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Guide: Vier Tücken beim HDTV-Empfang über Satellit - Druckansicht - Seite 1 von 2

Die Analogabschaltung über Satellit am 30.04.2012 brachte schließlich die Wende und nun gibt es auch in Deutschland ein substanzielles HDTV-Programmangebot. Inzwischen sind 19 HD-Programme über DigitalSat zu empfangen. Und zwar so, wie es der auf der Welt einzigartige TV-Markt in Deutschland gebietet - nämlich frei, unverschlüsselt und zum großen Teil öffentlich-rechtlich finanziert. Allerdings stolperten einige Zuschauer beim der Umstellung auf HDTV über unerwartete Probleme. Dieser Guide erklärt wo sich die Fallstricke verstecken und wie man diese umgehen kann.

Die HDTV-Grundversorgung
Derzeit sind über Astra auf der Position 19,2° Ost (Stand Mitte Mai 2012) 13 öffentlich-rechtliche HD-Programme auf Sendung, nämlich "Das Erste HD", "ZDF HD", "ZDF Neo HD", "ZDF Kultur HD", "ZDF Info HD", "3 Sat HD", "Arte HD", "Kika HD", "Phoenix HD" sowie die Dritten "Bayerisches Fernsehen HD", "NDR HD", "SWR HD" und "WDR HD". "Einsfestival HD" ist im Testbetrieb und sendet noch kein reguläres Programm. Hinzu kommen sechs frei empfangbare private Anbieter, namentlich "Anixe HD", "HSE 24 HD", "Juwelo TV HD", "Servus TV HD", "Sonnenklar TV HD" und "QVC HD". Zusammen sind das immerhin 19 mehr oder minder interessante HDTV-Angebote, die keinen Cent extra kosten.

Mehr HDTV gefällig?
Wer noch mehr HD braucht, kann gegen Pauschal- oder Abogebühren zahlreiche weitere private HD-Sender empfangen - inklusive der inzwischen allseits beliebter Bevormundungen. Beispielsweise wird das Spulen innerhalb von Aufzeichnungen unterbunden, die Aufnahme kann nicht kopiert oder weiterverarbeitet werden und das zeitversetzte Fernsehen ist nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. Für so manchen Zuschauer werden hierdurch die SD-Varianten der betroffenen Sender wieder richtig attraktiv. Derzeit umfasst das HD+-Paket 14 weitere HDTV-Programme: "RTL HD", "Sat.1 HD", "ProSieben HD", "VOX HD", "Kabel 1 HD", "RTL II HD", "Super RTL HD", "N24 HD", "Sport 1 HD", "DMAX HD", "Nickelodeon HD", "Comedy Central HD" und "Sixx HD". Hierfür zertifizierte Receiver kosten ca. 50 Euro mehr und ermöglichen den Empfang der genannten Sender ohne Zusatzkosten. Bis die mitgelieferte Karte dann nach einem Jahr wieder aufgeladen werden muss - derzeit zu einer Jahresgebühr von 50 Euro. Wem dies nicht genügt, der kann sein HDTV-Programmaufgebot über Sky zu sagenhaften Preisen weiter aufmotzen.

HDTV-Segen mit Tücken
Leider bleibt der HDTV-Segen nicht ohne Tücken. Schnell kursierten daher frisch nach der Analog-Ab- und HDTV-Aufschaltung die Meldungen zu Problemen mit der (in Deutschland) erstmals breitenwirksamen Technik. Als einige Receiverhersteller mit Software-Updates reagierten, war schnell ein Sündenbock gefunden. Es zeigte sich aber, dass die Probleme durchaus vielschichtiger Natur sind. Über Firmware-Updates lassen sich nur zwei der möglichen Ursachen lösen bzw. lindern.

Die Mär vom maximalen Pegel
Denn was für Analog-Sat durchaus stimmte, ist für digitales Fernsehen längst nicht in allen Fällen wahr. Bis vor nicht allzu langer Zeit galt bei der Einmessung analoger Sat-Anlagen: Quetsche den maximalen Pegel aus der Empfangsanlage und erhalte bei allen Empfangsbedingungen das bestmögliche Fernsehbild. Aber diese Zeiten sind vorbei! Warum?

