Bestandsaufnahme - Der Firefox für Android sieht momentan kein Tageslicht ‐ Seite 2/2

veröffentlicht von doelf am 31.08.2020 - UPDATE: 02.09.2020

Neuer Tab oder kein neuer Tab?

Ebenfalls unlogisch: Um das Pluszeichen zum Öffnen neuer Tabs zu sehen, muss man zunächst über die Symbolleiste zur Tab-Übersicht wechseln. Dort hängt es nun lustlos unterhalb der Tab-Liste herum und wenn man darauf tippt, scheint rein gar nichts zu passieren. Der Grund: Der Tab-Zähler zählt nicht hoch! So oft man das Symbol auch antippt, es tut sich einfach nichts. Oder doch? Tatsächlich wird beim ersten Tippen die nichtssagende Startseite als leerer Tab geöffnet.

Neuer Tab?
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In der Folge wird jedes weitere Tippen auf das Pluszeichen ignoriert, bis man im leeren Tab eine Adresse eingegeben und diese geladen hat. Erst dann wird auch der Zähler aktualisiert. Was aus Sicht des Programmierers einen Sinn ergeben mag, fühlt sich für viele Benutzer einfach nur falsch an - als sei die Schaltfläche zum Öffnen eines neuen Tabs ohne jede Funktion.

Sammlungen: Neu und halbherzig integriert

Wenn man sich entschlossen hat, die neuen Sammlungen zu benutzen, kommt irgendwann die Frage auf, wo man diese eigentlich findet. Über das Menü kann man nur die aktuelle Webseite in Sammlung speichern, nicht aber eine Übersicht der Sammlungen aufrufen. An diese gelangt man einzig über eine leere Startseite und auch das nur, solange man nicht im privaten Modus unterwegs ist. Und natürlich lässt sich eine im privaten Modus geöffnete Webseite auch keiner Sammlung hinzufügen. Wer den Hinweis bzw. die Belehrung bezüglich der Sammlungen auf seinem Startbildschirm schließt, wird sich vermutlich nie mehr mit diesem Thema beschäftigen. Erst wenn man aktiv eine Webseite einer Sammlung hinzufügt und damit eine erste Sammlung anlegt, tauchen diese wieder auf dem Startbildschirm auf - aber nur im normalen Modus und nicht im privaten.

Sammlungen
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Mozillas Intention, Sitzungen über Sammlungen zu organisieren, ist alleine deswegen schon fehlgeleitet, weil sich der Browser weiterhin die zuletzt geöffneten Tabs merkt, diese aber hinter dem Startbildschirm versteckt. Würde beim Schließen der App automatisch eine Sammlung mit den Tabs dieser Sitzung angelegt, wäre zumindest noch ein Konzept erkennbar. Doch so wirkt es nur, als wollten die Entwickler ihre Innovation namens Sammlungen partout nicht aufgeben, obwohl ihnen selbst jede Vision fehlt, wie man die Sammlungen eigentlich in den Browser und den Arbeitsablauf der Anwender integrieren soll. Und nun stelle man sich vor, es gäbe eine ordentliche Verwaltung für Lesezeichen und der Firefox würde in der Tab-Ansicht starten: Dann wären die tollen Sammlungen völlig überflüssig.

Oftmals deutlich langsamer und inkompatibler

Wenn dann etliche Webseiten gar nicht mehr bzw. kaum noch zu bedienen sind, sieht der Firefox schnell kein Tageslicht mehr. Auf meinem Xiaomi Mi A2 Lite (Android 10, 8 CPU-Kerne, 3 GiB RAM) laden die Webseiten bekannter Händler wie Bauhaus (bauhaus.info), Expert (expert.de), MediaMarkt (mediamarkt.de) und Saturn (saturn.de) extrem langsam und lassen sich im Anschluss kaum bedienen. Das fängt bei der Cookie-Zustimmung an, setzt sich über träge bis überhaupt nicht öffnende Menüs fort und endet mit unmöglichen Suchfeldeingaben. Gut, die genannten Webseiten sind keine Beispiele für schlankes (oder gutes) Webdesign, doch mit dem alten Firefox konnte ich dort zumindest noch zielsicher navigieren. Und je mehr Tabs geöffnet sind, desto eher wird die App inaktiv oder stürzt komplett ab. Eigentlich hatte Mozilla deutliche Leistungsverbesserungen versprochen, doch die vom Firefox Focus bekannte GeckoView-Engine enttäscht auf ganzer Linie.

