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Alte Soft- und Hardware im Post-XP-Zeitalter weiterverwenden - Druckansicht - Seite 1 von 3
UPDATES:
Wir hatten es schon lange gewusst und können uns wirklich nicht überrascht geben. Dennoch setzt der heute auslaufende Support für Windows XP sogar jene Zeitgenossen in Panik, die schon aus Prinzip nie ein Sicherheits-Update eingespielt hatten und seit 2001 ohne Service Pack unterwegs sind (weil der ja nur alles ausbremst). Diesen Menschen können wir aus voller Überzeugung mitteilen, dass sie sich überhaupt keine Sorgen machen müssen. All diese virenverseuchten Kisten sind auch morgen und übermorgen noch genauso unsicher, wie sie es schon seit Jahren waren.

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Wer hingegen sein Windows XP seit 2001 gehegt und gepflegt hat, steht vor einem Problem. Am heutigen Abend spielen wir feierlich die letzten beiden Patches ein und dann heißt es Abschied nehmen oder die Verbindung zum Internet trennen. Doch nicht nur Windows XP wird heute zum Sicherheitsrisiko, auch bei Office 2003 wird Microsoft keine Schwachstellen mehr beseitigen und gerade Bürosoftware ist ein sehr beliebtes Angriffsziel für Internetkriminelle. Und dann sind da noch der alte Drucker, der Scanner, die Soundkarte und die TV-Karte, für die es keine aktuellen Treiber mehr gibt. Alles ein Fall für den Elektronikschrott?
Mitnichten! Im folgenden beschreiben wir mehrere Szenarien für den Umgang mit alter Software und Hardware im Post-XP-Zeitalter.

Szenario #1: Es gibt schon einen neuen Rechner

Dies ist sozusagen der Idealfall, denn die alte Maschine kann nach dem Aufspielen der letzten Updates vom Netz genommen werden. Als reines Offline-System ist Windows XP sicher, denn Schädlinge kommen nur noch über Datenträger auf das System - und diese Gefahr können wir mit einem aktuellen Virenschutz auf dem Online-Rechner gering halten. Alle alten Geräte und Programme werden weiterhin mit Windows XP genutzt und wir können uns entspannt zurücklehnen.

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Szenario #2: PC, Peripherie und Software sind nicht allzu alt

Wenn der eigene Computer noch keinen Staub angesetzt hat, bietet sich der Umstieg auf Windows 7, 8.0 oder 8.1 an. Während die Benutzeroberfläche von Windows 7 stark an XP erinnert und man sich kaum umgewöhnen muss, stellen Windows 8.0 und 8.1 durchaus eine Herausforderung dar - auch für etliche Programme und Spiele. Der Support für Windows 7 soll am 14. Januar 2020 auslaufen, für Windows 8.1 nennt Microsoft derzeit den 11. Juli 2023. Für Windows 8.0 verlangt Microsoft den Umstieg auf Windows 8.1 bis zum 13. November 2015. Dieser ist zwar kostenlos, funktioniert aber nicht mit allen Computern - dazu gleich mehr.

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Die Anforderungen an die Hardware sind bei allen drei Windows-Versionen sehr ähnlich: Die 32-Bit-Fassungen benötigen einen Prozessor mit einem Kern und einer Taktrate von 1 GHz, 1 GByte Arbeitsspeicher sowie 16 GB freien Festplattenspeicher. Für die 64-Bit-Versionen müssen es 2 GByte RAM sowie 20 GB freier Festplattenspeicher sein. Bezüglich der Grafikkarte wird mindestens DirectX 9 gefordert. Allerdings gibt es in Bezug auf Windows 8.0 und 8.1 ein paar Besonderheiten zu beachten:Wenn man Windows 8.0 64-Bit installiert hat und die CPU eine der drei genannten Erweiterungen nicht unterstützt, scheitert das Upgrade auf Windows 8.1. Und dies bedeutet leider, dass man ab dem 13. November 2015 keine Sicherheits-Updates mehr bekommen wird! Als Ausweg bieten sich Windows 7 oder die 32-Bit-Variante von Windows 8.1 an.
AMD hat seine Prozessoren der Baureihen Athlon 64, Opteron und Turion 64 im März 2005 mit CMPXCHG16b, PrefetchW und LAHF/SAHF ausgestattet, benötigt wird die Revision D oder neuer. Intel folgte im Dezember 2005 mit dem G1-Stepping des Pentium 4. Es kann allerdings auch vorkommen, dass die CPU alle Anforderungen erfüllt, aber der Chipsatz bzw. das BIOS des Mainboards diese ignoriert. Hiervon sind leider viele Systeme auf Basis von Intels Core 2 betroffen.