Problem Nr. 1 - Die digitale Übertragung
Für den digitalen Sat-Empfang im DVB-Standard ist die "Lautstärke" des Signals in dB nicht mehr die zentralste Größe. Viel wichtiger ist die digitale Bit-Fehlerhäufigkeit des empfangenen Sat-Signals, die "Bit Error Rate". Schließlich werden hier Datenströme empfangen und somit muss eine mögliches geringe Fehlerrate sichergestellt sein, damit der Empfänger die Daten problemlos korrigieren kann. Diese verhält sich aber leider nicht direkt proportional zum Eingangspegel des Signals in dB. In der Folge befindet sich jede Pi mal Daumen von Hand eingerichtete Sat-Antenne in Gefahr, bezüglich der Bit-Fehlerhäufigkeit ein grausiges "Bild" abzugeben - gleich, ob der Pegel nun besonders hoch oder besonders niedrig ist. Die Fehlerkorrektur kann die Fehler im empfangenen Signal irgendwann nicht mehr puffern und das Signal bricht immer wieder oder dauerhaft ab.

Lösung: HDTV-Anlagen digital einmessen
Je nach übertragener Datenmenge potenziert sich das Problem. Daher gilt für Empfangsprobleme bei HDTV im Prinzip: Zunächst einmal die Fehlerrate prüfen. Das aber geht nur mit einer digitalen Einmessung. Wobei uns wiederum ein handelsüblicher "Sat-Finder" nicht mehr weiter hilft, denn der misst nur den Pegel. Wer also nicht gerade ein digitales Messgerät im Keller liegen hat, das eine saubere BER-Messung (Bit Error Rate) unterstützt - mit der die Anlage und jede einzelne Teilnehmerdose nachgemessen wird - kommt hier ohne Fachmann also eigentlich nicht weiter.

Vielfältige Einflussfaktoren
Zudem beeinflussen viele weitere Faktoren Signalstärke (dB) und Bitfehlerrate. Die Größe der Sat-Schüssel, der Verstärkungs-Faktor des LNBs, sogar die Kabellänge zum Receiver und die damit verbundene Signaldämpfung spielen eine Rolle - von der Qualität und Verarbeitung aller verwendeten Komponenten inklusive Dosen, Kabel- und Steckverbindungen ganz zu schweigen. Falls ein Fachbetrieb die Sat-Anlage gerade erst für viel Geld installiert hat, sollte man diesen auf die BER-Messung ansprechen. Es gibt leider noch genug "Experten", die lediglich auf den Pegel achten. Die Fehlerrate ist jedoch keinesfalls die einzige Ursache für das beschriebene Fehlerbild, weshalb wir uns im Folgenden dem Pegel zuwenden.




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Problem Nr. 2 - Ein zu hoher Pegel
Wirft man einen Blick in die DVB-Norm, sieht eigentlich alles ganz einfach aus. Das Nutzsignal an der Antennensteckdose muss laut Euronorm EN 60728-1 für Digital-Sat mindestens 47 dB und darf maximal 77 dB betragen. Für das über 4QPSK übertragenen TV-Signal in SD-Auflösung ist das auch durchaus richtig, doch beim in 8PSK übertragenen HDTV ist die Sachlage etwas anders.

Ein Receiver zwei Modulationsformen
Tatsächlich verhält sich ein und dieselbe Receiver-Elektronik beim Empfang von 4QPSK und 8PSK nämlich durchaus unterschiedlich. Erfahrungswerte belegen, dass ein 77 dB-Eingangssignal beim 4QPSK-Empfang (also digitalem SD Fernsehen mit Standardauflösung) meist unproblematisch ist. Beim 8PSK-Empfang für HDTV übersteuert mit demselben Receiver aber möglicherweise das Signal und verursacht Übertragungsfehler. Langjährige Erfahrungen belegen: Bei HDTV ist oft schon ab ca. 72 dB Schluss mit Lustig. Das resultierende Fehlerbild ist dem eben beschriebenen zum Verwechseln ähnlich: nach Sekunden oder Minuten entstehen Klötzchen, das HDTV-Programm setzt in regelmäßigen Abständen aus - oder ist gar nicht erst zu empfangen.

Pegeldifferenz zwischen SD und HDTV
Dass die HDTV-Programme der meisten für HD genutzten Satelliten-Transponder zum Teil ca. 6 dB stärker hereinkommen, als SD-Transponder, macht die Sache nicht gerade besser. Der seit dem 30. April auf ASTRA 19,2° Ost zur Übertragung des Programmpakets ARD-HD1 genutzte HD-Transponder 19 scheint besonders leistungsstark zu sein - und beherrschte entsprechend die ersten eiligen Schlagzeilen. Zudem kommen die einzelnen "Sendemasten" des Satelliten je nach Jugendlichkeit, Ausrichtung und Abstrahlleistung unterschiedlich stark herein, was zu durchaus unterschiedlichem Fehlerverhalten eines Receivers auf verschiedenen HDTV-Programmen führen kann.