Verbesserter Schutz vor Aktivitätenverfolgung

Eine wichtige Neuerung im Firefox Daylight ist ein Verbesserter Schutz vor Aktivitätenverfolgung, wie wir ihn vom Desktop schon kennen. Das ist fraglos eine tolle Sache, doch leider macht die atemberaubende Unbenutzbarkeit der neuen Version jeden Tracking-Schutz überflüssig: Die Privatsphäre wird alleine schon dadurch geschützt, dass man mit dem Firefox gar nicht mehr im Internet surfen mag. Sollte der Firefox Daylight irgendwann einmal die Kurve bekommen, werden die Möglichkeiten zum Schutz der Privatsphäre ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal sein. Es fragt sich nur, ob Mozilla dann noch Nutzer haben wird.

Verbesserter Schutz vor Aktivitätenverfolgung
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Fazit

Bisher war der Firefox mein einziger Browser unter Android, doch für den Firefox Daylight sieht es in Zukunft ganz finster aus. Wenn man bei jeder neuen URL das Gefühl hat, Beta-Tester für eine unausgereifte Software zu spielen, installiert man schnell einen anderen Browser oder wechselt gleich zurück zu Googles Chrome. Und wenn man mit dem anderen Browser zufrieden ist, wird man nicht so schnell zum Firefox zurückkehren. Für mich ist Moziallas Entscheidung, den Firefox Daylight in diesem Zustand zu veröffentlichen, nicht nachvollziehbar - zumal es den Firefox für Android Beta als Versuchslabor gibt. Als Alternative verwende ich derzeit den Vivaldi Browser und meine Rückkehr zum Firefox ist derzeit mehr als fraglich.

Und das ist keinesfalls nur die Meinung eines dünnhäutigen Redakteurs, sondern die vieler enttäuschter Nutzer, denen wir hier eine Stimme geben wollen. Ihre 1- oder 2-Sterne-Bewertungen im Play Store lassen sich an Frustration und Enttäuschung kaum überbieten:

Gruselige Änderungen, Deinstalliert, ich bin entsetzt, macht dabei jede Menge kaputt, Miserabel, Das neue Update ist grauenhaft, ohne nachvollziehbaren Grund geändert, Seit dem Update der reine Müll, So ein Mist, ein grosser Mist, nur noch Schrott, Wird gelöscht, Eine Katastrophe, Was soll denn der Müll, jetzt nur noch digitaler Sondermüll, Umständlich und nicht ansprechend, Absoluter Schrott, einfach nur grausam, total unübersichtlich, Bedienung verschlimmbessert, Nicht zu durchschauende Handhabung, unübersichtlich verkompliziert, Unglaublicher Mist, Absoluter Müll, Redesign war unnötig und erleichtert die Bedingungen nicht, Die neue Version ist zum kotzen, unübersichtliches und benutzerunfreundliches Update, Das neue System ist Schrott, unbrauchbar geworden, unbrauchbar auf Android, Vollkommen unübersichtlich, von der Bedienung eine Verschlimmbesserung, Das neue UI ist unterirdisch schlecht, absolut unübersichtlich, alles kompliziert, schlicht unbrauchbar, umständlich verschachtelt, unglaubliche Lahmarschigkeit, Die neue Version tötet die Produktivität, Völlig blödsinnige Designentscheidungen.

Oder, wie es ein englischsprachiger Rezensent auf den Punkt brachte: The new version fixed something nobody has asked for. Time to fork? Leider nein, denn die alte Version auf Fennec-Basis wird nicht mehr gepflegt und bekommt somit auch keine Sicherheits-Updates mehr. Daher auch der harte Schnitt beim Wechsel zu Fenix. Doch diese Fehlentscheidung seitens Mozilla lässt die Firefox-Bewertung im Play Store momentan ins Bodenlose stürzen.

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