, aber auch plausibel?
Selbst unter Experten ist die Verunsicherung groß: Ein reiskorngroßer Spionage-Chip würde unter zahllosen SMD-Bauteilen nicht weiter auffallen, doch dieser Chip müsste die Kontrolle über den Arbeitsspeicher, die Laufwerkszugriffe und den Netzwerkverkehr übernehmen können. Wäre es da nicht viel sinnvoller (und noch unauffälliger), die Management-Funktionen in den Prozessoren zu übernehmen? Schließlich liefern Intel und AMD ihre CPUs schon seit Jahren mit integrierten Spionage-Chips aus, welche sich weder vom Benutzer noch vom System aus kontrollieren lassen. Bloombergs Illustration ist jedenfalls irreführend und manipulierte Hardware zur Überprüfung durch Experten ist auch nicht vorhanden.

Kein Tweet von Trump
Für die größte Überraschung sorgt derweil Donald Trump: Der US-Präsident wettert auf seinen Wahlkampfveranstaltungen fast täglich gegen die Fertigung in China, welche US-amerikanische Arbeitsplätze vernichtet und aus seiner Sicht ein Sicherheitsrisiko darstellt. Eigentlich hätte Trump sofort auf den Bloomberg-Artikel aufspringen müssen, doch stattdessen ignoriert der Präsident dieses heiße Eisen. Andere Eisen schmiedet er ohne Rücksicht darauf, ob überhaupt ein nennenswerter Wahrheitsgehalt vorhanden ist. Bleibt die Frage: Wieso?

Diese Werbefläche wurde deaktiviert. Damit geht Au-Ja.de eine wichtige Einnahmequelle verloren.

Werbung erlauben ]