Problembehebung: Plattenspieler mit DIN-Anschluss ‐ Seite 2/2

veröffentlicht von doelf am 17.05.2021

Wenn es brummt: Masse und Potentialausgleich

An den meisten Plattenspielern mit Cinch-Anschluss findet sich es ein separates Massekabel, das den Massepotentialausgleich zwischen Plattenspieler und Verstärker herstellt. Hiermit soll verhindert werden, dass ein unkontrollierter Potentialausgleich über den Signalweg stattfindet, der die Wiedergabe durch ein deutlich wahrnehmbares Brummen beeinträchtigen würde. Dieses Problem betrifft Plattenspieler deutlich stärker als andere Geräte, da hier die Signale wesentlich schwächer ausfallen und sich Störungen somit viel stärker bemerkbar machen. Um es noch einmal zu betonen: Es geht nicht um eine Erdung über den Schutzleiter. Es geht einzig und alleine um einen Massepotentialausgleich zwischen den Geräten. Das Problem bei einem Plattenspieler mit DIN-Stecker besteht nun darin, dass dort kein separates Massekabel vorhanden ist.

Cinch-Stecker mit gesondertem Massekabel
Cinch-Stecker mit gesondertem Massekabel - Fotostrecke mit weiteren und größeren Fotos...

Im DIN-Stecker liegt die Masse für den linken und den rechten Kanal gemeinsam auf dem mittleren Kontakt (Nummer 2). Mit diesem sind bei Plattenspielern auch die Massepunkte des Gehäuses und des Tonarms verbunden. Bei der Cinch-Variante wird die Masse von Tonarm und Gehäuse in der Regel über das Massekabel geführt, während die Massen des rechten und linken Kanals getrennt auf den äußeren Kontaktringen (-) des jeweiligen Cinch-Steckers liegen. Das Signal kommt über den inneren Stift (+). Ein DIN-zu-Cinch-Adapter führt das Massegemenge von Pin 2 auf die äußeren Kontaktringe der beiden Cinch-Stecker. Was sollte er auch sonst tun, eine nachträgliche Aufspaltung ist ja nicht möglich. Wenn man Glück hat, reicht das. Wenn man Pech hat, brummt es. Dieses Brummen ist meist nicht sonderlich laut, aber immer gut wahrnehmbar.

5-polige DIN-Buchse
5-polige DIN-Buchse - Fotostrecke mit weiteren und größeren Fotos...

Abhilfe versprechen DIN-zu-Cinch-Adapter mit einem separaten Massekabel. Doch auch hier findet keine Auftrennung statt, denn auch dieses Massekabel ist mit dem zweiten Kontakt des DIN-Steckers verbunden. Dennoch kann ein solches Kabel das Brummen verhindern, beispielsweise bei unserem Verstärker Philips AH 384 A (Baujahr 1980), an dem der Plattenspieler Philips GA 437 (Baujahr 1977) absolut sauber läuft. Anders sieht es am Hifi-Receiver Onkyo TX-7630 (Baujahr 1989) aus, wo erst nach dem Anschluss des Massekabels eine leichte Brummschleife entsteht. Dieses Brummen wird richtig schlimm, wenn wir die Stromversorgung des Plattenspielers über eine der integrierten Steckdosen auf der Rückseite des Receivers laufen lassen - wer mit einem DIN-Adapter arbeitet, sollte den Plattenspieler immer über eine eigene Steckdose betreiben. Mehrfachsteckdosen sind kein Problem.

Philips GA 437 bei der Wiedergabe
Philips GA 437 bei der Wiedergabe - Fotostrecke mit weiteren und größeren Fotos...

Sollte das Brummen nicht verschwinden, ist eine systematische Fehlersuche angesagt. Idealerweise beginnt diese beim DIN-zu-Cinch-Adapter, den man mit einem anderen Gerät testet. Da oftmals kein zweites DIN-Gerät zur Verfügung steht, kann man auch von einem Cinch-zu-DIN-Adapter auf den zu testenden DIN-zu-Cinch-Adapter gehen und die Funktion mit einem herkömmlichen Stereogerät abklären. Im nächsten Schritt sollte man das DIN-Kabel des Plattenspielers auf mögliche Bruchstellen prüfen. Die technischen Unterlagen des Plattenspielers wären ebenfalls hilfreich, denn manche Hersteller haben bei einigen Modellen Unsinn getrieben und beispielsweise die Masse auf den äußeren Kontaktring des DIN-Steckers gelegt. Hier kann der Umbau auf Cinch eine sinnvolle Alternative sein: Wer seinen Plattenspieler neu verkabelt, kann die Masseführung auftrennen und damit einen störungsfreien Betrieb sicherstellen. Aber auch sonst lohnt ein Blick ins Innere, denn zuweilen sind die Massepunkte von Gehäuse und Tonarm nicht in Ordnung oder die Kabel beschädigt.

Zum Abschluss noch ein gut gemeinter Ratschlag: Wenn nichts brummt, gibt es auch nichts zu tun! Die Chancen etwas zu verschlimmbessern, sind immer gegeben und müssen nicht unbedingt ergriffen werden ;-)


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