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Ein neuer Anlauf für Linux-Smartphones ‐ Seite 3/3

veröffentlicht von doelf am 16.05.2020

Smartphone: Volla Phone

Aber bei den Telefonen gibt es noch eine dritte Alternative: Das Volla Phone von Hallo Welt Systeme aus Remscheid. Dieses Telefon soll im November 2020 auf den Markt kommen. Über Indiegogo kann man das Volla Phone für 359 Euro vorbestellen, eine erste Charge wurde über Kickstarter zum Preis von 298 Euro angeboten und ist bereits ausverkauft. Neben dem vorinstallierten Volla OS (auf Basis des Android Open Source Project ohne Google-Dienste) soll das Telefon auch Ubuntu Touch by UBports und Sailfish OS unterstützen. Betreibt man das Gerät mit Volla OS, sichert der VPN-Dienstleister Hide.me die Datenübertragungen ab. Ein Benutzerkonto ist nicht erforderlich.

Volla Phone

Während das Volla Phone preislich im Mittelfeld liegt, ist seine Hardware-Ausstattung die mit Abstand beste: Das Display misst 6,3 Zoll und der Mediatek Helio P23 taktet seine acht Cortex-A53-Kerne mit 2,0 GHz. Es gibt 4 GiB RAM, 64 GB Flash-Speicher und zwei 16-Megapixel-Kameras. Die Hauptkamera verfügt über einen Phasendetektions-Autofokus (PDAF) und eine zweite Kamera mit 2 Megapixel Auflösung. Der Akku ist mit 5.000 mAh recht üppig bemessen und lässt sich sowohl schnell (9V2A) als auch kabellos laden. Als einziges der drei Linux-Telefone bietet das Volla Phone Dual-SIM und einen Fingerabdruckleser. Gebaut wird das Gerät übrigens in Deutschland bei Gigaset.

Betriebssystem: Sailfish OS

Bleibt noch Sailfish OS, die dritte Betriebssystem-Option des Volla Phone: Nachdem Nokia seine Linux-Ambitionen aufgegeben hatte, um seine Marktführerschaft bei Mobiltelefonen mit Hilfe von Windows Phone und Windows Mobile endgültig zu begraben, sammelte sich eine Gruppe enttäuschter Mitarbeiter und gründete Jolla. Nach kleineren Ausflügen in den Bereich der Hardware konzentriert sich Jolla inzwischen auf die Software und diese heißt Sailfish OS. Sailfish OS ist eine Weiterentwicklung von Nokias Mer und dessen Vorgänger MeeGo, es liegt inzwischen in der dritten Hauptversion vor.

Sailfish OS

Die Basisversion von Sailfish OS ist kostenlos. Die Vollversion, welche auch Android-Apps ausführen kann, kostet 49,90 Euro. Letztere gibt es für Sonys Xperia 10, Xperia 10 Plus, diverse Varianten des Xperia XA2 und das Xperia X. Die Version für den Gemini PDA kostet nur 29,90 Euro, dieser fehlt aber auch die Unterstützung für Android-Apps. Ein Kritikpunkt an Sailfish OS ist der teilweise geschlossene Quellcode. Eine vollständig freie Variante ist als Nemo Mobile in Arbeit.

Fazit

Zugegeben: Keines der vorgestellten Betriebssysteme wird Googles Marktmacht brechen und keines der präsentierten Smartphones wäre mit einem vorinstalliertem Android im Endkundenmarkt konkurrenzfähig. Doch alleine die Tatsache, dass drei neue Telefone mit alternativen Betriebssystemen auf den Markt kommen, ist ein Hoffnungsschimmer für alle, die sich nicht für alle Zeiten an Apple oder Google binden wollen. Ob in Notebooks oder Servern - ARM ist auf dem Vormarsch und etabliert sich als Alternative zur x86-Architektur. Und mit der wachsenden Bedeutung von ARM wird auch Linux immer stärker auf diese Plattform portiert. Und hiervon profitieren auch alle Projekte, die Linux auf Smartphones bringen wollen, denn dem Betriebssystem ist es erst einmal egal, ob die von ihm genutzten ARM-Kerne in einem Server, einem Raspberry Pi oder einem Smartphone stecken. Schwieriger wird die Sache beim Energiemanagement oder der Hardware-Beschleunigung des Grafikchips. Für zusätzliche Bauteile wie Kameras werden Treiber und Dokumentationen benötigt, die zumeist nicht frei verfügbar sind, und das völlig autark agierende Mobilfunkmodem lässt sich vorerst nur über physische Schalter beherrschen. Ein völlig offenes Smartphone liegt daher noch in weiter Ferne.

Für alle, die sich als Endkunden betrachten und sofort umsteigen wollen, stellt /e/ eine interessante Alternative da. Mit LineageOS als Basis ist /e/ noch sehr nah an Android dran, kommt aber ganz ohne Google aus. Die Idee, das System auf gebrauchten Telefonen vorzuinstallieren und diese dann gebrauchsfertig zu verkaufen, finden wir genial. Wer sich etwas besser auskennt, kann /e/ oder LineageOS auch selbst auf seinem Telefon installieren - und das ist allemal besser, als ein altes Smartphone in einer Schublade verschwinden zu lassen oder es wegzuwerfen. Auch das nur teilweise offene Sailfish OS versucht mit Android-Kompatibilität und seiner Kooperation mit Sony einen spannenden Spagat. Im Gegensatz zu /e/ ist es kein Android-Abkömmling und somit eine echte Alternative. Sony verkauft zwar keine Telefone mit vorinstalliertem Sailfish OS, doch Jollas Support unterstützt seine Kunden beim Betriebssystemwechsel und der gewohnte Funktionsumfang bleibt erhalten. Forscher und Entdecker sollten lieber zum Pinephone greifen - das ist zwar nur bedingt für den täglichen Einsatz geeignet, dafür kann man sich mit zahlreichen unfertigen Betriebssystemen austoben.


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