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iPhone X: Steht Apples teurer Ladenhüter vor dem Aus?

reported by doelf, Montag der 23.04.2018, 20:03:44 Uhr

Am 3. November 2017 schickte Apple sein Über-Flaggschiff iPhone X an den Start: Noch besser, noch schneller und noch teurer. Für die Einstiegsvariante mit 64 GB Speicherplatz muss man 1.149 Euro auf den Tisch legen und 256 GB Speicherkapazität bekommt man sogar erst für 1.319 Euro. Dennoch sahen sich Vorbesteller mit sehr langen Lieferzeiten konfrontiert. Also alles wie immer? Nein, denn jetzt erklärte der erste Analyst das iPhone X für tot.

Apples Partner, allen voran Samsung, beklagten schon im Februar eine schleppende Nachfrage. Tatsächlich ist es normal, dass die Nachfrage nach dem umsatzstarken Weihnachtsfest abebbt, doch angesichts der späten Produktvorstellung und der Lieferengpässe kam diese Entwicklung beim iPhone X überraschend. Diese Prognosen hatten Apples Aktie bereits am 8. Februar 218 bis auf 155,15 US-Dollar abrutschen lassen, nachdem der Kurs zur Einführung des iPhone X bis auf 176,24 US-Dollar geklettert war. Es folgte ein Auf und Ab, doch am Freitag geriet das Wertpapier nochmals massiv unter Druck und ging bei einem Verlust von 4,1 Prozent mit 165,72 US-Dollar ins Wochenende.

Was war passiert? Die Investmentbank Morgan Stanley hatte sich zu Wort gemeldet und ihre Prognose für Apple deutlich abgesenkt. Laut Morgan Stanley wird Apple die Erwartungen an das März-Quartal zwar halbwegs erfüllen können, doch für das Juni-Quartal rechnet die Bank nur noch mit 34 Millionen iPhones. Bisher war Morgan Stanley von 40,5 Millionen Telefonen ausgegangen und die ursprüngliche Vorhersage hatte sich sogar auf knapp 43 Millionen belaufen. Zuletzt hatte Apple im September-Quartal 2013 weniger als 34 Millionen iPhones abgesetzt. Morgan Stanley will seine Daten von Apples Zulieferern erhalten haben.

Einen Tag zuvor hatten bereits die Bank of America Merrill Lynch und J.P. Morgan ihre Zweifel geäußert. Dabei bezogen sich die Investmentbanker auf den Auftragsfertiger TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing), der seine Umsatzprognose für das zweite Quartal um rund eine Milliarde US-Dollar auf 7,8 Milliarden bis 7,9 Milliarden US-Dollar gestutzt hatte. TSMC hatte seinen Kunden Apple zwar nicht namentlich genannt, aber eine schwache Nachfrage im Mobil-Bereich für den heftigen Einbruch verantwortlich gemacht. Und Apples ist für TSMC ein wichtiger Kunde mit hohen Margen.

Als Totengräber betätigt sich indes der Analyst Neil Campling von Mirabaud Securities. Campling zieht neben TSMC auch AMS, Apples Zulieferer für 3D-Sensortechnologie (Face ID), heran, dessen Quartalsumsatz zuletzt sequentiell um 35 Prozent abgerutscht war. Da die Verkäufe des iPhone X immer weiter einbrechen, stapeln sich nach Camplings Informationen bei TSMC die Chips. Seine Firma beobachte die Lagerbestände von TSMC seit mehr als zehn Jahren und die Lager seien noch nie so voll gewesen. Für Campling ist es offensichtlich, dass Apple keine weiteren iPhone X fertigen lassen wird und sich stattdessen auf den Abverkauf konzentriert. Sein Fazit: Das iPhone X ist tot.