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Ein neuer Anlauf für Linux-Smartphones ‐ Seite 1/3

veröffentlicht von doelf am 16.05.2020

Android beherrscht den Smartphone-Markt und lediglich Apples iPhone konnte sich gegen Googles Übermacht behaupten. Das ist erstaunlich, denn Android nervt mit zahlreichen Macken, schleppender Update-Versorgung und Googles unbändigem Datenhunger. Doch zugleich punktet Android mit einem gewaltigen App-Angebot, dem niemand das Wasser reichen kann. Aber nicht jeder braucht unzählige Apps und eine kleine aber beharrliche Minderheit hofft weiterhin auf eine offene Smartphone-Plattform. Und tatsächlich regt sich wieder etwas - sowohl auf Seiten der Software als auch in Bezug auf die Hardware.

Ein neuer Anlauf für Linux-Smartphones

Betriebssystem: Ubuntu Touch by UBports

Da wäre Ubuntu Touch by UBports, die von der Community vorangetriebene Weiterentwicklung von Ubuntu Touch. Ubuntu Touch wurde im Herbst 2011 von der Canonical Foundation angekündigt, die damals auf einen Durchbruch für Linux auf Smartphones, Tablets und TV-Geräten gehofft hatte. Um eine einheitliche Basis zu schaffen, wurde die Linux-Distribution Ubuntu auf den Display-Server Mir und das Unity-Desktop umgebaut. Für eine kurze Zeit konnte man Mobilgeräte mit vorinstalliertem Ubuntu Touch von BQ und Meizu kaufen, doch deren Auflagen waren stark limitiert und große Hersteller ließen das mobile Linux links liegen, da sie die Kosten einer weiteren Plattform scheuten und es sich nicht mit Google verderben wollten. Und so ließ Canonical seinen vielversprechenden Ansatz im Frühjahr 2017 fallen.

Ubuntu Touch OTA 12

Glücklicherweise übernahm das Community-Projekt UBports die Weiterentwicklung und wurde im Jahr 2019 in die gemeinnützige Stiftung UBports Foundation überführt. Seit dem 13. Mai 2020 liegt Ubuntu Touch OTA-12 zum Download bereit und bringt Neuerungen wie Unity8 (Lomiri) 8.20 und Mir 1.2. Unity8 8.20 wurde um zahlreiche Selbsttests erweitert, welche die Fehlersuche erleichtern sollen. Viel bedeutender ist allerdings Mir 1.2, denn die bisherige Version 0.24 des Display-Servers stammte noch aus dem Jahr 2015. Mir 1.2 wurde 2019 freigegeben und soll zügig durch die im April 2020 veröffentlichte Version 1.8 ersetzt werden. Ubuntu Touch by UBports wurde auf 37 Geräte portiert und kann jetzt auch wieder vorinstalliert auf einem Smartphone gekauft werden, dem Pinephone.

Smartphone: Pinephone

Das Pinephone sieht aus wie ein typisches Smartphone der Einstiegsklasse: Ein Gehäuse aus Kunststoff, ein 5,95 Zoll großes Display mit 1.440 x 720 Pixeln, ein Allwinner A64 mit vier 64-Bit-ARM-Kernen (Cortex A-53 @ 1,2 GHz) und Mali-400-GPU, 2 GiB LPDDR3-Speicher und 16 GB Flash-Speicher. Die beiden Kameras leisten lediglich 5 bzw. 2 Megapixel, doch es gibt LTE und eine Kopfhörerbuchse mit integrierter serieller Schnittstelle. Modem, WiFi, Bluetooth, Mikrofon, Kopfhörerbuchse und die beiden Kameras lassen sich per DIP-Schalter deaktivieren und der Akku ist austauschbar. Weiterhin lässt sich das Telefon von microSD-Karten booten. Als Betriebssystem stehen Ubuntu Touch by UBports, postmarketOS (Basis: Alpine Linux), Debian-PinePhone (inoffiziell, Basis: Debian), Sailfish OS (Weiterentwicklung von Mer), PureOS (Basis: GNU/Linux, entwickelt von Purism), Fedora (inoffiziell), Arch Linux ARM, Manjaro ARM, Maemo Leste (Basis: Devuan, also Debian minus systemd), Nemo Mobile (quell-offene Variante von Sailfish OS), KDE Neon, NixOS und LuneOS (Basis: WebOS von LG) zur Auswahl - man sollte allerdings nicht erwarten, dass bereits alles rund läuft. Bei den meisten Betriebssystemen fehlen noch grundlegende Funktionen wie die Kamera oder das Power-Management.

Pinephone Community Edition UBports

Ja, das Pinephone ist eine Bastelbude, aber es macht große Fortschritte: Im November 2019 wurden zunächst grob zusammengeschusterte Vorseriengeräte verschickt, zum Jahreswechsel folgte dann die Brave Heart Edition für hartgesottene Vorbesteller und nun gibt es die Community Edition: UBports mit alltagstauglicher Hardware (PCB-Version 1.2 mit CE- und FCC-Zertifikaten) und einem vorinstallierten Betriebssystem im Beta-Stadium. Auch diese richtet sich nicht an Endkunden, sondern vielmehr an Entwickler und Tester, die Bugs und Kummer gewohnt sind. Zumindest kann man bereits telefonieren, SMS versenden, Datenübertragungen per LTE nutzen und GPS verwenden. Auch Grafikbeschleunigung und Energiemanagement sind vorhanden. Primär geht es aber darum, Ubuntu Touch auf diesem Gerät zur Reife zu bringen und die UBports Foundation mit den erzielten Gewinnen zu unterstützen. Mit 149,99 US-Dollar plus Versandkosten ist das Pinephone für ein Kleinserientelefon geradezu billig, allerdings fallen bei der Einfuhr noch Zollgebühren und Steuern an. Mit 30 Tagen ist die Garantiezeit allerdings auch erschreckend kurz. Wer ein Smartphone sucht, auf dem man praktisch jede Linux-Distribution für ARM installieren kann, kommt um das Pinephone jedoch nicht herum.


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