Bestandsaufnahme - Der Firefox für Android sieht momentan kein Tageslicht ‐ Seite 2/3

veröffentlicht von doelf am 31.08.2020 - UPDATE: 13.11.2020

Neuer Tab oder kein neuer Tab?

Ebenfalls unlogisch: Um das Pluszeichen zum Öffnen neuer Tabs zu sehen, muss man zunächst über die Symbolleiste zur Tab-Übersicht wechseln. Dort hängt es nun lustlos unterhalb der Tab-Liste herum und wenn man darauf tippt, scheint rein gar nichts zu passieren. Der Grund: Der Tab-Zähler zählt nicht hoch! So oft man das Symbol auch antippt, es tut sich einfach nichts. Oder doch? Tatsächlich wird beim ersten Tippen die nichtssagende Startseite als leerer Tab geöffnet.

Neuer Tab?
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In der Folge wird jedes weitere Tippen auf das Pluszeichen ignoriert, bis man im leeren Tab eine Adresse eingegeben und diese geladen hat. Erst dann wird auch der Zähler aktualisiert. Was aus Sicht des Programmierers einen Sinn ergeben mag, fühlt sich für viele Benutzer einfach nur falsch an - als sei die Schaltfläche zum Öffnen eines neuen Tabs ohne jede Funktion.

Sammlungen: Neu und halbherzig integriert

Wenn man sich entschlossen hat, die neuen Sammlungen zu benutzen, kommt irgendwann die Frage auf, wo man diese eigentlich findet. Über das Menü kann man nur die aktuelle Webseite in Sammlung speichern, nicht aber eine Übersicht der Sammlungen aufrufen. An diese gelangt man einzig über eine leere Startseite und auch das nur, solange man nicht im privaten Modus unterwegs ist. Und natürlich lässt sich eine im privaten Modus geöffnete Webseite auch keiner Sammlung hinzufügen. Wer den Hinweis bzw. die Belehrung bezüglich der Sammlungen auf seinem Startbildschirm schließt, wird sich vermutlich nie mehr mit diesem Thema beschäftigen. Erst wenn man aktiv eine Webseite einer Sammlung hinzufügt und damit eine erste Sammlung anlegt, tauchen diese wieder auf dem Startbildschirm auf - aber nur im normalen Modus und nicht im privaten.

Sammlungen
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Mozillas Intention, Sitzungen über Sammlungen zu organisieren, ist alleine deswegen schon fehlgeleitet, weil sich der Browser weiterhin die zuletzt geöffneten Tabs merkt, diese aber hinter dem Startbildschirm versteckt. Würde beim Schließen der App automatisch eine Sammlung mit den Tabs dieser Sitzung angelegt, wäre zumindest noch ein Konzept erkennbar. Doch so wirkt es nur, als wollten die Entwickler ihre Innovation namens Sammlungen partout nicht aufgeben, obwohl ihnen selbst jede Vision fehlt, wie man die Sammlungen eigentlich in den Browser und den Arbeitsablauf der Anwender integrieren soll. Und nun stelle man sich vor, es gäbe eine ordentliche Verwaltung für Lesezeichen und der Firefox würde in der Tab-Ansicht starten: Dann wären die tollen Sammlungen völlig überflüssig.

Oftmals deutlich langsamer und inkompatibler

Wenn dann etliche Webseiten gar nicht mehr bzw. kaum noch zu bedienen sind, sieht der Firefox schnell kein Tageslicht mehr. Auf meinem Xiaomi Mi A2 Lite (Android 10, 8 CPU-Kerne, 3 GiB RAM) laden die Webseiten bekannter Händler wie Bauhaus (bauhaus.info), Expert (expert.de), MediaMarkt (mediamarkt.de) und Saturn (saturn.de) extrem langsam und lassen sich im Anschluss kaum bedienen. Das fängt bei der Cookie-Zustimmung an, setzt sich über träge bis überhaupt nicht öffnende Menüs fort und endet mit unmöglichen Suchfeldeingaben. Gut, die genannten Webseiten sind keine Beispiele für schlankes (oder gutes) Webdesign, doch mit dem alten Firefox konnte ich dort zumindest noch zielsicher navigieren. Und je mehr Tabs geöffnet sind, desto eher wird die App inaktiv oder stürzt komplett ab. Eigentlich hatte Mozilla deutliche Leistungsverbesserungen versprochen, doch die vom Firefox Focus bekannte GeckoView-Engine enttäscht auf ganzer Linie.

Verbesserter Schutz vor Aktivitätenverfolgung

Eine wichtige Neuerung im Firefox Daylight ist ein Verbesserter Schutz vor Aktivitätenverfolgung, wie wir ihn vom Desktop schon kennen. Das ist fraglos eine tolle Sache, doch leider macht die atemberaubende Unbenutzbarkeit der neuen Version jeden Tracking-Schutz überflüssig: Die Privatsphäre wird alleine schon dadurch geschützt, dass man mit dem Firefox gar nicht mehr im Internet surfen mag. Sollte der Firefox Daylight irgendwann einmal die Kurve bekommen, werden die Möglichkeiten zum Schutz der Privatsphäre ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal sein.

Verbesserter Schutz vor Aktivitätenverfolgung
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Es fragt sich nur, ob Mozilla dann noch Nutzer haben wird. Schon im Juli 2020 meldete NetMarketShare nur einen Marktanteil von 0,48 Prozent für den mobilen Firefox. Dank Daylight wurde dieser bis Oktober auf 0,40 Prozent heruntergewirtschaftet. Grundsätzlich fällt es schwer, die Smartphone-Nutzer zur Installation eines alternativen Browsers zu bewegen, doch Opera gelingt dies derzeit deutlich besser: 1,48 Prozent Marktanteil bedeuteten im Oktober 2020 den vierten Rang hinter Google Chrome, Apple Safari und dem Samsung Browser.


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