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Kolumne: Voll die Seuche!

Meldung von doelf, Montag der 16.03.2020, 15:03:01 Uhr

Es scheint, als würde die Welt dieser Tage zum Stillstand kommen. Das einzige Thema in den Nachrichten ist das SARS-CoV-2-Virus bzw. die von diesem verursachte COVID-19-Pandemie und auch die Auswirkungen auf den Alltag nehmen von Tag zu Tag weiter zu. Kitas, Kindergärten, Schulen und Universitäten sind ebenso geschlossen wie die ersten Grenzen, der Sport pausiert und als letztes Freizeitangebot bleiben Wanderungen auf möglichst abgelegenen Wegen.

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Auch wenn sich die Schwere der meisten Verläufe von COVID-19 im Bereich einer typischen Erkältung bewegt, scheint SARS-CoV-2 dennoch extrem absteckend zu sein - und hier wurde es von Experten, Politikern und auch uns Bürgern ziemlich unterschätzt. Schon während der Inkubationszeit, die gut 14 Tage dauern kann, können Infizierte die Krankheit weitergeben. Wenn der Infizierte dann die ersten Symptome zeigt, lässt sich kaum noch nachvollziehen, welche Kontaktpersonen sich angesteckt haben könnten. In der Regel werden es Hunderte sein. Das Beispiel Italien hat uns vor Augen geführt, wie schnell COVID-19 außer Kontrolle geraten kann und wie oft diese Erkrankung tödlich endet, wenn das Gesundheitssystem überfordert ist. Bei einer Letalität, die derzeit auf 1 Prozent geschätzt wird, könnte es alleine in Deutschland 830.000 Opfer geben. Seit dem 11. März 2020 steht fest, dass man von einer Pandemie, also einer länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung der Krankheit, sprechen muss.

Die Auswirkungen auf unser alltägliches Leben sind drastisch: Die Kinderbetreuung ist sozusagen von heute auf morgen weggefallen, doch nicht jedes Unternehmen hat auch seine Tore geschlossen. Bis sich Lösungen gefunden haben, regiert für viele der organisatorische Wahnsinn. Einige Firmen rufen ihre Mitarbeiter dazu auf, die Personalkantinen und Pausenräume zu meiden, andere richten überhastet private Notebooks für das Home-Office ein und eröffnen so ganz anderen Viren einen Weg ins Firmennetz. Restaurants, Hotels und Kinos müssen schließen, Konzerte, Theater und Sportereignisse fallen aus und selbst die Bordelle müssen ihren Betrieb einstellen. Wer sich die Krise schön saufen will, findet seine Kneipe geschlossen und muss sich zu Hause betrinken. Der Leber mag das auf lange Sicht schaden, doch zumindest SARS-CoV-2 verträgt keinen Alkohol, woraus sich auch eine praktische Alternative zum allerorts vergriffenen Desinfektionsmittel ergibt.

Eine unangenehme Überraschung erleben die Alkohol-Geschützten dann beim Versuch, auf den ÖPNV umzusteigen, denn in vielen Städten werden mittlerweile die Fahrer isoliert: Absperrbänder sind zwar ein höchst lückenhafter Schutz vor einer Tröpfcheninfektion, doch der Abstand zum Fahrgast und dessen virenverseuchtem Bargeld soll das Risiko einer Ansteckung minimieren. Bei manchem Busunternehmen erscheint dies sinnvoll, schließlich arbeiten dort kaum Fahrer unter 70, doch an den wenigsten Haltestellen gibt es Ticketautomaten. Auch die Vorverkaufsstellen, deren Haupteinkommen zumeist aus Lotto, Zeitschriften, Tabak und Süßigkeiten besteht, fallen als dauerhafte Alternative aus, sobald die Geschäftstätigkeit auf den Lebensmittelhandel und Apotheken beschränkt wird. Bleibt also nur die App oder darauf hoffen, dass sich aufgrund der Ansteckungsgefahr in den vollen Bussen eh kein Kontrolleur hineintraut. Und der als Klimakiller verschriene Individualverkehr feiert sein Comeback als Isolationsverkehr!

Dank geschlossener Grenzen und Reisebeschränkungen ist nicht einmal an Flucht bzw. Urlaub zu denken. Europas größter Touristikkonzern TUI hat den Reisebetrieb eingestellt und als Folge ist die TUI-Aktie heute um 29 Prozent auf 2,97 Euro abgeschmiert. Das Papier notiert inzwischen um 71,5 Prozent unter seinem Wert von November 2019. Die Aktie der Lufthansa hat heute nochmals 16,6 Prozent eingebüßt und beim irischen Billig-Konkurrenten Ryanair ging es gut 19 Prozent bergab, da dessen Flugzeuge vorerst am Boden bleiben. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt sind noch nicht abzusehen, so dass der DAX abermals um 9,8 Prozent gefallen ist und inzwischen nur noch bei 8.327,54 Punkten liegt. Vor einem Monat hatten wir noch Werte um die 13.750 Punkte gesehen, doch nun zeigt sich der Deutsche Aktienindex so volatil wie der Bitcoin-Kurs. Das hätte man vor drei Monaten genauso wenig erwartet wie die derzeitigen Einschränkungen der Bewegungs- und Berufsfreiheit innerhalb Europas.

Unsere Welt befindet sich in einer tiefen Krise, deren Epizentrum sich dieser Tage nach Europa verlagert hat, in ein zwei Wochen aber durchaus in Nordamerika liegen könnte. Wir sind derzeit nur Zuschauer, die fassungslos auf die Geschwindigkeit an uns vorbei rasenden der Ereignisse blicken. Wir sind die Passagiere einer Achterbahn, deren Schienen eine Wagenlänge vor uns verlegt werden. Am Ende bleibt uns nur, Ruhe zu bewahren und diese Seuche mit Gelassenheit und Verstand auszusitzen. Und für all jene, die händeringend nach einem positiven Aspekt suchen, sei festgehalten: Zumindest hat sich bisher noch niemand durch SARS-CoV-2 in einen Zombie verwandelt.

Das Au-Ja-Team wünscht seinen Lesern und allen anderen da draußen gute Gesundheit!

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