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CeBIT 2007 - Teil 15: AMD und ATi - 1/3
26.03.2007 by doelf
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Wir hatten im Vorfeld der CeBIT einen Termin mit AMD vereinbart und waren ein wenig verwundert, als eine Woche vor der Messe unser Telefon klingelte. Am anderen Ende war AMDs Presseagentur und fragte, ob wir nicht im Anschluss an unseren Termin auch mit ATi sprechen wollen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir davon ausgegangen, dass unser Interview bei AMD auch ATi zum Inhalt haben werde. Nun gut, etwas mehr Zeit, um über AMD und ATi zu sprechen, wird sicher nicht schaden, also bestätigten wir auch den Termin bei ATi. Wir müssen an dieser Stelle festhalten, dass ein Gesprächstermin bei ATi einen großen Fortschritt zu den letzten Jahren darstellt, denn bisher wurden unsere Anfragen regelmäßig abgelehnt, da wir kein Printmedium sind. Es ist erfreulich, dass AMDs offener Umgang mit allen Medien nun auch bei ATi Einzug hält.

Unsere ersten Gesprächspartner waren Stephan Schwolow, Public Relations Representative CE der AMD GmbH, und Ron Myers, Divisional Manager AMD Validated Solutions. Als geborene Diplomaten fielen wir sogleich mit der Tür ins Haus und fragten, was AMD im Laufe dieses Jahres der Intel Core Miktoarchitektur entgegenstellen kann. Bereits diese Frage schien unsere Gesprächspartner ein wenig zu verwundern, darum erläuterten wir den Grund für diese Frage. Wir Journalisten, die Händler und auch die Endkunden haben über Jahre miterlebt, dass AMD mit Innovationen frischen Wind in den Prozessormarkt brachte. Die Architektur des AMD Athlon 64 erwies sich im Vergleich zu Intels Netburst-Architektur als effizienter und leistungsfähiger, AMD konnte insbesondere dank mehr Leistung pro Watt in allen Marktsegmenten neue Kunden gewinnen und sich mit den Opteron Prozessoren auch auf dem Markt für Worksations und Server etablieren. Um es auf den Punkt zu bringen: AMD hatte seit 2003 die Nase in vielen Punkten vorn.


Quelle: AMD

Dann, im Mai 2006, stellte AMD seine AM2 Plattform vor und wechselte auf DDR2-Arbeitsspeicher. Doch der Umstieg von DDR400 auf DDR2-800 brachte keine großen Leistungsgewinne mit sich und auch eine Steigerung der CPU-Taktraten blieb aus. Im Dezember 2006 folgte dann der DIE-Shrink auf 65 nm, doch es sollte bis Anfang März 2007 dauern, ehe diese Prozessoren im europäischen Endkundenmarkt ankamen. Wer sich von der 65 nm Fertigung höhere Taktraten versprochen hatte, wurde enttäuscht, denn die Spitzenmodelle werden bei AMD auch weiterhin im 90 nm Prozess hergestellt. Dafür arbeiten die 65 nm Dual-Core Prozessoren durch die Bank mit einer TDP von maximal 65 Watt, während ihre 90 nm Pendants - mit Ausnahme der EE-Baureihe - mit 89 Watt spezifiziert sind.


Quelle: AMD

Intel hatte indes im Juli 2006 die Core Mikroarchitektur eingeführt und die Netburst Prozessoren der Pentium 4 und Pentium D Baureihe zu Schnäppchenpreisen auf's Abstellgleis geschoben. Mit den Core 2 Duo Modellen erzielt Intel nicht nur eine sehr gute Performance, sondern auch eine Leistungsaufnahme von maximal 65 Watt bzw. 75 Watt beim Core 2 Extreme X6800. Die Core Mikroarchitektur stellt AMD nun gleich vor drei Herausforderungen: Zum einen will AMD die absolute Leistungskrone zurückgewinnen, zum anderen bietet Intel derzeit mehr Leistung pro Watt. Im unteren Preisbereich wildern zudem Intels leistungsstarke, aber zugleich auch stromhungrige Pentium D Prozessoren und üben einen massiven Preisdruck auf AMD aus.


