Bestandsaufnahme - Der Firefox für Android sieht momentan kein Tageslicht ‐ Seite 1/3

veröffentlicht von doelf am 31.08.2020 - UPDATE: 13.11.2020

UPDATE vom 13.11.2020: Neue Seite mit dem Fennec-Fork Iceraven und dem aktuellen Status des Fenix (Nightly). Dazu haben wir das Fazit aktualisiert, um die Entwicklung der letzten zweieinhalb Monate zu reflektieren.

UPDATE vom 02.09.2020: Hintergründe zu Fennec und Fenix, zur Kritik etlicher Entwickler und zu GeckoView wurden ebenso ergänzt wie ein Hinweis zum manuellen Downgrade auf die Version 68.11.0. Der Absatz zu Sammlungen wurde auf Basis eigener Erfahrungen und dem Feedback der Entwickler erweitert.

UPDATE vom 01.09.2020: Einige Details ergänzt, darunter Probleme mit Lesezeichen und Downloads, der weggefallene PDF-Export und die entfernten Navigationsschaltflächen. Der Absatz hinsichtlich des Öffnens neuer Tabs wurde überarbeitet, da einige Leser das Symbol zum Öffnen neuer Tabs nicht finden konnten. Die Frage nach Forks wird im Fazit behandelt.

Mozilla hat den Firefox für Android komplett neu entwickelt, dabei vollständig umgebaut und seine Nutzer mit dem Update zwangsbeglückt. Firefox Daylight nennt sich die neue Generation, die aufgrund fehlender Funktionen und einer kaum nachvollziehbaren Bedienung auf wenig Gegenliebe stößt. Auch unsere Begeisterung ist nicht existent, da zudem zahlreiche Webseiten nicht mehr sauber funktionieren. Eine Möglichkeit zum Downgrade ist nicht vorgesehen und das könnte dem Firefox unter Android endgültig den Hals brechen.

Titelbild
Fotostrecke mit weiteren und größeren Fotos...

Der Firefox Daylight (Codename: Fenix) trägt derzeit die Versionsnummer 79.0.5, welche auf den 19. August 2020 datiert und seither hagelt es im Play Store schlechte Kritiken mit ein oder zwei Sternen. Das Update sei schrecklich und man habe eine gut funktionierende App völlig unnötig kaputt gemacht, klagen zahlreiche Rezensenten. Und das Schlimme ist: Sie haben recht! Natürlich war eine umfassende Aktualisierung des Firefox notwendig, um zum davoneilenden Chrome-Browser aufschließen zu können. Doch der neue Firefox bricht mit allem Alten, ohne etwas besser zu machen. Die Bedienung ist umständlich, die Kompatibilität hat sich merklich verschlechtert und viele Funktionen fehlen komplett.

Eine neue Baustelle und kein einfacher Weg zurück

Nach dem Update oder vielmehr dem Austausch der alten Browser-App gegen eine völlig neue begrüßten mich nicht wie gewohnt meine zuletzt geöffneten Tabs, sondern die vom Desktop her bekannte Infoseite Neue Funktionen und Änderungen. Das ist angesichts des umfassenden Updates keine schlechte Idee, denn zumindest wird der Benutzer vorgewarnt. Wer ganz nach unten scrollt, kann gleich lossurfen oder auf dem Weg dahin noch ein paar Einstellungen vornehmen, etwa bezüglich des Darkmode oder der Platzierung der Symbolleiste. Diese sitzt nun standardmäßig unten, was ich persönlich zwar nicht mag, doch das lässt sich leicht ändern.

Alles neu
Fotostrecke mit weiteren und größeren Fotos...

Problematischer ist, dass eine unfertige Software wissentlich als Zwangs-Update verteilt wird, denn die FAQs führen viele offensichtliche Mängel bereits auf:

  • Wird der Firefox geschlossen und neu gestartet, zeigt er nicht die zuletzt geöffneten Tabs sondern seinen Startbildschirm.
  • Dieser Startbildschirm ist aktuell völlig nutzlos, weil sogar die Präsentation der am häufigsten besuchten Seiten fehlt.
  • An die Chronik gelangt man nur über das Menü und an die Downloads noch gar nicht.
  • Wer Zugangsdaten hinterlegt, kann diese nicht bearbeiten. Man kann sie über das Menü einsehen, löschen und kopieren, aber nicht ändern.
  • Es gibt keine Schaltfläche, um Tabs zu aktualisieren. Man muss in die Adresszeile gehen und neu laden.
  • Es wird nur eine begrenzte Anzahl von empfohlenen Erweiterungen unterstützt.
  • Benutzerdefinierte Suchmaschinen können nur manuell festgelegt werden.