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Szenario #3: Peripherie und Software unterstützen zum Teil nur XP

Auf dem PC läuft jetzt zwar ein modernes Betriebssystem, doch für einige Geräte gibt es keine passenden Treiber und so manches Programm will nicht mehr starten oder stürzt regelmäßig ab. Für störrische Programme kann man unter Windows 7 und 8.1 einen Kompatibilitätsmodus aktivieren (Rechtsklick auf das Programmsymbol, Menüpunkt "Eigenschaften", Reiter "Kompatibilität"), doch zumeist ist ein virtuelles XP-System die bessere Wahl. Da kommt es uns sehr gelegen, dass soeben die XP-Lizenz von unserem Computer freigeworden ist. Virtuelle Systeme erfordern ein paar Reserven in Bezug auf die Rechenleistung, sind ansonsten aber kein Hexenwerk. Für Anfänger empfiehlt sich die kostenlose VirtualBox von Oracle, da diese Software sehr leicht einzurichten ist.

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VirtualBox wird wie ein ganz normales Programm installiert, danach richten wir die Hardware unseres virtuellen Computers ein. Mit Hilfe der Original-CD oder über eine Image-Datei derselben installieren wir Windows XP auf dem virtuellen Rechner. Nun läuft Windows XP in einem Fenster, dass wir auch auf das Vollbild vergrößern können. Doch nicht nur störrische Programme können wir auf der virtuellen XP-Maschine wiederbeleben, auch uralte Hardware bekommt auf diese Weise eine zweite Chance. Wir haben versuchsweise einen Canon BJ 10SX über einen Printserver mit unserem Router verbunden und den Drucker anschließend im virtuellen Windows XP installiert. Er druckt wieder einwandfrei - angesteuert von einem Rechner ohne Parallel-Port auf dem Windows 8.1 als Betriebssystem läuft.

Szenario #4: Der Computer ist zu alt für Windows 7/8.1

Wenn das alte Schätzchen moderne Windows-Versionen nicht mehr verkraftet, bieten sich Linux oder BSD als Ausweg an. Die unterschiedlichen BSD-Varianten stammen in direkter Linie von Unix ab und sind für Anfänger weniger gut geeignet als Linux. Moderne Linux-Distributionen sind zumeist sehr benutzerfreundlich und lassen sich leicht bedienen. Oftmals fällt der Wechsel von Windows XP zu Linux sogar leichter als der Umstieg auf Windows 8.1.

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Ältere Hardware wird in den meisten Fällen unterstützt. Linux selbst bietet ein breites Software-Angebot, doch mit Hilfe von Wine bekommt man auch viele Windows-Programme unter Linux zum Laufen. Allerdings ist Linux nicht gleich Linux: Es gibt sehr unterschiedliche Distributionen für verschiedene Einsatzgebiete. Zudem stehen bei den meisten Distributionen mehrere Benutzeroberflächen zur Auswahl, so dass man schnell die Übersicht verlieren kann. Wir haben in der folgenden Liste die von uns präferierten Distributionen sowie die passenden Einsatzgebiete zusammengestellt:
Distributionen für den Alltag:Distributionen für Spieler:Distributionen für Media-Center:
Die meisten Linux-Distributionen sind in Form eines Live-Image erhältlich. Man kann das Betriebssystem von einem optischen Datenträger oder einem USB-Stick starten und ausprobieren, ohne es auf der Festplatte installieren zu müssen. In dieser Live-Version läuft Linux zwar etwas behäbig, doch zumindest kann man herausfinden, ob die heimischen Geräte unterstützt werden. Aber selbst bei Linux gibt es Grenzen, wenn es um sehr alte Hardware geht - im folgenden Kapitel werden wir auf ein solches Problem eingehen.



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Linux auf Antiquitäten - die PAE-Hürde