AMD Quad FX System bei Listan

Wie nicht anderes zu erwarten, sahen unsere Gesprächspartner von AMD die Situation etwas differenzierter. Einen Preiskampf mit Intel verneinten sie, denn dieser wäre sowohl für AMD als auch für Intel schädlich. Zudem sei Intels Core Mikroarchitektur nur in einigen Bereichen performanter und Intels Mitte November 2006 eingeführter QX6700 sei kein echter Quad-Core Prozessor, es handele sich vielmehr um zwei Dual-Core Prozessoren in einem Gehäuse. Damit hat Ron Myers durchaus recht, dennoch erscheint uns Intels Ansatz sinnvoller als AMDs Quad FX Plattform, auf der zwei einzelne Dual-Core Prozessoren ein System mit vier Kernen verwirklichen.

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CeBIT 2007 - Teil 15: AMD und ATi - 2/3
26.03.2007 by doelf
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CPU: Barcelona und Agena
An diesem Punkt waren die Standpunkte aller Gesprächspartner geklärt und wir konnten zur anfänglichen Frage zurückkehren: Was wird AMD im Laufe dieses Jahres der Intel Core Miktoarchitektur entgegenstellen?


Quelle: AMD

Die Antwort lautet "Barcelona" und die Architektur dieser neuen Prozessorgeneration sieht vielversprechend aus. Wie bei Intels Core Mikroarchitektur stellt der Barcelona-Kern einen echten Generationswechsel dar und wird der erste echte Vierkerner auf dem Markt sein. Intels 65 nm Kentsfield wird in Kürze einen DIE-Shrink auf 45 nm erfahren, doch auch dieser neue Kern wird aus zwei Doppelkernen bestehen. AMDs Barcelona vereint seine vier Kerne hingegen zu einer echten Quad-Core CPU, wobei jeder einzelne Kern über einen eigenen Level 1 und 2 Cache verfügt und sich alle vier Kerne einen gemeinsamen Level 3 Cache teilen. Dieser Level 3 Cache ermöglicht einen schnelleren Datenaustausch zwischen den vier Kernen.


Quelle: AMD

Der Barcelona soll laut AMD bereits Mitte 2007 für den Workstaion- und Server-Markt erscheinen und von aktuellen Sockel F (1207 Pin) Mainboards unterstützt werden. AMD hat den Barcelona als Drop-In-Replacement konzipiert, damit ist gemeint, dass die neue Prozessorgeneration nicht nur den selben Sockel und die selben elektrischen Spezifkationen haben wird, sondern auch mit der selben maximalen Verlustleistung arbeitet. Die TDP des Barcelona wird demnach 95 Watt betragen, effizientere Versionen werden maximal 68 Watt verbrauchen. AMD erreicht diese niedrigen Verbrauchswerte durch den Einsatz verbesserter Stromspartechniken. So wird der Barcelona die dynamische Taktung der einzelnen CPU-Kerne ermöglichen, zudem hat AMD die Stromversorgung des Speichercontrollers abgekoppelt. Weiteres Energiesparpotential setzen die Texaner durch das lastabhängige Abschalten einzelner Logikbereiche frei. Die Verbreiterung der SSE-Einheit auf 128 Bit soll - wie bei Intels Core 2 Duo - für eine deutliche Leistungssteigerung sorgen. Einzige Vorraussetzung für die Verwendung einer Barcelona CPU ist ein BIOS-Update.


Quelle: AMD

Im Desktopsektor wird AMD die neue Architektur im Laufe des zweiten Halbjahres einführen. Der Quad-Core Prozessor hört hier auf den Namen "Agena" und wird im Sockel AM2+ arbeiten und DDR2-Arbeitsspeicher nutzen. AMD will im Desktopsektor Prozessoren mit einer TDP von 65 sowie 45 Watt anbieten, ein Quad-Core Drop-In-Replacement für die Quad FX Plattform ist ebenfalls geplant. Fassen wir zusammen: Während Intel den Schritt zur 45 nm Fertigung vollzieht und sich in erster Linie auf ein DIE-Shrink konzentriert, läutet AMD seine nächste Prozessorgeneration ein. Ron Myers betonte, man wolle mit dem hauseigenen Quad-Core nicht First-to-market sondern Best-to-market sein, und er strahlte dabei die Zuversicht aus, dass der Barcelona dieses Ziel mit Leichtigkeit erfüllen wird. Wir dürfen also gespannt sein, wer Ende des Jahres die Leistungskrone in der Hand halten wird.

