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Kolumne: Chinas Null-Covid-Strategie ist gescheitert

Meldung von doelf, Dienstag der 26.04.2022, 14:36:40 Uhr

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Lange Zeit blickte die Welt neidisch gen China. Nachdem SARS-CoV-2 Ende 2019 erstmals in der Millionenmetropole Wuhan aufgetreten war, setzte Chinas Regierung auf die konsequente Isolation der Infektionsherde. Und wie fast immer dachte man in China nicht klein sondern groß - zunächst wurden ganze Stadtteile, dann ganze Städte und Regionen unter Isolation gestellt. Diese Null-Covid-Strategie funktionierte bis einschließlich der Delta-Variante des Virus recht erfolgreich, doch seit dem Auftreten von Omikron fällt sie zusammen wie ein Kartenhaus. Seit Wochen befindet sich Shanghai, die wichtigste Hafenstadt der Welt, im Lockdown und die Hauptstadt Peking dürfte schon bald folgen.

Einsperren und Abwarten
Dass China zu Anfang auf die Isolation setzte, hatte gute Gründe. Mit 12,33 Millionen Einwohnern (Stand 2020) ist Wuhans Bevölkerung um den Faktor 3,37 größer als Berlin und die unkontrollierte Flucht seiner Bewohner hätten das neue Virus schnell im ganzen Land verbreiten können. Zudem gab es weder Impfstoffe noch andere Behandlungsmöglichkeiten, weshalb die brachiale Lösung aus Nägeln, Schrauben und Schweißbrennern bestand: Wohnungstür auf, Nahrungsvorräte rein, Wohnungstür zu und dann wurde die Tür zur Sicherheit von Außen verschweißt, verschraubt oder vernagelt. Gemeinhin gehorchen die Chinesen den Anordnungen ihrer Behörden und Blockwarte haben ein wachsames Auge darauf, dass sich niemand irgendwelche Freiheiten herausnimmt. Doch im Angesicht des möglichen Todes wollte man auf Nummer Sicher gehen. Hinter wie vielen Türen am Ende nur noch Leichen lagen, werden wir wohl nie erfahren. Doch wer hierzulande über die Maskenpflicht und eine angebliche Corona-Diktatur herumgejammert hat, sollte sich vor Augen führen, wie Seuchenschutzmaßnahmen in einer wirklichen Diktatur aussehen. Und wer sich in China gegen die drakonischen Maßnahmen auflehnte, wurde nicht mit einem moderaten Bußgeld nach Hause geschickt.

Die anfängliche Überlegenheit der Diktatur
Auch der Rest der Welt setzte zunächst auf Abschottung, allerdings nur in Form von Quarantäne für Erkrankte und deren Kontaktpersonen. Als das nicht mehr ausreichte, versuchte man die Ausbreitung von SARS-CoV-2 mit Hygienekonzepten wie Desinfektionsmitteln und Schutzmasken zu bremsen, dann folgten Kontaktbeschränkungen und Lockdowns bis hin zu Ausgangsbeschränkungen für besonders stark betroffene Regionen. Statt zu Hammer, Akkuschrauber und Schweißgerät griff man in Europa allerdings zu stichprobenartigen Kontrollen und empfindlichen Geldstrafen bei nachgewiesenen Verstößen. Dennoch folgte Welle auf Welle und während China Woche für Woche null neue Infektionen vermelden konnte, schien der Rest der Welt an der Pandemiebekämpfung kläglich zu scheitern. Das änderte sich erst zum Jahreswechsel 2020/21, als die ersten Impfstoffe eine Notfallzulassung erhielten. Insbesondere in den westlichen Industriestaaten wechselte die Strategie von Eindämmen auf Durchimpfen und auch wenn eine mehrfache Impfung eine Infektion nicht ausschließt, konnte zumindest die Zahl der schweren Verläufe deutlich reduziert werden. Und so konnte trotz der weiterhin anhaltenden Omikron-Welle der Großteil aller Schutzmaßnahmen zurückgefahren werden.

Von Null-Covid-Strategie zu null Strategie
In China sieht die Lage gänzlich anders aus, denn dort hat man bis heute an der Null-Covid-Strategie durch großflächige Isolationsmaßnahmen festgehalten. Doch die Omikron-Varianten sind viel zu ansteckend und verbreiten sich viel zu schnell, so dass die strenge Quarantäne nicht mehr greift. Zudem werden Wohnblöcke und Stadtviertel zwar weiterhin abgeschottet, doch die Zeit des Verrammelns einzelner Wohnungstüren scheint vorüber zu sein. An ihre Stelle sind Zensur, Kontrolle und totale Überwachung getreten. Was in China nicht geschieht, ist ein vorbeugendes Impfen der Bevölkerung. Und das ist erstaunlich, schließlich wurden in China bereits sieben von chinesischen Unternehmen entwickelte Impfstoffe zugelassen:

  • Ad5-nCoV (Convidecia, PakVac) von CanSino Biologics und Beijing Institute of Biotechnology; Zulassung in China: 25. Juni 2020
  • BBIBP-CorV (BIBP-CorV, Covilo, Hayat-Vax von Beijing Institute of Biological Products (Sinopharm); Zulassung in China: 31. Dezember 2020
  • CoronaVac von Sinovac Biotech; Zulassung in China: 6. Februar 2021
  • WIBP-CorV von Wuhan Institute of Biological Products (Sinopharm); Zulassung in China: 25. Februar 2021
  • ZF2001 (Zifivax, RBD-Dimer) von Anhui Zhifei Longcom Biofarmaceutical und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften; Zulassung in China: 15. März 2021
  • KCONVAC von Minhai Biotechnology und Shenzhen Kangtai Biological Products; Zulassung in China: 14. Mai 2021
  • Covidful von der Chinesischen Akademie der Medizinwissenschaften; Zulassung in China: 9. Juni 2021

Einige dieser Impfstoffe exportiert China in andere asiatische Länder sowie nach Südamerika, doch zu Hause lassen die Impfkampagnen weiter auf sich warten. Noch erstaunlicher ist allerdings, dass China den Impfstoff Tozinameran (BNT162b2, Comirnaty) bisher nicht zugelassen hat, obwohl dieser zu den weltweit erfolgreichsten Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 zählt. Auch in Deutschland ist Tozinameran sehr beliebt, denn es ist der Impfstoff der Firmen Biontech (Deutschland) und Pfizer (USA). Ach ja, an der Entwicklung war auch der chinesische Pharmakonzern Fosun beteiligt. Tozinameran wurde bereits im Dezember 2020 in Großbritannien, Kanada, der Europäischen Union, Israel und mehreren arabischen und mittelamerikanischen Ländern zugelassen. In Hongkong wurde die Zulassung am 25. Jan. 2021 erteilt. Doch im Rest Chinas ist Tozinameran auch weiterhin nicht willkommen.

Die aktuelle Lage in China
Shanghai hat rund 25 Millionen Einwohner (Stand 2020) und die Mehrzahl von ihnen wurde zur Eindämmung der Infektionen am 19. März 2022 unter Hausarrest gestellt. Gut fünf Wochen später gibt es kaum noch Lebensmittel und so gut wie keine Medikamente. Was man noch online bestellen kann, ist völlig überteuert. Diabetiker und andere chronisch Erkrankte sterben aufgrund des organisatorischen Totalversagens. Die gesamte Stadt funktioniert nicht mehr, selbst der Müll wurde seit Wochen nicht mehr abgeholt. Dafür schicken die lokalen Behörden mit Knüppeln bewaffnete Trupps, die wie zuvor schon in Hongkong Hunde, Katzen und andere Haustiere, welche als mögliche Überträger betrachtet werden, erschlagen. Nachdem es zu Protesten und Plünderungen gekommen war, sollen die Knüppel auch Quarantänebrecher im Zaum halten. Die städtischen Isolationseinrichtungen sind gefürchtet, dort gibt es nur Gedränge aber keine Medizin. Eigentlich ist Shanghai mitsamt der Sonderwirtschaftszone Pudong das weltweit wichtigste Hafengebiet, doch aktuell ist es das erschreckendste Beispiel für Chinas Versagen bei der Bekämpfung der Covid-Pandemie. 25 Millionen Einwohner fürchten um ihr Leben und um ihre Gesundheit, während weltweit die ohnehin instabilen Lieferketten zusammenklappen.

Und Shanghai ist nicht der einzige Brandherd in China. Auch die Regionen um Changchun und Shenyang mit jeweils rund 9 Millionen Einwohnern (Stand 2020) wurden unter Quarantäne gestellt. Zudem droht ein Lockdown in Peking, wo die Abriegelung mehrerer Wohnblocks im größten Stadtteil Chaoyang nicht auszureichen scheint. Die Bevölkerung, knapp 22 Millionen (Stand 2020), ist jedenfalls nervös und Hamsterkäufe haben bereits zu ersten Versorgungsengpässen geführt. Auch wenn die chinesische Zensur kritische Berichte über die Situation in Shanghai und anderen Städten rigoros unterdrückt, wissen die Pekinger sehr wohl, was sie im Ernstfall erwartet. Dass die Zentralregierung in Peking noch zögert, dürfte mit dem Gesichtsverlust, den China beim Absperren seiner Hauptstadt erleiden würde, zu erklären sein. Es wäre das ultimative Eingeständnis dafür, dass Chinas Null-Covid-Strategie am Ende krachend gescheitert ist. Und das ist keinesfalls ein Grund für Schadenfreude, denn unter diesem Versagen wird die gesamte Welt leiden.

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