Ein weit verbreitetes Problem beim Versuch, moderne Linux-Distributionen auf sehr alter Hardware zu installieren, sind Prozessoren ohne PAE-Unterstützung. Die "Physical Address Extension" (PAE) ermöglicht es 32-Bit-Prozessoren, mehr als 4 GByte physikalischen Arbeitsspeicher zu adressieren. Dass die 32-Bit-Varianten von Windows XP auf 4 GByte beschränkt sind, ist somit keine technische Notwendigkeit, sondern war eine Entscheidung seitens Microsoft. Dies zeigt sich auch daran, dass bereits Windows 2000 eine Bootoption für PAE bietet. Intel hatte PAE im Jahr 1995 mit dem Pentium Pro eingeführt und AMD im Jahr 1999 mit dem ersten Athlon der K7-Generation. Dummerweise sind viele Chipsätze aus dieser Zeit auf 4 GByte oder weniger limitiert, so dass die CPUs keinen Vorteil aus PAE ziehen konnten. Da PAE auch für das NX-Bit benötigt wird, setzten viele Linux-Distributionen einen kompatiblen Prozessor voraus.
"Okay", werden jetzt viele Leser denken, "Mein Prozessor stammt nicht aus dem letzten Jahrtausend und daher habe ich auch kein Problem". Während dies in den meisten Fällen zutrifft, gibt es eine populäre Ausnahme: Intels Pentium M und Celeron M aus der Banias-Generation. Die Banias wurden im März 2003 vorgestellt und beherrschen PAE, teilen dies dem Betriebssystem aber nicht per CPUID mit. Somit funktionieren nur die Prozessoren der seit Mai 2004 verfügbaren Dothan-Generation ohne Probleme. Aufgrund ihres geringen Energieverbrauchs und der alltagstauglichen Rechenleistung finden sich viele Business-Notebooks auf Banias-Basis bis heute im Einsatz. Und auch auf diesen alten Notebooks bekommt man Linux noch zum Laufen - mit dem kommenden Lubuntu 14.04 LTS ("Trusty Tahr") sogar ohne tief in die Trickkiste zu greifen. Man muss lediglich die Boot-Option "forcepae" verwenden.
Für sehr alte bzw. sehr langsame Computer empfehlen wir ausdrücklich Lubuntu, da es sich hierbei um eine besonders schlanke und ressourcenschonende Linux-Distribution handelt. Folgende Liste gibt Aufschluss darüber, welche Prozessoren sich mit welcher Generation dieses Betriebssystems nutzen lassen:
Wer ein Notebook mit einem Intel Pentium M und Celeron M aus der Banias-Generation auf Linux umstellen möchte, sollte eindeutig zu Lubuntu 14.04 ("Trusty Tahr") greifen. Diese Version ist seit dem 17. April 2014 verfügbar und funktioniert problemlos mit Banias, sofern man den Parameter "forcepae" setzt. Dies funktioniert wie folgt:Wir haben Lubuntu 14.04 auf einem Notebook des Typs ASUS M2400N (Intel Pentium M 1,5 GHz, 768 MByte RAM) installiert und es läuft flüssig.

ReactOS - Der Windows-Klon

Bis vor ein paar Jahren hatten wir die Hoffnung, dass pünktlich zum Support-Ende von Windows XP ein quelloffener Windows-Nachbau bereitstehen würde. Im Jahr 1996 unter dem Namen "FreeWin95" gestartet, machte das heutige ReactOS zwischen 2003 und 2006 schnelle Fortschritte. Ende August 2006 wurde die vielversprechende Version 0.3.0 veröffentlicht, doch in den letzten siebeneinhalb Jahren ging es nur noch langsam voran. Die aktuelle Version 0.3.16 stammt vom 6. Februar 2014 und ist noch weit von einer lauffähigen Beta-Version entfernt. Seit Juli 2009 unterstützt ReactOS Festplatten mit SATA-Anschluss (aber kein AHCI) und im Mai 2013 hielt USB 2.0 Einzug. Mit Druckern und Scannern kann das Betriebssystem leider noch gar nichts anfangen und die Multi-Media-Funktionen beschränken sich auf eine simple Audioausgabe.

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Aktuell läuft eine Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo zur Finanzierung einer ReactOS Community Edition. Bis zum 1. Juni 2014 wollen die Entwickler 50.000 US-Dollar sammeln und versprechen im Gegenzug volle Unterstützung für die drei beliebtesten Geräte und Anwendungen. Die Community Edition soll insbesondere als Grundlage für das kommende ReactOS 0.4 dienen. Bis ReactOS zu einem alltagstauglichen Ersatz für Windows XP wird, dürften aber noch ein paar Jahre vergehen.
Die Installation des aktuellen ReactOS 0.3.16 ist nur etwas für experimentierfreudige Zeitgenossen. Sinnvoller erscheint uns die Live-CD oder das Ausprobieren auf einer virtuellen Maschine. Passende Images gibt es für QEMU, VMware sowie VirtualBox:

Fazit

Es gibt ein Leben nach Windows XP - nicht nur für uns Nutzer, sondern auch für alte Geräte und Programme. Lediglich aus dem Internet sollte man Windows XP in Zukunft heraushalten - außer man will Bösewichte mit einem Honeypot anlocken.



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