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Das Recht an Farben: Adobe, Pantone, Freetone, freieFarbe e.V.

Meldung von doelf, Dienstag der 03.01.2023, 16:32:58 Uhr

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Wem gehören Farben? Diese Frage klingt erst einmal ziemlich dumm, doch wer im Internet oder bei realen Produkten mit Telekom-Magenta oder Milka-Lila arbeitet, kann sehr schnell Post mit Unterlassungserklärungen hinsichtlich einer solchen Farbnutzung erhalten. Seit Pantone das Lizenzmodell für die Nutzung seiner Farbbibliotheken umgestellt hat und Adobe-Nutzer zum Abonnement zwingt, ist die Diskussion um das Recht an Farben neu entbrannt.

Über Farbsysteme und Farbkataloge
Damit Farben auf Anzeigegeräten, im Druck und auf Produkten immer gleich aussehen, kommen normierte Farbpaletten in Form von Farbsystemen und Farbkatalogen zum Einsatz. Zu den bekanntesten gehören die RAL-Farben der gemeinnützigen GmbH RAL, einer Tochter des RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung, sowie das Pantone Matching System (PMS) der US-Firma Pantone LLC mit Sitz in Carlstadt, New Jersey. Insbesondere in der Grafik- und Druckindustrie ist der Einsatz von Pantone-Farben sehr weit verbreitet, auch weil die Farbtafeln von Pantone über Jahrzehnte zum Lieferumfang der Grafiksoftware des Herstellers Adobe gehörten.

Der Lizenzstreit und seine Folgen
Das für beide Seiten vorteilhafte System endete Anfang 2022 im Zwist: Pantone erzwang ein neues Lizenzmodell und Adobe begann damit, die vorinstallierten Farbbibliotheken aus Programmen wie Illustrator, InDesign und Photoshop zu entfernen. Seit November 2022 sind in diesen Programmen standardmäßig nur noch drei Pantone-Farbtafeln verfügbar: Pantone + CMYK Coated, Pantone + CMYK Uncoated sowie Pantone + Metallic Coated. Wer in seinen Dateien andere Pantone-Farben eingesetzt hat, bekommt diese nun nicht mehr angezeigt und sieht stattdessen die Ersatzfarbe Schwarz. Und das gilt nicht nur für neue Dateien, sondern auch für Bestandsdaten!

Die neue Lizenz ist ein teurer Spaß
Natürlich gibt eine simple Lösung: Man installiert über Adobe Exchange das kostenlose Plug-in Pantone Connect, erwirbt darüber eine kostenpflichtige Lizenz und kann ganz normal weiterarbeiten. Zumindest in der Theorie, denn viele Nutzer des mit 1,2 Sternen jämmerlich schlecht bewerteten Plug-ins beklagen Probleme und betrachten das Geschäftsmodell als Erpressung und Abzocke. Schließlich kostet die Nutzung der Pantone-Farben nun 14,99 Euro pro Monat bzw. 89,99 Euro pro Jahr und das für jeden einzelnen Nutzer! Je nach Zahl der Nutzer bietet Pantone einen gestaffelten Rabatt an, doch auch diesen gibt es nur im ersten Jahr. Ab dem zweiten Jahr wird jeder Nutzer wieder voll abgerechnet.

Die Herausforderung: Freetone
Auftritt Stuart Semple: Der britische Künstler und Aktivist bietet mit Freetone eine Pantone-artige Farbpalette für Adobe-Produkte an. Jeder, der weder für Adobe noch für Pantone arbeitet oder mit Semples Erzfeind Anish Kapoor in Verbindung steht, kann Freetone als kostenloses Plug-in erhalten. Freetone umfasst 1.280 befreite Farben, die sich rein gar nicht von den kostenpflichtigen unterscheiden. Lediglich die Namen sind anders, beispielsweise ersetzt Sempletone 648C die Farbe Pantone 648C. Freetone ist zwar kostenlos, aber leider nicht quelloffen. Der Download des Plug-ins ist nur über Semples Shop möglich und erfordert eine Anmeldung.

freieFarbe e.V.
Die Idee, dass Farben befreit werden müssen, ist derweil nicht neu. Dieses Ziel verfolgt nämlich auch der gemeinnützige Verein freieFarbe e.V., bei dem es sich um einen Zusammenschluss deutscher und Schweizerischer Farben-Profis handelt. freieFarbe e.V. will den Nutzern offene Standards näher bringen und diese so aus den Fängen der internationalen Farbsyndikate befreien. Im Download-Bereich des Vereins findet sich neben dem CIELAB HLC Colour Atlas gemäß DIN SPEC 16699 eine ganze Reihe von Farbraum-Übersichten, Farbsystemen, Profilen und Werkzeugen, die ohne Lizenzfessel und Abozwang genutzt werden können.

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