Dass beim Update die Lesezeichen wild gemischt werden, fehlt in dieser Aufzählung. Und dass man diese dann nicht einmal neu sortieren kann, ist eine Zumutung. Zu den Lesezeichen gelangt man übrigens nur noch über das Menü. Ich frage mich auch, was aus dem PDF-Export geworden ist? Diese Funktion ist verschwunden und wird seitens Mozilla auch nicht mehr erwähnt. Selbst in den Beta- und Nightly-Versionen des neuen Firefox ist sie nicht zu finden. Meine Downloads scheitern fast immer und die Schaltflächen für vorwärts, rückwärts und schließen gibt es auch nicht mehr.

Ein kurzer Blick auf GitHub und Reddit zeigt, dass die Mehrzahl der Mängel und Probleme im Vorfeld bekannt war und viele Entwickler vor einer überstürzten Veröffentlichung gewarnt hatten, doch Mozilla wollte einen Wechsel mit der Brechstange. Tatsächlich schleppt der alte Firefox für Android (Codename: Fennec) viele Altlasten mit sich herum. Er basiert auf dem Firefox Mobile, der einst für Nokias Maemo-Plattform programmiert worden war, und nach elf Jahren will Mozilla diese Software nun nicht mehr weiterentwickeln und auch nicht mehr pflegen. Der Nachfolger mit dem Codenamen Fenix wurde zuvor als Firefox Focus getestet. Er basiert auf GeckoView, einer von Mozilla als Alternative zu Androids WebView entwickelten Schnittstelle zur Integration von Webinhalten in Apps. Die Idee einer für alle Android-Versionen und Varianten einheitlichen API ist löblich, doch das darauf aufbauende Vorzeigeprojekt Fenix ist noch mangelhaft.

Da Mozilla den alten Fennec im Play Store durch den neuen Fenix ersetzt hat, gibt es keinen einfachen Weg zurück. Die meisten Nutzer lassen ihre Apps automatisch aktualisieren und erhalten Firefox Daylight somit automatisch. Das sorgt für eine schnelle Verbreitung und einen zeitnahen Umstieg, aber auch für den größtmöglichen Frust. Wer den alten Firefox für Android zurück haben möchte, muss die Installation von Apps aus anderen Quellen erlauben und kann dann die Version 68.11.0 bei Mozilla herunterladen. Diese datiert auf den 27. Juli 2020 und wird keine weiteren Updates erhalten. Um zu verhindern, dass der alte Firefox gleich wieder auf Fenix aktualisiert wird, muss man zudem die automatische Aktualisierung der Apps deaktivieren.

Nutzlose Startseiten statt der letzten Tabs

Wenn ich einen Browser öffne, soll dieser meine zuletzt genutzten Tabs anzeigen, damit ich nahtlos weiterarbeiten kann. Diese Anforderung erfüllte der Firefox für Android bisher problemlos, doch der Firefox Daylight präsentiert mir stattdessen eine Startseite mit zwei grafischen Links auf Google und Wikipedia sowie einen Hinweis, dass ich Tabs in Sammlungen ablegen soll. Will ich meine Tabs sehen, muss ich zunächst in der Symbolleiste auf das entsprechende Symbol tippen. Das ist unpraktisch und umständlich.

Kaum Anpassungen möglich
Fotostrecke mit weiteren und größeren Fotos...

Und es lässt sich auch nichts Anpassen, denn der entsprechende Menüeintrag beschränkt sich derzeit auf die Anordnung der Symbolleiste und den Wechsel zwischen hellen und dunklen Theme (siehe obiges Bildschirmfoto). Individualisierung? Fehlanzeige!

Öd und leer: Die Startseite
Fotostrecke mit weiteren und größeren Fotos...

Hatten wir vor dem Schließen zuletzt einen privaten Tab geöffnet, startet der Firefox mit einer gänzlich leeren Seite ohne Links und Sammlungen (siehe obiges Bildschirmfoto). Das ist inkonsistent und verwirrend. Auch dass man mit einem Tippen auf das Masken-Icon, welches den privaten Modus symbolisiert, zwischen dem privaten Startbildschirm (leer) und dem normalen (unnütze) wechseln kann, ist kaum nachvollziehbar.


Diese Werbefläche wurde deaktiviert. Damit geht Au-Ja.de eine wichtige Einnahmequelle verloren.

Werbung erlauben ]