"Open Platform" oder nicht?
Mit der Übernahme von ATi wurde AMDs Angebot nicht nur um Grafiklösungen, sondern auch um Chipsätze erweitert. Die Texaner hatten in der Vergangenheit zwar den einen oder anderen Chipsatz angeboten, aber dabei ging es in erster Linie darum, neue Plattformen im Markt zu etablieren und das Chipsatzgeschäft im nächsten Schritt an Partner wie ATi, NVIDIA, SiS oder VIA abzugeben. Doch nun ist AMD in der Lage, komplette Plattformen aus Prozessor, Chipsatz und Grafiklösung zu vermarkten, auf der anderen Seite will AMD seine Partner nicht vergraulen. Die Lösung besteht für AMD nun darin, sowohl die eigenen Produkte, als auch die der Partner in Programme wie "AMD Better by Design" und "AMD Validated Solutions" miteinzubeziehen.


Quelle: AMD

Für AMD bietet sich die Chance, seinen Kunden durch ordentliche Validierungen die Wahl einer leistungsfähigen und stabilen Plattform zu erleichern und die hauseigenen Prozessoren nicht einzeln, sondern als Komplettpaket zu vermarkten. Dennoch ist der Spagat zwischen den eigenen und fremden Plattformen ein Kunststück, dessen Praktikabilität sich in der Zukunft erst noch beweisen muss. Im Notebook- und Desktopsegment ist AMD schon gut aufgestellt, woran es noch mangelt sind Workstation- und Serverchipsätze. Auch der Barcelona wird im Sommer als AMD CPU und nicht als AMD Plattform an den Start gehen.

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CeBIT 2007 - Teil 15: AMD und ATi - 3/3
26.03.2007 by doelf
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Die Chancen von DTX
Es gibt bereits zahlreiche kompakte Bauformen, angefangen bei Micro-ATX über Flex-ATX bis zu VIAs Mini-ITX. AMD sieht im Bereich der SFF-Computer ein großes Marktpotential und möchte mit seinem offenen Industriestandard DTX mitreden. Dabei scheinen sich die Texaner die beliebten Mini-Barebones genau angesehen zu haben, denn der große Vorteil des DTX-Formates besteht darin, dass dieses zwei Erweiterungskarten erlaubt. DTX steht damit für einen Mittelweg zwischen sehr kompakten und sinnvoll erweiterbaren Computern.


Quelle: AMD

Die Frage, die über den Erfolg von DTX entscheiden wird, ist simpel: Lassen sich Computer im DTX-Format preiswerter produzieren oder nicht? Falls die Nachfrage hoch genug ist, bietet der DTX-Formfaktor Potential, sollte es - wie bei VIAs Mini-ITX - bei vergleichsweise geringen Stückzahlen bleiben, wird sich DTX aus Kostengründen allerdings kaum durchsetzen können.

ATis R600
Nach unserem Gespäch mit Stephan Schwolow und Ron Myers trafen wir uns mit Chris Hook, Head of Public Relations bei ATi Technologies Europe. Chris Hook begann mit AMDs 690G Chipsatz und wir zeigten uns verwundert. Wir haben doch einen Termin mit ATi, warum sprechen wir dann über einen Chipsatz von AMD? Da dieser eine ATi Radeon X1250 Grafikeinheit beinhaltet, welche AMDs Prozessoren zur überlegenen Plattform für Windows Vista macht, erläuterte unser Gesprächspartner. Wir erwiderten, dass uns die Vorteile des AMD 690G im Vergleich zu Intels G965 durchaus bekannt sind, wir uns mit ihm aber lieber über diskrete Grafiklösungen - z.B. ATis R600 - unterhalten würden. Die Antwort lautete "no comment".


