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EU-Wahl: Rechte Falschmeldungen über 533 Millionen mal aufgerufen

Meldung von doelf, Mittwoch der 22.05.2019, 13:33:36 Uhr

Die gemeinnützige soziale Bewegung Avaaz hat heute einen Bericht veröffentlicht, der die Verbreitung von Falschmeldungen durch rechtsradikale und rechtsextreme Netzwerke auf Facebook dokumentiert. Dabei geht es nicht um die offiziellen Facebook-Seiten rechter Parteien und Politiker, sondern um gezielte Kampagnen zur Verbreitung falscher Fakten, Rassismus und Hass.

Ein gewaltiges Propagandanetz
Insgesamt hat Avaaz über 500 Seiten bzw. Gruppen mit einer Folgschaft von knapp 32 Millionen Menschen bei Facebook aufgrund von Hassrede und gezielten Falschmeldungen gemeldet. In den vergangenen drei Monaten kamen diese Seiten auf 67 Millionen Interaktionen in Form von Kommentaren, Likes und geteilten Inhalten. Die Zahl der Zugriffe wird für diesen Zeitraum auf mehr als 533 Millionen geschätzt, was selbst die Einwohnerzahl der Europäischen Union, welche sich auf ca. 513 Millionen beläuft, überschreitet.

Deutschland kein fruchtbarer Boden, Italien schon
Deutschland spielt mit 11 Netzwerken, 119 Seiten und Gruppen sowie 204 Facebook-Profilen ganz vorne mit, doch die Zahl der Follower fällt mit 898.918 vergleichsweise mager aus. Facebook hat hierzulande acht Seiten gesperrt. Italien liegt mit 14 Netzwerken, 113 Seiten und 49 Profilen auf einem vergleichbaren Niveau, doch hier konnten die Rechten 18,26 Millionen Gefolgsleute gewinnen - über zwanzig mal mehr als in Deutschland. Facebook hat inzwischen 23 Seiten aus Italien abgeschaltet.

Rechte auch in Polen sehr aktiv
Frankreich, Spanien, das Vereinigte Königreich und Polen kommen auf je drei Netzwerke. Betrachtet man die Zahl der Seiten bzw. Gruppen, liegen Frankreich, Spanien und das Vereinigte Königreich mit 44, 46 und 31 ebenfalls dicht beisammen. Gleiches gilt für die Zahl der Follower, die sich auf 1,75 Millionen, 1,69 Millionen und 1,35 Millionen beläuft. Mit 197 Seiten bzw. Gruppen führt Polen diese Wertung an, sie kommen zusammen auf 8,04 Millionen Follower und damit auf den zweithöchsten Wert. Facebook hat 27 polnische und 17 spanische Seiten abgeschaltet, aus Großbritannien und Frankreich gibt es je eine Löschung zu berichten.

Das Vorgehen der Manipulatoren
Ziel dieser Netzwerke war und ist die Verbreitung rechter Propaganda und die Unterstützung von Parteien am rechten Rand des politischen Spektrums. Schwerpunkte sind die Diskreditierung der EU, die Verbreitung weißer Überlegenheitsfantasien und Hetze gegen Ausländer und fremde Religionen. Um ihren Botschaften mehr Gewicht zu verleihen, nutzen die rechten Netzwerke Duplikate und Bots. Die Betreiber verstecken sich zumeist hinter falschen Namen. In Deutschland will Avaaz gleich mehrere Fake-Konten entdeckt haben, die von AfD-Kandidaten betrieben werden.

Eine besonders perfide Taktik kann praktisch jeden Facebook-Nutzer in die rechte Szene ziehen: Dazu werden Gruppen zu harmlosen Themen wie Musik oder Lifestyle eingerichtet und beworben. Haben diese Gruppen dann eine ausreichende Mitgliederzahl erreicht, werden einfach Name und Thema geändert. Zuweilen bleiben Name und Thema zwar erhalten, doch statt ums Fliegenfischen oder Papierfliegerfalten geht es in den Beiträgen nur noch um Überfremdung, islamistischen Terror und die Fremdbeherrschung durch EU-Gremien.

Virtuelle Schlägertrupps als Vorhut
Im Bericht von Avaaz finden sich zahlreiche Beispiele für gezielte Fehlinformationen, dreiste Fälschungen und rechtsextreme Symbole und Gesten wie das Hakenkreuz und den Hitlergruß. Während die rechtsradikalen und rechtsextremen Parteien auf die Demokratie, die Presse und Europa schimpfen, beanspruchen sie für sich selbst das Privileg, demokratische Parteien mit einem Recht auf freie Meinungsäußerung zu sein. Obwohl sie regelmäßig Grenzen austasten, verzichten sie auf eindeutige Gesetzesverstöße. Dies bleibt die Aufgabe der rechten Netzwerke, die auf den sozialen Plattformen Stimmung machen und dabei kräftig die Werbetrommel für diese Parteien schlagen. Da in Deutschland 41 Parteien zur Europawahl antreten, gibt es erfreulicherweise genug Alternativen.

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