Lösung: Das Signal dämpfen
Auch bei Pegelproblemen können die Größe der Sat-Schüssel, der Verstärkungs-Faktor des LNBs und die Kabellänge zum Receiver das Problem verstärken oder abschwächen. Ist einfach nur die Pegeldifferenz zu hoch (und die Bitfehlerrate in Ordnung), hilft schon ein für wenige Euro erhältliches 10 dB Dämpfungsglied am Kabel zum Receiver. Bevor man einen Fachmann zur digitalen Einmessung der Anlage bestellt, ist dieser - in vielen Fällen hilfreiche - Ansatz auf jeden Fall einen Versuch wert! Ziel ist ein Eingangssignal von 47 dB bis 72 dB für das Empfangsgerät.

Problem Nr. 3 - Die Empfangselektronik kann entscheiden
Einige Hersteller waren in der Lage, auftauchende Probleme über Software-Anpassungen hilfreich zu beeinflussen. Wer ein Markengerät besitzt, darf also hoffen. Tatsächlich aber reagieren hier im Prinzip verschieden aufgebaute Tuner-Elektroniken unterschiedlich allergisch auf ein zu starkes Empfangssignal. Der Handlungsspielraum der betroffenen Hersteller ist daher an diesem Punkt begrenzt.

Bedruckte Tunerschaltungen - Der Katastrophenfall
Dies zeigt sich beim Katastrophenfall: Für etliche als bedruckte Schaltung umgesetzte Empfangselektroniken zwei sehr bekannter Hersteller aus Asien und Übersee muss das Eingangssignal sogar auf unter 60 dB abgesenkt werden. Das wiederum heißt: Jeder, der versucht, HDTV mit solchen Geräten selbst an einer optimal eingemessenen Anlage zu empfangen, muss zunächst zwangsläufig scheitern. Da hilft auch kein Software-Update.

Problem Nr. 4 - Ein DVB-Standard, viele Variablen (Firmware)
Als letztes Hindernis bietet der DVB-Standard viele kleine Stellrädchen, an denen ARD und ZDF aber auch andere Anbieter drehen können. Bei ihrem durchaus rechtschaffenen Bemühen, Qualität gegen Bandbreite abzuwägen, hat jeder Programmanbieter eigene Lösungen gefunden, möglichst vielen Empfängern ein optimales HDTV-Bild bei möglichst geringer Bandbreite zu präsentieren.

Empfangsprobleme über Nacht
Auch dies zwang einige Hersteller zu kleineren Software-Korrekturen - und erledigte manches Billiggerät vollständig. Denn mit der Verschiebung der bereits vorhandenen öffentlich-rechtlichen HD-Programme auf neue Transponder traten bei einigen Receivern plötzlich ebenfalls Ruckler, Klötzchenbildung und Aussetzer auf. Inwiefern dies mit Signalveränderungen durch die veränderten Rahmenbedingungen bei der Ausstrahlung, oder mit der - aus der Hardwarebranche bekannten - Software-Abstimmung auf neue DVB-Konfigurationen zu tun hat, ist letztlich nur im Einzelfall zu klären. Die verwendeten Konfigurationen waren bei Testausstrahlungen für die Hardwarehersteller jedenfalls bereits Monate im Voraus verfügbar gemacht worden.

Lösung: Firmware Updates
Wenn eine neue Firmware angeboten wird, ergibt es natürlich Sinn, diese auch einzuspielen. Sofern der Fehler damit beseitigt ist, erspart man sich eine zeit- und zuweilen auch kostenintensive Suche. Tatsächlich liegen die beschriebenen Probleme deutlich häufiger im Bereich der Empfangsanlage bzw. Signalqualität/-pegel. Was die Veröffentlichung neuer Firmware-Versionen betrifft, beobachten wir die Situation seit Anfang April und uns sind die folgenden Updates bekannt:

Die Modelle Altech SetOne TX- 9900 HD Twin, TX-9500 HD und TX-9000 HD, Clarke-Tech HD5000 und HD5000C, Skymaster DXH 90 (alte Version), DXH 900, DCHD 95, DXH 30, DXH 40, DXH 80, DXH 220, DXH 100 und DCHD 9000 sowie Topfield TF77x0HSCI und TF77x0HCCI haben nach Angaben der Hersteller ebenfalls Probleme, doch diese Geräte warten noch auf ihre Updates - mittlerweile seit zwei Wochen.

Fazit
Auch wenn der Start für einige Zuschauer etwas holprig war: Der Mehrwert von HDTV lohnt sich! Wir hoffen, dass dieser Guide einigen Lesern bei der Bewältigung ihrer Empfangsprobleme helfen kann. Und wir würden uns über zahlreiche Rückmeldungen im Forum freuen!




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