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Datenpanne: Google+ schließt für Endnutzer

reported by doelf, Dienstag der 09.10.2018, 11:39:26 Uhr

Am 28. Juni 2011 startete mit Google+ ein Herausforderer für Facebook, der trotz interessanter Ansätze immer im Schatten des Marktführers geblieben ist. Nach einer Datenpanne mit bis zu 500.000 betroffenen Nutzern hat Google nun die Schließung seines sozialen Netzwerks beschlossen. Zumindest für private Nutzer ist im August 2019 Schluss mit Google+.

Zu wenig Interesse an Google+
Zunächst erklärt Google sein "Project Strobe", welches derzeit den Umgang mit Nutzerdaten beleuchtet und Schnittstellen (APIs) für Drittanbieter-Apps unter die Lupe nimmt. Bei der Betrachtung von Google+ habe sich gezeigt, dass die Plattform von Nutzern und Entwicklern nicht so intensiv genutzt wird, wie Google sich das einst vorgestellt hatte. Insbesondere die Interaktion mit Apps sei sehr limitiert. Zudem verweilen Endkunden kaum auf Google+, so dass 90 Prozent aller Interaktionen weniger als fünf Sekunden dauern. Oder anders formuliert: Google+ ist nicht groß und frequentiert genug, als dass ein weiterer Betrieb aus Googles Sicht sinnvoll wäre.

Irgendwie verwundert diese Aussage, schließlich wurde die Google+ App auf mehr als einer Milliarde Geräte installiert und kommt bei mehr als 5,2 Millionen Bewertungen auf eine sehr positive Durchschnittsnote von 4,2 aus maximal 5,0 Punkten. Wikipedia spricht mit Verweis auf Daten von Statista von 3,091 Milliarden registrierten Benutzern (Stand: April 2016). Dennoch: Finanziell scheint sich Google+ nicht zu rentieren und ein paar Millionen aktive Nutzer haben Google noch nie davon abgehalten, einen Dienst zu schließen. Tatsächlich behandelt Google sein soziales Netzwerk schon seit einige Zeit recht stiefmütterlich: Auf der Seite Lösungen für Unternehmen führt der Link "Folgen Sie uns auf Google+" in eine Fehlermeldung und auch die Verknüpfung der "Nutzungsbedingungen von Google+" endet auf der Hilfeseite zu Google+ in einem 404-Fehler: Seite nicht gefunden.

Das Datenleck
Zu den Erkenntnissen von "Project Strobe" gehört auch, dass die Entwicklung der Google+ APIs in Hinblick auf Endkunden einen großen Aufwand bedeutet. Dies habe sich beispielsweise an einem Fehler gezeigt, durch den Apps Zugriff auf Daten hatten, welche die privaten Nutzer nicht als öffentlich freigegeben hatten. Hierzu gehören Name, E-Mail-Adresse, Geschlecht, Alter, Beruf, Beziehungsstatus, die Kurzbiografie und Profilbilder - hier die Liste aller von Apps abrufbaren Daten. Laut Google wurde die fehlerhafte Schnittstelle von 438 Apps benutzt, bis zu einer halben Million Nutzer sind potentiell betroffen. Einen Missbrauch durch App-Entwickler konnte Google nach eigener Aussage nicht feststellen, geschossen wurde die Schwachstelle bereits im März 2018.

Aus dem Vorfall hat Google nun den Schluss gezogen, dass Google+ die Mühe nicht wert sei, und kündigt an, in zehn Monaten den Stecker zu ziehen - allerdings nur für Endkunden. Im August 2019 ist also Schluss und bis dahin will man den Nutzern diverse Möglichkeiten anbieten, ihre Daten zu sichern bzw. zu anderen Anbietern umzuziehen. Es scheint fast, als befürchte Google zukünftige Datenlecks und wolle mit der Schließung ausufernden Strafzahlungen, wie sie die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vorsieht, vorbeugen. Der Marktführer Facebook hatte kürzlich ein Datenleck, das bis zu 50 Millionen Nutzer betrifft, eingestanden und erwartet nun eine Strafe der irischen Datenschutzbehörde.

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