Quelle: AMD

Im weiteren Gesprächsverlauf versuchte Chris Hook das Thema R600 konsequent zu umschiffen, während wir immer wieder in diese Kerbe schlugen. Schließlich hatten uns zahlreiche Hersteller den Rat "Wenn ihr was zum R600 wissen wollt, müsst ihr AMD fragen!" mit auf den Weg gegeben. Nach einigen Minuten waren beide Seiten verständlicherweise etwas genervt. Wir sprachen Chris Hook nun direkt auf die Demosysteme an, welche AMD am Vortag bei seinen Partnern entfernt hatte. Er bestätigte, dass AMD einigen Partnern solche Systeme zur Verfügung gestellt habe, allerdings unter der Auflage, diese verschlossenen Rechner nicht der Presse zu zeigen. Nachdem die ersten Fotos im Internet aufgetaucht waren, hatte man diese Systeme wieder eingesammelt. Doch warum die Geheimniskrämerei? Warum sollen weder die Presse noch normale CeBIT Besucher ATis erste DirectX 10 Grafikkarte zu Gesicht bekommen? Schließlich zeigen NVIDIAs Partner an jeder Ecke die GeForce 8800, welche seit Monaten im Handel ist. Chris Hook erklärte, man wolle zum Launch die Journalisten und die Entwickler zusammenbringen, damit die Tragweite des R600 in allen Facetten beleuchtet werden kann. In seinen Augen wäre es nicht sinnvoll, entsprechende Grafikkarten auf der CeBIT in Glasvitrinen zu zeigen. Unseren Informationen nach wird der Launch-Event nur noch wenige Wochen auf sich warten lassen und wir finden es schade, dass AMD nicht die weltgrößte Computermesse zum Anlass nahm, die neue GPU vorzustellen. Wenn die Hersteller keine Neuheiten mit auf die CeBIT bringen, fehlt der Messe eine entscheidende Zutat und das Ergebnis bleibt fade und ist nicht sonderlich aufregend. Im Rahmen von AMDs Pressekonferenz wurde zumindest ein interessantes Detail zum R600 gelüftet: Die CPU wird bei der HDMI-Ausgabe nicht nur auf das Videosignal beschränkt sein, sondern auch das Audiosignal digital übertragen.


Quelle: AMD

Ein weiteres Thema, das uns am Herzen lag, erwischte Chris Hook leider ebenfalls auf dem falschen Fuß. Angesichts von immer effizienter werdenden Prozessoren erscheint es uns schon ein wenig bizarr, dass die Stromaufnahme der Grafikchips seit Jahren stetig ansteigt. ATis R600 soll angeblich einen Stromverbrauch bis zu 240 Watt aufweisen, eine Angabe, die im Gespräch weder bestätigt noch widerlegt wurde. Kombiniert man nun zwei R600 basierende Grafikkarten für die 3D-Berechnung und eine dritte für die Phsyik mit einer AMD Quad FX Plattform, hat man die 1000 Watt schnell hinter sich gelassen und noch keine einzige Festplatte eingebaut. Wir wollten wissen, wie die High-End Gamersysteme der folgenden Generationen aussehen werden, denn unsere heimischen Steckdosen sind schließlich auf 1500 Watt limitiert. Zu diesem Thema bekamen wir keinen Kommentar und auch zu ATis kommender DirectX 10 Mittelklasse gab es keine Informationen. Zum Abschluss zeigte uns Chris Hook ein System mit einer R600, bei der es sich allerdings nicht um das finale Produkt handelte. Die Grafikkarte hatte in etwa die Abmessungen einer Radeon X1950 XTX und durfte nicht fotografiert werden.

Wir erlebten bei AMD zwei Gespräche, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Während Ron Myers die Architektur des Barcelona mit einer schon ansteckenden Begeisterung bis ins Detail erklären durfte, hatte ATi entschieden, zum R600 zu schweigen. Möglicherweise ist ATis R600 ein großartiges Produkt, doch da wir so gut wie nichts über ATis erste DirectX 10 GPU erfahren haben, konnten wir uns leider keine eigene Meinung bilden. Auf jeden Fall möchten uns herzlich bei Stephan Schwolow, Ron Myers und Chris Hook für das offene Gespräch bedanken und hoffen, AMDs neue Produkte im Laufe des Jahres ausführlich vorstellen und testen zu können.
Fotos: Michael Doering, Kevin Kleibömer, Rolf Quint.

Weiter zu Teil 16: Intel (Prozessoren und Chipsätze)

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